TOPSHOT-ATHLETICS-WORLD-2019

© APA/AFP/MUSTAFA ABUMUNES / MUSTAFA ABUMUNES

Sport
09/30/2019

"Aus der Tiefe der Hölle": Hitze-Tortur bei der WM in Doha

Die Leichtathleten befinden sich an der Grenze der Leistungsfähigkeit. Zuschauer gibt es dabei nur wenige.

Die Bilder von taumelnden, kollabierten und in Rollstühlen abtransportierten Leichtathleten bei der WM in Doha gehen um die Welt. Die extreme Hitze und subtropische Schwüle ist für die Sportler eine Qual - doch in Katars Hauptstadt schaut kaum einer zu. Beim Frauen-Marathon und dem 50-Kilometer-Gehen der Männer säumten zu mitternächtlicher Schlafenszeit nur hunderte statt tausende Zuschauer die Strecke. Die absehbaren Torturen im sportlichen Grenzbereich und das minimale Interesse an der WM ist den Scheichs offenbar egal.

Auch ins gekühlte, komfortable Khalifa-Stadion sind keine Massen zu locken. Die Hälfte der 40 000 Zuschauer fassenden Arena ist ohnehin abgedeckt worden - und die verbliebenen Sitzplätze sind auch beim 100-Meter-Finale der Männer am Samstag nicht mal zu 50 Prozent belegt gewesen. "Es macht nichts, ob hundert oder hunderttausend zuschauen", meinte der US-Sprinter und WM-Zweite Justin Gatlin. "Wir wollen mit Stolz Leistung bringen und wir sind sicher, dies getan zu haben."

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Beat the Heat

Eine Diskussion über Sinn oder Unsinn, die WM in den Wüstenstaat Katar zu vergeben, hielt IOC-Präsident Thomas Bach "für müßig". Vielmehr hoffte er, dass der Weltverband IAAF "die richtigen Maßnahmen" treffe, um das "für die Athleten dann Erträgliche zu machen", sagte der Chef des Internationalen Olympischen Komitees kurz vor der WM der Deutschen Presse-Agentur. Katar gilt als Olympia-Bewerber in spé.

Wüstenmützen, Kältewesten, Hitzepillen: Nach dem Motto der IAAF "Beat the Heat" nutzten Marathonläufer und Geher alles, was im Extremklima vor der Kapitulation aus Erschöpfung zu bewahren versprach. Eine Tortur blieb die Jagd nach Medaillen für Sieger und Aussteiger, die oft in den am Streckenrand verteilten Rollstühlen endete. Davor konnten auch Hitzepillen nicht schützen, die die Körpertemperatur messen.

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Beängstigend und entmutigend

"Es war eine Grenzerfahrung", sagte etwa der deutsche Meister Jonathan Hilbert, der auf dem 23. Platz landete. "Man denkt sich seinen Teil. Es ist grenzwertig, hier die WM zu machen." Es sei hart gewesen, aber bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio werde es härter. Auch in Japan werden schwülheiße Extrembedingungen erwartet. Der WM-Dritte aus Kanada, Evan Dunfee, kann sich eine Steigerung nicht vorstellen: "Ich komme aus der Tiefe der Hölle."

Beim Frauen-Marathon hatte die an Hitze gewöhnte Rose Chelimo aus Bahrain, die WM-Silber gewann, "gebetet, dass ich das Rennen beenden kann". Als "beängstigend, einschüchternd und entmutigend" empfand den zermürbend langen Kampf die WM-Neunte aus Kanada, Lyndsay Tessier, und war dankbar, "auf den Beinen ins Ziel gekommen" zu sein.

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