© Eckharter Rainer

Nachlese
04/24/2014

Die ROMY-Akademiepreise sind vergeben

Am Donnerstag wurden die Menschen hinter der Kamera ins Rampenlicht geholt. Der KURIER war live für Sie dabei.

von Karl Oberascher, Rainer Eckharter

Zwei Tage vor der großen ROMY-Gala standen am Donnerstagabend jene Menschen im Rampenlicht, die sonst nur hinter der Kamera zu finden sind: In der Wiener Hofburg sind bei der Akademie-ROMY die wichtigsten Macher und kreativsten Köpfe der deutschsprachigen Kino- und Fernsehbranche ausgezeichnet worden. In insgesamt 10 Kategorien wurden die Preise u.a. für "Bestes Buch TV-Film", "Beste Regie TV-Film" oder "Beste Programmidee" vergeben. Durch das Gala-Dinner führten ROMY-Erfinder Rudolf John und Miriam Hie.

Zu sehen ist die Preisverleihung am Freitag um 21.50 Uhr auf ORF III. Die große ROMY-Gala ist dann am Samstag ab 21.15 Uhr live in ORF 2 zu sehen.

Die ROMY-Akademiepreise sind vergeben

Bester Produzent TV-Film: Oliver Berben „Verbrechen nach Ferdinand von Schirach

Die letzte Kategorie des Abends wird von Ferdinand von Schirach, auf dessen Kurzgeschichtenband die "Verbrechen des Strafverteidigers und Schriftstellers Ferdinand von Schirach“ der von Oliver Berben produzierte TV-Serie basiert, präsentiert. Die sechs Folgen, die im April 2013 ausgestrahlt wurden, waren eine Publikumssensation und wurden von der Kritik für ihre Vielschichtigkeit und kunstvolle Inszenierung hoch gelobt.

"Oliver Berbens Erfolg beruht vor allem auf seiner Liebe zu Geschichten. Er weiß, dass es nichts Aufregenderes gibt als das Herz eines Menschen zu berühren. Dafür danke ich dir, lieber Oliver, und dafür hast du jeden Preis verdient", erklärte Ferdinand von Schirach in seiner Laudatio.

Oliver Berben brach in seiner Dankesrede eine Lanze für so ambitionierte Serien und Projekte wie "Verbrechen nach Ferdinand von Schirach": "Wir haben die Chance eigene Geschichten zu erzählen." Dafür muss man nicht nach Schweden, England oder die USA schauen. "Wir sollen nicht kopieren, sondern auf unsere eigenen Geschichten schauen. Das macht gerade Österreich besonders gut vor. Dass ich da von diesem Land diese Auszeichung erhalte, ist das Schönste, was mir passieren kann."

Mit dem zehnten und letzten Preis des Abends verabschieden wir uns von den ROMY-Akademiepreisen. Auf ein Wiederlesen am Samstag, KURIER.at wird ab 21.00 Uhr wieder mittels Liveticker von der großen ROMY-Gala berichten. Zu sehen ist die Gala ab 21.15 in ORF 2.

Beste Programmidee: „Die Wahlfahrt"/ ORF

Laudator für die nächste Kategorie ist, ganz passend, die österreichische Rallye-Legende Franz Wittmann, der dabei gleich das Angebot macht bei der nächsten "Wahlfahrt" anstatt von Hanno Settele am Steuer zu sitzen.

"Ich gehöre eigentlich gar nicht hierher, denn ich bin einer von denen, der davon ungemein profitiert, was Ihnen allen einfällt", gab sich Hanno Settele bescheiden. In dem neu entwickelten Wahlsendungs-Format kutschierte der ORF-Nachrichtenredakteur in seinem alten Mercedes die fünf Spitzenkandidaten zur Nationalratswahl 2013 einen Tag lang zu ihren jeweiligen Wahlkampf-Terminen.

Das Lob gebühre aber jenen Menschen hinter den Kulissen: "Es ist und bleibt Teamwork".

