Aller Nervosität zum Trotz springt Jacqueline Seifriedsberger zu einer Medaille.

© APA/BARBARA GINDL

Bronze für Seifriedsberger
02/22/2013

Bronze für Seifriedsberger

Gold im Damen-Springen geht an die die US-Amerikanerin Sarah Hendrickson vor der Japanerin Sara Takanashi.

Wo war die Jubelpose? Wo das zufriedene Lächeln? Wo waren all die anderen emotionellen Gesten und Gefühlsausbrüche, die man von Medaillengewinnern kennt?

Als Jacqueline Seifriedsberger gestern nach ihrem Finalsprung in Predazzo durch den Schanzenauslauf fuhr, mit versteinerter Miene und hängenden Schultern, da deutete nichts darauf hin, dass sie soeben den größten Erfolg ihrer Karriere gelandet hatte.

Regungslos und fast ein wenig erschrocken starrte die Oberösterreicherin, die als Drittplatzierte ins Finale gegangen war, auf die Anzeigetafel. So als hätte sie Angst, dass es bei ihrem dritten WM-Start wieder nicht zur langersehnten Medaille reichen würde. "Ich war mir zu diesem Zeitpunkt einfach nicht sicher, ob es für eine Medaille ausgeht."

Als dann aber nach langen und bangen Sekunden des Wartens endlich der Einser aufleuchtete und die Bronzemedaille hinter der Amerikanerin Sarah Hendrickson und Sara Takanashi (Jap) sicher war, da gab es bei Jacqueline Seifriedsberger kein Halten mehr.

Sie riss die Skier in die Höhe, sie zeigte ihr strahlendstes Siegerlächeln und fiel ihren österreichischen Teamkolleginnen um den Hals. "Ich kann es gar nicht glauben", jubelte die 22-Jährige, "es ist jetzt endlich das aufgegangen, was ich mir so gewünscht habe."

Befreiungsschlag

Der Druck und die Verantwortung, die bei dieser Weltmeisterschaft auf Seifriedsberger gelastet haben, waren enorm. Nach der verletzungsbedingten Absage der Titelverteidigerin Daniela Iraschko (Kreuzbandriss) musste die Oberösterreicherin nun plötzlich in die Bresche springen.

Eine enorme Herausforderung und Reifeprüfung für Jacqueline Seifriedsberger, die in der Vergangenheit nur allzu oft ein Opfer ihres zarten Nervenkostüms geworden war. "Aber ich bin mittlerweile nicht mehr so nervös wie früher."

Das bewies die 22-Jährige zuletzt auch schon im Weltcup. Sechs Mal landete sie in diesem Winter auf dem Siegespodest, zuletzt gelang ihr in Sapporo sogar der erste Weltcupsieg. "Es ist unglaublich, was für Fortschritte sie in den letzten achtzehn Monaten gemacht hat", sagt der österreichische Damen-Coach Harald Rodlauer.

Mit Seifriedsberger, die aus Waldzell kommt, der Heimat von Andreas Goldberger, und Teamküken Chiara Hölzl (15), die als Neunte überraschte, hat Österreich nun auch für den ersten WM-Mixed-Bewerb am Sonntag hervorragende Medaillenchancen. Rodlauer: "Wir sind definitiv gut aufgestellt."

Name Land Weiten Pkte
1. Sarah Hendrickson USA 106,0 / 103,0 253,7
2. Sara Takanashi JPN 104,5 / 103,0 251
3. Jacqueline Seifriedsberger AUT 104,0 / 98,5 237,2
4. Coline Mattel FRA 102,0 / 95,5 229,5
5. Carina Vogt GER 99,5 / 96,0 225,4
6. Jessica Jerome USA 100,0 / 98,0 224,9
7. Anette Sagen NOR 97,0 / 94,5 213,3
8. Evelyn Insam ITA 96,0 / 92,5 210,5
9. Chiara Hölzl AUT 95,5 / 94,5 204,3
10. Julia Kykkänen FIN 92,5 / 90,0 203,2

Nicht für den 2. Durchgang qualifiziert: 36. Katharina Keil (AUT/77,6 Punkte/85 Meter)

"Jaci" springt aus Iraschkos Schatten

Ihre Vorbilder sind Andreas Goldberger und Janne Ahonen. Mit der Bronze-Medaille am Donnerstag in Predazzo bei den Nordischen Weltmeisterschaften hat sich nun auch Jacqueline Seifriedsberger beim dritten Versuch in die Ehrentafel von Titelkämpfen eingetragen. Die 22-jährige Oberösterreicherin schaffte damit endgültig den Durchbruch und sprang im wahrsten Sinne des Wortes für die verletzte Weltmeisterin von 2011, die Steirerin Daniela Iraschko, perfekt in die Bresche.

