Friedrich von Thun

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Foto: Susie Knoll

Mit Friedrich von Thun ist eine Größe des Film- und Fernsehmetiers nominiert.

Er braucht keine Hauptrolle, um einem Film seinen Stempel aufzudrücken. Ein umwerfender Friedrich von Thun hat in Stefan Ruzowitzkys „Die Hölle“ einen für ihn eher untypischen Part: Er spielt den Vater von Tobias Moretti, mit dem er  im sonnigen Barock-Wien im ersten Bezirk in einer  Wohngemeinschaft lebt und von diesem betreut wird. Als dementer Lustgreis, der seine Finger nicht von jungen Frauen lassen kann und dabei wirres Zeug über Partisanen im Zweiten Weltkrieg brabbelt, liefert er im Duett mit Moretti die komischsten Momente des Films. Einfach grandios – einfach ROMY-verdächtig.

Friedrich von Thun bricht da regelrecht mit dem, was er sich über Jahrzehnte als Marke aufgebaut hat: den Mann für gediegene Rollen, den Herrn der besseren Gesellschaft, den Charmeur  – dass er gar nicht wenige negative Figuren und auch Schräges gespielt hat, wird gern vergessen.

Luftikus

„Ich war ein Luftikus“, sagte von Thun einmal im Interview mit Barbara Rett. Erst die Zusammenarbeit mit Axel Corti habe seine Einstellung zum Beruf grundlegend verändert. Ein wenig liest sich so auch die Filmografie des heute 74-Jährigen, der als Kleinkind den Lageraufenthalt und die  Vertreibung aus Mähren überlebt hat. Am Karrierebeginn standen diverse „Lausbubengeschichten“-Filme und „Schulmädchen-Report“-Ausgaben. Dann drehte er mit Corti „Wie der Mond über Feuer und Blut“, „Eine blaßblaue Frauenschrift“ und „Radetzkymarsch“ - eine ziemliche Kehrtwende.  

Im deutschsprachigen Raum drehte der vielfach Ausgezeichnete  mit allen von Rang und Namen – von Christiane Hörbiger über Senta Berger und Nicole Heesters bis Iris Berben und Katja Riemann. Mit der Serie vom „Professor Capellari“ schrieb er deutsche Fernsehgeschichte, der er noch viele weitere Kapitel folgen ließ. Allein in jüngster Zeit:  „Schwarzach 23“ mit Maximilian Brückner, „Unsichtbare Jahre“ mit Julia Koschitz, „Traumfrauen“ mit Hannah Herzsprung und Karonline Herfurth.

Spielberg & Co

Auch auf internationalen Film-Sets war der Österreicher zu Hause: Er dreht mit Federico Fellini („Ginger und Fred“), Steven Spielberg („Schindlers Liste“) und George Lucas („Die Abenteuer des jungen Indiana Jones“) und stand für die mit Emmys ausgezeichnete Serie „Hitler – Aufstieg des Bösen“ vor der Kamera.

Der Liebe zur Schauspielerei war er sich früh gewiss. Schon im Abteigymnasium im steierischen Seckau spielte er in der Theatergruppe. Nach der Matura studierte er in München Germanistik und Theaterwissenschaften – nur interessierten ihn Studio-Bühne und Kabarett deutlich mehr in der damals „etwas wilden Zeit“, wie er es in einem Interview formulierte. Und so war seine Zukunft nicht die Uni sondern das Theater, der Film, das Fernsehen. Diese Liebe hat er weitervererbt – Sohn Max von Thun ist am 22. März in „Treibjagd im Dorf“ in ORF2 zu sehen.

Showreel von Friedrich von Thun

(Kurier.at) Erstellt am
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