Bestes Buch Kinofilm: Götz Spielmann, "Oktober November"

Der österreichische Regisseur und Drehbuchautor, der für seinen Film „Revanche“ für den Auslands-Oscar nominiert war, wendet sich in seinem neuesten eindringlichen Kinomelodram dem Thema Sterben. 1993 gewann er für seinen Film "Der Nachbar" den Wiener Filmpreis auf der Viennale. Es folgten die Filme "Die Fremde" (2000) und "Antares" (2004), die beide Österreich-Einreichungen für eine Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film waren.

"Seine Poesie liegt im Detail. Er schreibt starke Charaktere, die dem Nichts trotzen. Die ungewöhnlich gewöhnlich den Kampf des Lebens kämpfen", ehrte Laudatorin Ursula Strauss, die bereits zwei Mal mit Götz Spielmann "arbeiten durfte", den Drehbuchautor.

"Du hast mich aus dem Konzept gebracht", sagte Götz Spielmann nach der überschwänglichen Laudatio von Ursula Strauss. "Das ist dir schon öfter gelungen, ich habe es dir nur noch nie gezeigt."

Und zum Thema: "Die Größe von Drehbuchautoren, besteht darin, dass Sie wissen, dass ihr Fundament am Ende unsichtbar ist - und das ertragen." Deshalb dankte Spielmann - ganz ohne Augenzwinkern - den Regisseuren und Schauspielern, die seine Drehbücher zum Verschwinden gebracht haben: "Ich danke euch für diese wunderbare Vernichtung."

Beste Programmidee: „Rezept für Österreich“ / PULS 4

Jetzt ist Slapstick angesagt: Andi und Alex, bekanntermaßen um keinen (wirklich keinen) Schmäh verlegen, kündigen die Gewinner der "Besten Programmidee" an.

Ausgezeichnet wird das Puls 4-Team um Johanna Setzer und Corinna Milborn, das mit "Rezept für Österreich" ein innovatives Wahlsendungs-Format bei dem SpitzenkandidatInnen zur Nationalratswahl 2013 ihr kulinarisches Rezept live kochten und dabei ihr politisches "Rezept für Österreich" diskutieren.

"Das Ziel der Sendung war fünf Monate vor der Wahl als erster Sender etwas über die Wahl zu machen und auch Leute anzusprechen, die sich sonst nicht für Politik interessieren." Das sei auch gelungen, erklärt Corinna Milborn. "Das haben uns die Rückmeldungen verraten." Vom Büro von Kanzler Faymann habe sie erfahren, dass damals nicht nur Beschwerdemails wegen seiner Politik eingegangen seien, sondern auch welche, die sich über seine Art Steaks zu kochen beschwerten.

Bestes Buch TV-Film: Martin Ambrosch „Spuren des Bösen: Zauberberg“

Mit seinen Drehbüchern für die Reihe „Spuren des Bösen“ kreierte Martin Ambrosch spannende Krimi-Unterhaltung rund um die ungewöhnliche Hauptfigur, den Verhörspezialisten Richard Brock (dargestellt von Heino Ferch).

"Du schreibst über dein Hirn in dein Herz in deine Hand", kündigte Ulrike Beimpold Martin Ambrosch an. Der Drehbuchautor, der erst kürzlich mit dem Grimme-Preis für das Drehbuch zu dem Wiener "Tatort" "Angezählt" ausgezeichnet worden ist, zeigte sich gerührt: "Wenn man wüsste, wie oft ich vor einem leeren Blatt Papier sitze, das in Wirklichkeit mein Laptop ist, weißt du, wieviel mir es mir bedeutet, dass ich als souveräner Autor gelte." Schön auch, dass der ORF und ZDF den Willen gefunden haben meinen Wahnsinn zu finanzieren.

Großer Applaus im Publikum.

Der zweite Teil des Gala-Dinners beginnt mit einer Gedenkminute für Michael Glawogger.

