Romy
05.04.2018

ROMY-Stars über ihre erste Rolle

Es ist ein langer Weg bis zum roten Teppich einer Preisverleihung. Nominierte erinnern sich an ihre Schauspiel-Premiere.

Andreas Lust, 1993/’94

Noch heute fröstelt es Andreas Lust, wenn er an die Dreharbeiten zu seinem ersten Kinofilm zurückdenkt (siehe Titelbild). „Es war ein bitterkalter Winter. Wir haben am Set mit Cola-Dosen Fußball gespielt, damit uns in den Stiefeln die Füße nicht einfrieren.“

In „Ich gelobe“ wird der eintönige Alltag junger Soldaten geschildert, die ihren Präsenzdienst beim Bundesheer absolvieren. Die Drehumstände waren sehr authentisch, erzählt Lust, der damals 26 war: „Wir waren ein Haufen Frischg’fangter, der Ton der Aufnahmeleitung dementsprechend scharf. Auch dass wir von einem Motiv zum anderen mit dem Mannschaftswagen transportiert wurden und Catering aus der Gulaschkanone bekamen, hat mir das Gefühl gegeben, dass ich meinen Präsenzdienst ableiste“, lacht er. „Dabei war ich ja eigentlich Zivildiener im AKH.“

Trotz ungemütlicher Bedingungen beim ersten Dreh entschied sich der Schauspielschüler gegen das Theater und für den Film. „Ich gelobe“ erhielt begeisterte Kritiken und war der Auftakt für Lusts erfolgreiche Kino- und Fernsehkarriere. Fehlt eigentlich nur noch eine ROMY, schmunzelt er: „Nach drei Nominierungen würde ich mich sehr freuen, sie auch mal mitzunehmen.“

Patricia Aulitzky, 2007

Der erste Auftritt in einer Kinoproduktion, und dann gleich als Ehefrau von Österreichs größtem Popstar – die Erwartungen waren hoch, als die relativ unbekannte Jungschauspielerin Patricia Aulitzky vor zehn Jahren die weibliche Hauptrolle der Jacky an der Seite von Manuel Rubey im biografischen Drama „Falco – Verdammt, wir leben noch!“ übernahm.

Dementsprechend nervös war die Salzburgerin, die zuvor in Kanada und Südamerika gelebt hatte, vor den Dreharbeiten: „Ich war wahnsinnig aufgeregt und auch unsicher, ob ich es ‚richtig‘ und ‚gut‘ mache. Heute weiß ich, dass es in diesem Sinne kein ‚richtig‘ oder ‚falsch‘ gibt. Mann muss einfach ‚da‘ und ‚ehrlich‘ sein – Meinungen in der Kunst sind auch nur ein Geschmack.“

Die Darstellung als Jacky brachte den Durchbruch, seit 2015 unterhält sie als Berghebamme „Lena Lorenz“ regelmäßig Millionen vor den Fernsehgeräten. Heuer darf sich die  38-Jährige zum zweiten Mal Hoffnungen auf eine ROMY machen: „Die ROMY ist eine Anerkennung vom Publikum für seine Arbeit, die zeigt, dass man geschätzt wird. Diese Bestätigung in Form eines Preises vor allem von jenen zu bekommen, für die man das ja schlussendlich macht, wäre natürlich irrsinnig schön.“

Pia Hierzegger, 1991

Filmfans wissen, dass die 46-Jährige keine Angst vor eigenwilligen Inhalten hat. Der Grundstein dafür wurde vermutlich in den Osterferien 1972 gelegt: „Meine Familie hat einen Super-8-Film gedreht, ich war zwei Monate alt und hatte meinen ersten ‚Auftritt‘ vor der Kamera. Es war eine  Komödie über einen Mann, der sich als Baby verkleidet, um Kinder anzulocken. Ich  bin auf dem Arm meiner Mutter zu sehen: Sie wartet im Film auf die Heimkehr ihrer Kinder, ich schlafe.“

Nach ersten Bühnenerfahrungen als Schülerin bei Krippenspielen – erst Maria, dann Hirte – folgte Anfang der Neunziger die erste richtige Theaterrolle im Stück  „Das besondere Leben der Hilletje Jans“ vom niederländischen Dramatiker Ad de Bont (siehe Foto). „Ich war damals noch sehr schüchtern und hatte Angst vor dem Publikum, deshalb hab’ ich auf dem Foto meine Augen zu.“

Die Furcht vor dem Publikum ist über die Jahre weniger geworden, heute brilliert Pia Hierzegger sowohl auf der Leinwand als auch im Theater. Sollte sie die ROMY gewinnen – es wäre ihre erste –, wird die Grazerin ihre ganze Familie zum Essen einladen. „Schließlich haben sie mir ja damals die Weichen für diesen Beruf gestellt.“ 

Thomas Stipsits, 2005

Man kennt den Steirer als Kabarettist, Polizist im Austro-Tatort und schwulen Scheidungsanwalt der „Vorstadtweiber“ – umso überraschender der Film, in dem er sich vor 13 Jahren erstmals als Schauspieler versuchte: Der Mystery-Thriller „Jenseits“ war ein – überraschend erfolgreiches – Projekt von jungen Grazern, Stipsits, bereits aufstrebender Kabarettist, übernahm die (kleine) Rolle des Bauers David.

„Ich wusste natürlich nicht, wie das vor der Kamera ist, aber es hat mir schon damals irrsinnigen Spaß gemacht.“ Der Traum, Film und Fernsehen zu machen, entstand früh: „Dass er sich  verwirklicht, hätte ich mir nicht gedacht.“ Der bald zweifache Vater und Ehemann von ROMY-Moderatorin Katharina Straßer genießt es, im Scheinwerferlicht zu arbeiten. Was würde er seinem damaligen Ich heute raten? „Ich würde nicht viel anders machen, außer vielleicht öfter Nein sagen.“

Die ROMY, sagt Stipsits, würde einen Ehrenplatz bekommen. „Gerade wir Kabarettisten leben von der Gunst des Publikums, insofern ist ein Publikumspreis eine Ehre.“ Die Konkurrenz in seiner Kategorie ist groß, weiß der 34-Jährige. „Ich halte es mit  Herbert Prohaska: Wir haben keine Chance, aber diese jene müssen wir nutzen.“

Verena Altenberger, 1994

Die 30-Jährige ist heuer zum ersten Mal für eine KURIER ROMY nominiert. „Eine besondere Ehre“, freut sie sich: „Es ist ein Publikumspreis und letztlich möchte ich Filme machen, die Menschen bewegen, unterhalten und zum Nachdenken bringen. Im Endeffekt geht es darum, die Menschen – also das Publikum – zu erreichen.“

Erste Schritte auf eine Theaterbühne setzte die Salzburgerin im zarten Alter von sechs Jahren im orange-weißen Prinzessinnenkleid. „Ich bin mit meiner Ballettgruppe im Stadtkino und
-theater Hallein aufgetreten. Am Ende regnete es bunte Luftballons von der Decke und ich war überglücklich. Das Foto hat meine Oma gemacht, die stolze Zuschauerin war.“

Nach der Matura studierte Altenberger Publizistik, erst danach folgte eine Schauspielausbildung am Konservatorium. 2015 ergatterte sie eine Mini-Rolle im Agententhriller „Mission: Impossible“ mit Tom Cruise, vergangenes Jahr berührte sie als heroinabhängige Mutter im hochgelobten Drama „Die beste aller Welten“ die Kinobesucher. Eine Rolle, die ihr zwar keine bunten Luftballons, aber die goldene ROMY einbringen könnte.