Basketball-EM: Einer gegen alle

Der Deutsche erzielte im letzten Vorrundenspiel beim 81:80 gegen Lettland elf Punkte.
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Dirk Nowitzki prägt seit Jahren das deutsche Basketball-Team. Doch der Superstar steht der Entwicklung der Mannschaft im Weg.

German Wunderkind. Selbst Legenden des Basketballs kommen ins Schwärmen, wenn die Rede auf Dirk Nowitzki kommt. Magic Johnson und Charles Barkley bezeichnen den 33-Jährigen gar als "einen der größten Basketballer aller Zeiten."

Zweifellos ist der Deutsche der beste Basketballer in Europa. Zehn Mal wurde er ins All-Star-Game der NBA gewählt, 2007 war er in der stärksten Liga der Welt der wertvollste Spieler der Saison, heuer krönte der 2,13-Meter-Mann seine Karriere mit dem Meistertitel mit den Dallas Mavericks.

Ehrgeizig

Doch um einen würdigen Abschluss seiner Karriere in der deutschen Nationalmannschaft hat Nowitzki derzeit hart zu kämpfen. Einmal noch würde er gerne bei den Olympischen Spielen antreten - 2012 in London. Um sich zu qualifizieren, muss sein Team bei der Europameisterschaft in Litauen die Zwischenrunde überstehen - und das scheint unmöglich, da Deutschland keine Punkte aus der Vorrunde mitnimmt. Die Gegner in Gruppe E sind deutlich stärker als die Deutschen einzuschätzen: Frankreich, Serbien, Spanien, Türkei und Litauen. Ein Scheitern würde das Ende der Teamkarriere von Dirk Nowitzki bedeuten.

Der Ehrgeiz, mit dem der Multimillionär seine Mannschaft anführt, ist beeindruckend - manchmal sogar zu groß. Als sich die Vorrundenniederlage gegen Serbien (64:75) abzeichnete, wollte Nowitzki im Alleingang die Partie drehen. Dabei stieß er gegen die routinierten Serben an seine körperlichen Grenzen.

"Das geht ein bisschen auf meine Kappe", sagte der Blondschopf, doch Nationalcoach Bauermann sah ausschließlich die Mitspieler in der Pflicht. "Mit Dirk hat derjenige, der am meisten Renommee hat, mehr gefightet als die anderen. Und da muss man sagen, Freunde, so geht das nicht."

Dominant

In der kurzen Vorbereitungszeit ist es Bauermann nicht gelungen, das zwei Jahre ohne Nowitzki spielende Team mit dem Star zu vereinen. Immerhin reichte es gegen die bereits ausgeschiedenen Letten am Montag zum dritten Sieg. Heiko Schaffartzik, dem mit elf Punkten und zehn Assists ein Double-Double gelang, rettete dem Team mit einem Dreier acht Sekunden vor dem Ende den knappen 81:80-(33:33)-Sieg.

Doch der Leistungsunterschied zwischen dem Superstar und dem Rest des Teams wird zu einem Problem. Im Schatten Nowitzkis trauen sich die übrigen zu wenig zu. "Es ist nicht einfach für die jungen Spieler zu wissen, wann sie Verantwortung übernehmen und wann sie den Ball zu Dirk geben sollen", sagte Schaffartzik.

Nowitzkis Ausnahmestellung im Team manifestierte sich in einem Disput mit Teamkollegen Tim Ohlbrecht in der Schlussphase des Serbien-Spiels. Nach Ohlbrechts Eintausch forderte Nowitzki beim Trainer unüberhörbar den Rücktausch. Denn Ohlbrecht beendete mit einer Unaufmerksamkeit die Aufholjagd der Deutschen abrupt. Nowitzki ließ sich gehen und zischte Ohlbrecht auf dem Weg in die Kabine eher unfeine Worte ins Ohr.

Einsichtig

Später am Abend entschuldigte sich Nowitzki vor der versammelten Mannschaft, für Ohlbrecht war die Sache erledigt, so sei der Sport: "Ich hatte einen Abriss verdient, und den hat Dirk mir gegeben."

Sollten die Deutschen bei der EM scheitern und Nowitzkis Teamkarriere in Vilnius statt in London enden, hätte das für das Team auch einen positiven Aspekt. Denn Spieler wie Ohlbrecht sind in Anwesenheit des NBA-Stars selten in der Verantwortung - und wenn, wirken sie überfordert.

"Wir bewerben uns ja nicht für die EM 2015, nur weil wir eine Europameisterschaft ausrichten wollen", sagt Verbandspräsident Ingo Weiss. "Sondern weil da etwas nachkommt."
Etwas, dem Nowitzki derzeit noch im Weg steht.

Zur Person: The German Dirkules

Dirk Nowitzki Der Deutsche (213 cm/113 kg) wurde am 19. 06. 1978 in Würzburg geboren. Nach einem Jahr beim deutschen Zweitligisten Würzburg wechselte er 1998 in die NBA. 2011 gewann er mit Dallas als erster Deutscher den NBA-Titel. Er erhielt als erster Europäer die Auszeichnung "Best NBA Player".

(kurier) Erstellt am
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