Für Rudolf John war er "einer der begabtesten und außergewöhnlichsten Regisseure Österreichs". Der renommierte Filmemacher starb bei Dreharbeiten in Afrika 54-jährig an Malaria. (Hier finden Sie den Nachruf von Alexandra Seibel und Peter Temel)

Gleich geht es wieder weiter: 5 Preise sind noch ausständig. Darunter auch der Preis für die beste Drehbuch in einem TV-Film und der Preis für die beste Programmidee.

Jene Preise für "Bester TV-Film", "Bester Kino-Film", "Beste Regie Kino-Film", "Beste Kamera Kinofilm" und "Bester Produzent Kinofilm" werden übrigens erst am Samstag im Rahmen der 25. ROMY-Gala übergeben.

Beste Regie TV-Film: Rainer Kaufmann, „Operation Zucker“

Der deutsche Regisseur und mehrfache Grimme Preisträger Rainer Kaufmann setzte das schwierige Thema der Kinderprostitution in einer unerbittlichen Inszenierung um. Die eindringlichen Szenen bleiben an Fakten orientiert und wirken beinahe dokumentarisch, ohne in die Falle der Sensationslust zu tappen.

"Der Film ist eine Zumutung im besten Sinn", meinte Laudatorin Petra Morzé.

"Der Film hat auch mich mitgenommen", sagte der ausgeszeichnete Regisseur. Man fragt sich: Will man das überhaupt erzählen? Diese Geschichten von Kindern, die verkauft werden."

Beste Kino-Doku: "Blick in den Abgrund"

In ihrem Film porträtiert Eder sechs internationale Profiler bei ihrem Blick in den Abgrund - Mord, Vergewaltigung und Totschlag. Sie rekonstruieren Tatverläufe und Motive, erstellen Persönlichkeitsprofile und setzen blutige Puzzles zusammen.

"Nichts ist so abartig wie die Wirklichkeit", das zeige auch dieser Film, meinte Laudator Thomas Raab in seiner launigen Laudatio (der Autor und Musiker gab sogar ein kleines Ständchen zum Besten). "Blick in den Abgrund" von Barbara Eder liefere dafür jedenfalls den eindeutigen Beweis.

Die Regisseurin widmet ihren Preis ihrem Kollegen Michael Glawogger. Der Grazer Dokumentarfilmer, der überraschend im Alter von 53 Jahren verstorben ist, sei ihr stets "ein Vorbild" gewesen.

Beste TV-Doku: „Ian Rankin - Mein Edinburgh

Martina Stilp präsentierte den Gewinner in der Kategorie "Beste TV-Doku". Für Krimis seien die Schauplätze ja besonders wichtig, erklärt sie in ihrer Laudatio. In der 3sat-Dokumentation führte Günther Schilhan zu den Schauplätzen von Ian Rankins in der schottischen Hauptstadt angesiedelten Inspektor-Rebus-Romane und zeigt die Seite Edinburghs, die kaum ein Tourist zu Gesicht bekommt.

Dokumentarfilmer Günther Schilhan, bedankte sich für die "königliche Auszeichnung" nicht nur bei der Laudatorin, sondern auch bei Ian Rankin, seinem Team und die 3sat-Redaktion des ORF. Der Sender ist für "Österreich ein Fenster nach Europa. Und auch wenn es manchmal zieht, bleibt dieses Fenster doch hoffentlich noch lange offen."

Beste Kamera TV-Film: Walter Kindler für "Polt"

"Wenn man als Schriftsteller das Glück hat, dass sein Roman verfilmt wird, muss man sich erst einmal die Frage stellen, ob das überhaupt ein Glück ist", scherzt Alfred Komarek bei seiner Laudatio. Zeigt sich dann aber doch sehr glücklich mit den insgesamt 5 Verfilmungen seiner Polt-Romane.

Das habe vielerlei Gründe, drei hebt er in seiner Laudatio dabei besonders hervor: Das Weinviertel, Hauptdarsteller Erwin Steinhauer und Walter Kindler. Der Kameramann wird mit dem Preis für die "Beste Kamera in einem TV-Film" geehrt: "Jener Mann, der uns allen Polt und das Weinviertel gezeigt hat."