Seit der Verletzung Iraschkos hat sich Seifriedsberger tatsächlich noch einmal gesteigert. Fünf ihrer sechs Podestplätze in dieser Saison kamen seit Hinterzarten Mitte Jänner zustande. Und am 3. Februar 2013 durfte die 1,60 m kleine Athletin aus Schildorn sogar ihren ersten Weltcupsieg feiern - es war übrigens der erste oberösterreichische seit Goldberger am 9. März 1996 (Planica.)

"Ich habe auch mental ein bisschen etwas umgestellt, jetzt bin ich nicht mehr ganz so nervös", verriet Seifriedsberger im WM-Vorfeld. Nicht unwesentlich dabei geholfen hat ihr ÖSV-Cheftrainer Harald Rodlauer, der seit Mai 2011 mit ihr arbeitet. "Sie hat sich früher mehr auf das konzentriert, was andere machen. Jaci ist nun viel mehr auf sich selbst fokussiert", berichtete Rodlauer. Er schätzt die gebürtige Riederin als sehr professionell, genau und zielstrebig.

Aushängeschild

"Ich habe ihr schon vor der Saison gesagt, dass sie heuer den Durchbruch schaffen wird", sagte der Steirer. Freilich sei Seifriedsberger ein wenig im Schatten von Weltmeisterin Daniela Iraschko gestanden. Dass der Ausfall Iraschkos durch eine Knieverletzung Seifriedsberger noch stärker gemacht hat, will er nicht bestätigen. "Sie war schon vorher stark und immer knapp hinter Dani."

Doch nun stand plötzlich Seifriedsberger als Aushängeschild der ÖSV-Springerinnen da. Ein Umstand, mit dem sie auch erst zurechtkommen musste. "Früher haben sich alle auf Daniela gestürzt, jetzt konzentrieren sich alle auf mich. Das ist natürlich ungewohnt", sagte Seifriedsberger.

Zum Skispringen gekommen ist sie im Alter von sechs Jahren durch ein Familienmitglied. "Mein älterer Bruder ist in Waldzell gesprungen. Ich wollte es ihm nachmachen. Und außerdem war dort der Goldi", erinnert sich Seifriedsberger, die seitdem für den SC Waldzell springt.

"Skispringen können nur die wenigsten"

Und noch einen Bezug hat sie zur Herren-Weltklasse, denn mit Gregor Schlierenzauer war sie einmal eine Zeit lang im Skigymnasium Stams in einer Klasse. Als Junioren-Weltmeisterin zeigte die Oberösterreicherin im Jahr 2008 ihr Potenzial auf, nun hat sie ihren Traum von einer WM-Medaille erfüllt.

Noch immer reagieren die Leute überrascht, wenn sie erzählt, dass sie Skispringerin ist. Doch gerade das reizt "Jaci", wie sie genannt wird. "Skispringen können nur die wenigsten. Das ist schon etwas Spezielles."

Schon am Sonntag kämpft Seifriedsberger im neuen Mixed-Bewerb wieder um Edelmetall. An der Seite von u.a. Schlierenzauer, ihrem ehemaligen Klassenkollegen.

Nach den dritten Weltmeisterschaften geht es im Februar 2014 für die Skisprung-Damen auch erstmals um Olympia-Gold. Seifriedsberger wird auch dort zu beachten sein.

Jacqueline Seifriedsberger

Geb.:20.1.1991 in Ried/I. (OÖ)Wohnort:Schildorn (OÖ)Größe/Gewicht: 1,60 m/52 kgFamilienstand: ledig

Verein: SC WaldzellHobbys: Fußball, Volleyball, Musik, Lesen, Freunde Homepage: www.jacqueline-seifriedsberger.com/

Größte Erfolge: WM: Bronze Einzel 2013 im Val di Fiemme (Normalschanze) Zwölfte 2009 in Liberec (erste WM für Damen) Weltcup: 1 Sieg (3.2.2013) sowie fünf weitere Podestplätze in dieser Saison, derzeit Weltcup-Gesamtdritte Kontinentalcup: 3 Siege; Gesamt-7. 2008/09, 8. 06/07 Junioren-WM: Gold 2008

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