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Sport
03/03/2019

Auch Radprofi Denifl soll Blutdoping gestanden haben

Laut Staatsanwaltschaft zeigte sich der Tiroler Radprofi nach seiner Festnahme geständig.

Der aktuelle Blutdoping-Skandal hat den Radsport erreicht. Wie die "Krone" unter Berufung auf zuverlässige Quellen berichtet, sei der Tiroler Stefan Denifl im Zuge der seit längerer Zeit gegen ihn laufenden Ermittlungen festgenommen worden und legte in Einvernahmen ein Dopinggeständnis ab. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck bestätigte ohne Namen zu nennen Ermittlungen gegen einen Tiroler Radprofi.

Denifl, für den die Unschuldsvermutung gilt, war am Sonntagmorgen für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Der Österreichische Radsport-Verband verfügte vorerst über keine Informationen. Laut Staatsanwaltschaft habe ein Tiroler Radprofi bei Einvernahmen am vergangen Freitag die Anwendung der verbotenen Methode Blutdoping gestanden.

Festnahme zur Vernehmung

Hansjörg Mayr, Sprecher der Innsbrucker Staatsanwaltschaft, sagte zum ORF auf die Frage, dass es Meldungen gebe, wonach Denifl unter Dopingverdacht stehe und ob das stimme: "Es ist richtig, die Ermittlungen gegen den deutschen Sportmediziner und seine Komplizen haben jetzt auch den Verdacht gegen einen Tiroler Radsportler ergeben. Auch er steht im Verdacht, Sportbetrug begangen zu haben."

Der Sportler sei am Freitag zur Vernehmung festgenommen worden, habe sich geständig gezeigt und sei noch am gleichen Tag wieder entlassen worden. Den Namen Denifl nahm Mayr selbst in dem Sonntagmittag ausgestrahlten Interview nicht in den Mund.

Der Verdacht gegen den Sportler habe sich im Zuge der Ermittlungen gegen den deutschen Sportmediziner nach den Doping-Razzien in Seefeld und Erfurt erhärtet. Am Freitag wurde der 31-Jährige schließlich einvernommen. Dabei zeigte er sich laut Anklagebehörde geständig. Anschießend sei er wieder enthaftet worden. Weitere Details wollte die Staatsanwaltschaft dazu aktuell nicht nennen.

Vertrag im Dezember aufgelöst

Denifl war in den vergangenen zehn Jahren einer der erfolgreichsten heimischen Radprofis. Der Bergspezialist stand nach seinen Anfängen in Österreich seit 2010 bei verschiedenen internationalen Rennställen unter Vertrag und schaffte dabei auch Spitzenplätze bei renommierten Rennen wie Paris-Nizza.

Zuletzt trat der Stubaier mehrere Jahre für das Schweizer World-Tour-Team IAM in die Pedale, anschließend war er 2017 und 2018 bei Aqua Blue engagiert. Für den irischen Zweitdivisionär gewann er im Juli 2017 die Österreich-Rundfahrt und zwei Monate später sensationell eine Bergetappe der Spanien-Rundfahrt Vuelta.

Im vergangenen Oktober unterschrieb der Familienvater einen Vertrag beim neuen polnischen World-Team CCC. Zu Weihnachten wurde dann aber völlig überraschend die Auflösung des Vertrages bekannt, es wurden dafür "persönliche Gründe" Denifls angeführt. Weitere Angaben machte der Rennstall "aus Respekt vor Stefans Privatsphäre" nicht. Denifl selbst nahm nicht Stellung, auch in den Wochen danach waren keine Details über den Grund für die Trennung zu erfahren gewesen.

Im Lichte der neuesten Entwicklung ist nicht auszuschließen, dass Denifl bereits damals im Visier der ermittelnden Behörden stand. Diese hatten am vergangenen Mittwoch zusammen mit deutschen Kollegen bei Razzien in Seefeld während der Nordischen Ski-WM sowie in Deutschland fünf Langläufer, darunter die Österreicher Max Hauke und Dominik Baldauf, und als möglichen Kopf einer Blutdoping betreibenden, "kriminellen Vereinigung" einen deutschen Sportmediziner festgenommen. Die fünf Athleten legten mittlerweile Geständnisse ab und der Arzt, der in früheren Jahren auch im Profiradsport aktiv war, kooperiert nach Angaben seines Anwalts mit den Behörden.

Anklagen drohen

Dem Mediziner als mutmaßlichen Drahtzieher und seinen deutschen Komplizen drohen mehrjährige Haftstrafen. Auch die Sportler müssen mit Anklagen wegen Sportbetrugs rechnen, darauf stehen in Österreich Gefängnisstrafen von bis zu drei Jahren. Zudem müssen sie mit sportrechtlichen Sanktionen wie Sperren und nachträglichen Disqualifikationen rechnen. Die Nationale Anti-Doping Agentur (NADA) teilte auf Anfrage mit, man sei im Fall des verdächtigen Tiroler Radprofis in Abstimmung und Zusammenarbeit mit der Polizei in der Causa tätig. Über eine mögliche Verfahrenseinleitung könne aber erst nach Erhalt von zusätzlichen Informationen entschieden werden.

Dem Bericht der Kronen Zeitung, dass Hauke und Baldauf den früheren Langläufer und Dopingsünder Johannes Dürr als "Vermittler" belastet hätten, widersprach die Staatsanwaltschaft unterdessen. Die Krone hatte behauptet, Hauke und Baldauf hätten angegeben, dass Dürr ihnen 2016  "Tür und Tor zum deutschen Arzt in Erfurt" geöffnet habe.