Spezialpreis der Jury

Der erste Preis des Abends geht an den Fernsehfonds Austria. Lilian Klebow ("Soko Donau") hebt in ihrer Laudatio die Leistungen des Fernsehfilmförderungsfonds hervor, der auch im vergangenen Jahr Fördermittel zur Steigerung der Qualität der Fernsehproduktion und der Leistungsfähigkeit der Österreichischen Filmwirtschaft zur Verfügung gestellt habe, um eine vielfältige Kulturlandschaft zu gewährleisten.

Dr. Alfred Grinschgl, Geschäftsführer der RTR-GmbH für den Fachbereich Medien, der die Auszeichnung stellvertretend entgegennahm, unterstreicht die Leistung des Fernsehfonds Austria: "In Summe haben wir 447 Projekte in den letzten 10 Jahren gefördert."

KURIER-Geschäftsführer Thomas Kralinger hebt in seiner Begrüßung die Rolle der Romy für die heimische Filmwirtschaft hervor. "Die Leistungen des österreichischen Films sind mittlerweile weit über die Grenzen unseres Landes hinaus bekannt. Und unsere ROMY hat einen kleinen Anteil daran."

Es geht los: Miriam Hie und Rudolf John begrüßen die Gäste in der Wiener Hofburg: "Heute Abend wollen wir jene Menschen, die im Film eine große Rolle spielen, aber eben nicht vor der Kamera stehen, ehren"

"Hier und heute ist das Herzstück der ROMY", meint Rudolf John. Denn heute werden "die Kreativen, die Macher, die Möglichmacher" der Filme geehrt.

Autor Alfred Komarek im Gespräch mit Erwin Steinhauer: Ihr Krimi "Polt" ist heute ebenfalls unter den Nominierten.

So, langsam füllt sich der kleine Redoutensaal in der Wiener Hofburg. Hanno Settele, der mit seiner "Wahlfahrt" für die beste Programmidee nominiert ist, ist auch schon da.

Die Jury: Anders als bei der ROMY, die ja ein Publikumspreis ist, bestimmen bei den Akademiepreisen die ehemaligen ROMY-Preisträger, wer gewinnt.

Über die Vorauswahl entscheidet eine Jury von FachjournalistInnen verschiedener österreichischer Medien. Diese Jury nominiert in jeder Kategorie jeweils drei Kandidaten. Aus diesen Dreiervorschlägen wählt dann die ROMY-Akademie:

Johannes Bruckenberger, stellvertretender Chefredakteur und Medienredakteur der APAAustria Presse Agentur.

Horst-Günther Fiedler, seit vielen Jahren Film-Redakteur bei verschiedenen Magazinen, ist Mitglied der Chefredaktion von tv-media, Schwerpunkt Kino- und Fernsehfilm.

Angelika Hager leitet seit 1998 das Ressort Gesellschaft im Nachrichtenmagazin profil und schreibt unter dem Pseudonym Polly Adler eine Kolumne in der KURIER Freizeit.

Christoph Hirschmann ist Chefredakteur der Tageszeitung Österreich.

Frido Hütter war sechsmal Österreichischer Kulturjounalist des Jahres und schreibt jetzt als Autor in der Kleinen Zeitung zu verschiedenen Themen.

Dietmar Pribil ist seit 1995 beim KURIER tätig: bis 2007 als Redakteur und Kolumnist im Ressort Kultur & Medien, seit 2007 bei der TV- und Film-Beilage kurier.tv (ehemals tv.woche), die er seit Jänner 2011 leitet.

Julia Pühringer schreibt für tele, Skip und andere Medien über Bewegtbild

Rudolf John, Vorsitzender der Jury Akademie-Kategorien, ist Erfinder der ROMY, jahrzehntelang Film-Chef des KURIER, Kritiker und Kolumnist.

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