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Romy
03/22/2019

Proschat Madani: Die Dame mit dem falschen Pass

Nominiert in der Kategorie „Beliebteste Schauspielerin Serie/Reihe“, gewährt Proschat Madani im Gespräch Einblicke in ihr Leben.

Es kann nicht jede Schauspielerin eine Meryl Streep sein. War die gute Dame doch bis dato sagenhafte 21-mal für einen Oscar nominiert, drei Mal durfte Streep den Goldjungen mit nach Hause nehmen. Ihre Berufskollegin Proschat Madani steht, was Auszeichnungen betrifft, noch mit leeren Händen da.

Aber das könnte sich bald ändern, ist Madani doch bei der ROMY 2019 in der Kategorie „Beliebteste Schauspielerin Serie/Reihe“ nominiert (die Wahl läuft noch bis 25. März). Die Freude über den Erhalt eines Goldmädchens wäre groß, gibt sie zu. Aber: „ Ich finde es schon toll, nominiert zu sein. Die Konkurrenz ist allerdings sehr stark. – Daher werde ich nicht weinend zusammenbrechen, wenn ich die ROMY nicht bekommen sollte“, fügt Madani schmunzelnd hinzu.

IranUSA–ÖsterreichProschat Madani, die einem breiten Publikum spätestens seit ihren Engagements bei „Der letzte Bulle“, „Vorstadtweiber“ oder „Walking on Sunshine“ bekannt ist, wurde 1967 im Iran geboren. Doch bereits als Vierjährige hieß es Abschied nehmen von der Heimat: Gemeinsam mit der Oma, der Mutter und drei Geschwistern führte die Reise über die USA letztlich nach Österreich. „Meine Mutter wollte, dass wir Kinder im Westen aufwachsen und studieren. Glücklicherweise hat uns das Schicksal hierher nach Wien verschlagen.“

Warum ausgerechnet Österreich? Madani: „In den USA wurde unsere Aufenthaltsbewilligung nicht verlängert, meine Mutter wollte aber keinesfalls zurück in den Iran. Also hat sie bei allen möglichen Ländern in Europa Visum-Anträge gestellt – und in Österreich hat es geklappt.“

Der Umstand, dass die kleine Proschat plötzlich in ein völlig anderes kulturelles Umfeld mit einer ihr unbekannten Sprache verpflanzt wurde, war nicht die einzige Erschwernis: Der Vater, der eigentlich seiner Familie folgen wollte, blieb dann doch im Iran. Madani wuchs ohne ihn auf.

Sie erzählt: „In jeder Kindheit gibt es schwere Dinge, die einen prägen. Bei mir waren es das Fremdsein und ohne Vater aufzuwachsen. Aber solche Erfahrungen helfen auch, die Widerstandskräfte zu stärken. Wichtig ist dabei, dass man es sich nicht in der Opferrolle gemütlich macht und im Selbstmitleid schwelgt. Ich bin dadurch sehr achtsam geworden, die Empathie ist stark ausgeprägt bei mir.“

Ihr Leben war lange Zeit geprägt von der Suche nach Zugehörigkeit. „Egal wo ich bin, bin ich irgendwie ein Fremdkörper. Ich habe mich nirgendwo heimisch gefühlt. Heimat ist mehr ein Zustand für mich, als ein Ort“, sagt sie.

Kulturelle Verständigungsprobleme wurden bei Madani auch amtlich gemacht: Weil sich der Übersetzer ihrer iranischen Geburtsurkunde beim Umrechnen von der islamischen in die christliche Zeitrechnung geirrt hatte, wurde im österreichischen Reisepass ihre Geburt vorverlegt: Statt des korrekten Datums (11.10.1967) wurde per Behördenstempel der 11.09. offiziell gemacht. Und ganz nebenbei ging auch noch ein „s“ verloren, bei Prochat Madani. „Ich muss das endlich ändern lassen“, sagt sie. Und lächelt.

Beruflich tut sie, was wir eigentlich alle tun, nämlich in Rollen schlüpfen. Aber sie eben spielerisch, wofür man netterweise auch bezahlt wird. Über die Lust am Spiel sagt Madani: „Es ist einfach verführerisch, in verschiedene Menschen zu schlüpfen. Es fühlt sich wie ein Leo an, man darf Mafiaboss oder Serienmörder sein, und es passiert einem nichts. Der Beruf konfrontiert einen aber auch mit den eigenen Schwächen und Unzulänglichkeiten. Bis heute habe ich nicht den Zustand der absoluten Sicherheit über mich, mein Spiel und mein Können erreicht. Aber Selbstzweifel sind wichtig, auch, um besser zu werden.“

Anfänge am Theater
Ihre ersten Bühnenauftritte absolvierte Madani während der Schauspielschule (sie lernte bei Elfriede Ott), ihren ersten Vertrag unterzeichnete sie Ende der 1980er-Jahre am Landestheater Innsbruck; weitere Stationen waren Wien und Graz.

Rückblickend meint sie: „Ich war unendlich aufgeregt vor Premieren. Ich habe Reinfälle und Erfolgserlebnisse erlebt, allerdings hatten die Erfolge nie das Gewicht, das die Misserfolge gehabt haben.“

Durchbruch im TV
Nach vielen Jahren am Theater habe sich irgendwann das Gefühl in ihr breitgemacht, „dass es Zeit für etwas Neues“ sei. Die Konsequenz dieser Emotion: die Abkehr von der Bühne. „Ich brauche das direkte Feedback des Publikums als Lebenselixier nicht. Es entspricht auch nicht meinem Wesen, 50 Wiederholungen zu spielen.“

Plan B war das Berufsleben vor einer Kamera. Nach kleinen Auftritten in Filmen wie „Indien“ oder „Single Bells“ (die Dame am Check-in-Schalter) waren es dann Engagements bei deutschen TV-Serien (wie „Stadt, Land, Mord!“), die Proschat Madani den Weg zum Durchbruch ebneten: die Rolle der Psychologin Tanja Haffner in der Erfolgsserie „Der letzte Bulle“ (2010; SAT.1).

Seitdem ist Madani serienweise im TV präsent, von „Cop Stories“ über „Vorstadtweiber“ bis „Walking on Sunshine“ – und immer wieder auch in Rollen auf der großen Leinwand, etwa in „Salami Aleikum“, „Bad Fucking“ oder „Die Mamba“.„Im Gegensatz zum Theater geht es vor einer Kamera um einen Moment der Konzentration, und dann ist es weg, abgedreht. Dieses fokussierte Arbeiten, das liegt mir mehr. “

Proschat Madani ist mit dem Regisseur Harald Sicheritz („Hinterholz 8“, „Poppitz“) liiert und lebt in Berlin und Wien.

Proschat Madani im Fernsehen:
Vorstadtweiber: Derzeit wiederholt ORFeins die Erfolgsserie ab Staffel 1, immer montags um 20.15 Uhr. Proschat Madanin spielt die Rechtsanwältin Tina Mossaheb (Ehefrau von Felix und Callboy-Kundin).
Matula – Tod auf Mallorca: Am 19. April zeigen ORF und ZDF einen neuen Fall in Spielfilmlänge, mit Proschat Madani in einer Hauptrolle.

Text: Dietmar Pribil