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Sport
02/13/2020

„Arnautovic wird zu 110 Prozent fit sein. 10 kommen von mir“

Eduardo Santos, der Teamarzt von Shanghai SIPG, über den Zustand von Österreichs Hoffnungsträger.

von Andreas Heidenreich

Eduardo Santos ist einer der Stars unter den Teamärzten im Weltfußball. Als „Wunderarzt“ bezeichneten ihn französische Medien, als er 2015 (in Diensten von Zenit St. Petersburg) Paris-Star David Luiz in 15 Tagen fürs Champions-League-Duell mit dem FC Barcelona fit machte, nachdem Pariser Ärzte zunächst eine Pause von zwölf Wochen prognostiziert hatten.

„Mit Wunder hat das nichts zu tun“, sagt der Brasilianer. „Was ich mache, ist Wissenschaft.“ Warum er erfolgreich ist? „Ich versuche immer, für alle Methoden offen zu sein und von allen zu lernen. Was mir zusagt, übernehme ich in meine eigene Philosophie.“

Immer wieder fliegen Fußballstars nach Verletzungen um den halben Erdball, um mit dem Mediziner an ihrer Rückkehr zu arbeiten. Zuletzt etwa Diogo Dalot von Manchester United.

Für die Dienste des Arztes und Physiotherapeuten zahlte Shanghai SIPG im Jahr 2016 eine Ablösesumme in der Höhe von 1,3 Millionen Dollar an Zenit St. Petersburg. In Millionenhöhe soll sich auch das Gehalt des 40-Jährigen bewegen. Als „Head of Medical Department“ führt Santos eine achtköpfige medizinische Abteilung bei Shanghai SIPG an und arbeitet täglich mit Marko Arnautovic.

KURIER: Wann haben Sie Marko Arnautovic erstmals getroffen?

Eduardo Santos: Im Juli, als ihn Shanghai SIPG verpflichtet hat. Ich bin von China nach London geflogen und habe ihn zwei Tage lang sehr gründlich medizinisch durchgecheckt.

Was genau haben Sie untersucht?

Wir haben ein MRI von fast allem gemacht. Seiner Wirbelsäule, der Hüfte, den Beinen, den Knien und den Knöcheln, um mögliche frühere Verletzungen zu sehen. Sein Herz haben wir mittels EKG überprüft. Wir checken, ob es in der Vergangenheit Probleme gab oder ob es einen Eingriff braucht und der Transfer verschoben werden muss. Aber das war bei Marko nicht der Fall. Alles war okay.

Marko Arnautovic hat einmal gesagt: „Ich bin eine Maschine.“ Stimmen Sie ihm zu?

(Lacht)... Ja. Er ist eine starke Persönlichkeit. Aber positiver Natur. Das gibt ihm Selbstvertrauen für seinen Job und das, was er auf dem Fußballplatz tun kann. Er arbeitet sehr gut, trainiert immer und versucht, immer fit zu sein. Somit können wir sagen: Er ist eine Maschine.

Macht es Spaß, mit ihm zu arbeiten?

Ja, er versucht immer, die Dinge lebendig und lustig zu gestalten und verbreitet gute Stimmung. Aber er ist auch professionell. Wir wollen Problemen immer vorbeugen, daher verlange ich von den Spielern, dass sie mir beim kleinsten Zwicken Bescheid geben. So können wir eingreifen, bevor eine echte Verletzung entsteht. Marko verhält sich diesbezüglich gut, deshalb kann er immer spielen.

Die EM im Juni ist für Österreich wichtig. Wird er auch da fit sein?

Zu 110 Prozent. Die zehn Prozent kommen von mir.

Dass er derzeit keine Spiele bestreitet, ist kein Problem?

Nein. Wir haben in Dubai Freundschaftsspiele und das Trainingscamp ist intensiv. Zwei Mal täglich, dazu auch Krafttraining. Wir können mehr trainieren, als während der Meisterschaft. Und wir kontrollieren alles, auch was sie essen. Die Spieler sind fitter, als wenn wir in Schanghai wären.

Eduardo Santos und Marko Arnautovic

Es ist kein Geheimnis, dass das technische Niveau in China nicht so hoch ist wie in Europa. Aber wie steht es um die Physis?

Die Qualität der Spiele ist anders, weil sich die chinesische Liga in der Entwicklung befindet. Die Laufwege der Spieler evaluieren wir mittels GPS, auch im Training. Als ich von Zenit St. Petersburg nach Schanghai gekommen bin, dachte ich, dass der Unterschied groß sein würde. Aber wir haben festgestellt, dass die Distanzen, die die Spieler zurücklegen und die Anzahl der Sprints sehr ähnlich sind. Die rennen hier auch viel.

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