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Zypern: Insel der ewigen Liebe
04/30/2016

Zypern: Insel der ewigen Liebe

Zypern hat die Liebe, die Sonne und die Mythologie für sich gepachtet. Die drittgrößte Insel im Mittelmeer ist eine stille Schönheit, die immer mehr ins Scheinwerferlicht tritt. Höchste Zeit, der Insel der Götter einen Besuch abzustatten.

von Barbara Reiter

Einer von vielen Bussen fährt langsam die Küstenstraße entlang. An Bord eine Gruppe von Touristen, gekommen, um Zypern zu entdecken. Doch heute lädt das Wetter eher zum Dösen ein. An diesem Tag hat sich die Sonne, die auf Zypern eigentlich an 340 Tagen scheint, hinter den Wolken versteckt. Vorführeffekt. Das Meer ist ruhig und das monotone Brummen des Motors tut sein Übriges dazu. Ein paar Felsen ragen aus dem Wasser. Ganz nett, denkt man, bis der zypriotische Reiseleiter den riesigen Steinen mit seinen Worten Gewicht verleiht. „Das ist der Felsen der Aphrodite.“ Hier handelt es sich also nicht um irgendwelche Steine, sondern DEN zypriotischen Felsen schlechthin (Bild oben). Was wäre die Welt ohne Geschichten? Um viele Sehenswürdigkeiten ärmer. Die Sage erzählt, dass die Göttin der Liebe genau hier dem Meer entstiegen ist – was Aphrodite zur Nationalheiligen und den Ort zum Besuchermagneten macht. Wer dann noch in Vollmondnächten ein Abenteuer wagt und drei Mal um den Felsen schwimmt, hat die ewige Liebe für sich gepachtet. Man muss nur daran glauben. Und das tun die Menschen hier – seit der Antike schon.

Zypern ist nach Sizilien und Sardinien die drittgrößte Insel des Mittelmeers. Nur 70 Kilometer von der Türkei und 100 Kilometer von Syrien entfernt, war sie als Knotenpunkt zwischen Orient und Okzident seit jeher begehrtes Objekt verschiedener Eroberer: Griechen, Türken, Römer, Araber, Kreuzfahrer, Osmanen – alle haben hier ihre Spuren hinterlassen. Die Stadt Paphos etwa, nicht weit vom berühmten Felsen entfernt, ist ein Paradies für Liebhaber antiker Ausgrabungen. Für die von den Römern hinterlassenen Mosaike, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen, ist Paphos berühmt geworden.

Wunderschön anzuschauen im Haus des Dionysos im Archäologiepark der Stadt. Im 2. Jahrhundert lebte hier auf 2.000 Quadratmetern ein reicher Römer, der seinen Fußboden auf über 500 Quadratmetern mit herrlichen Mosaiken auslegen ließ. Die Geschichte liegt einem hier zu Füßen. Jedes Bild erzählt von einer anderen mythologischen Figur. Von Aphrodite, die Narziss verdammt, weil er nur sich selbst liebt oder von Ikarios, der von Dionysos, Gott des Weines, der Fruchtbarkeit und der Ekstase, im Weinbau unterwiesen wird. Dazu die Darstellung der lieblichen Akme, die den ersten gekelterten Wein serviert bekommt. Das macht durstig. Gut, dass der Hafen von Paphos nah ist und Bars und Restaurants extrem einladend aussehen. Vor allem, weil nach einigen kurzen Regenschauern nun auch endlich die Sonne scheint. Ihre Strahlen verwöhnen die Haut wie Streicheleinheiten. Der Winter hat hungrig auf Wärme gemacht. Boote schaukeln sanft im Wasser und Seevögel ziehen am Himmel ihre Kreise. Seele baumeln lassen at it’s best! Das Einzige, was die Idylle leicht trübt, ist Baulärm aus dem nahen Stadtzentrum.

Doch Paphos muss sich hübsch machen. Schließlich wird der Stadt, die zur Römerzeit das Zentrum Zyperns war, 2017 ein neuer Titel verliehen: Kulturhauptstadt Europas! Auch wenn die Teilung Zyperns 1974 in einen griechischen Süd- und einen von Türken besetzten Nordteil, das ganze Land und damit auch Paphos gelähmt hat. Vor 30 Jahren gab es hier nichts als Kakteen, dann wurde die Region vom Tourismus erobert, zum Leidwesen mancher Anwohner. Sie sind der Meinung, dass Paphos den Titel Kulturhauptstadt nicht bekommt, weil es so schön ist, sondern weil es ihn braucht – als Ansporn, um viele ungelöste Probleme anzugehen. Die rege Bautätigkeit zeigt, dass etwas in Bewegung gekommen ist, langsam aber stetig. So wird der bis dato unbelebte Hauptplatz, an dem sich Bibliothek, Polizeirevier und Rathaus befinden, derzeit mit Marmor gepflastert und soll endlich, in neuem Glanz erstrahlend, ein Treffpunkt der Menschen werden. Seit der Antike, bekritteln Einheimische, hätte sich in Sachen Kultur hier nämlich viel zu wenig getan.

Ausgrabungen von Kourion

Doch was wäre Paphos ohne den Archäologiepark oder die Ausgrabungen im Stadtkönigreich Kourion? Kourion liegt auf einer Anhöhe und besticht mit einem einzigartigen Blick aufs Meer. Im Amphitheater sitzen und den Gedanken nachhängen, gehört zu den Dingen, die man einmal im Leben gemacht haben muss. Man könnte zum Beispiel darüber sinnieren, ob es nicht schön wäre, das nächste Mal auf Zypern Sporturlaub zu machen. Denn die Insel gilt als Fahrrad-Mekka und ist bei Profis und Amateuren gleichermaßen beliebt.

340 Sonnentage pro Jahr sind ein unschlagbares Argument. Gute Straßen, wenig Verkehr und abwechslungsreiches Gelände tun ihr Übriges dazu – Flachetappen an der Küste für gemütliche und Anstiege auf bis zu 2.000 Meter ins Troodos-Gebirge für ambitioniertere Fahrer. Die Einzigen, mit denen man sich das Gebirge im Landesinneren teilen muss, sind Wanderer, die den Radfahrern die schöne Landschaft nicht allein überlassen wollen.

Begonnen hat unsere Reise im Südwesten der Insel mit jeder Menge Kultur, dann kam der Sport dazu. Und jetzt? Fehlt noch ein wenig Erholung, die man an der Südostküste Zyperns im Badeort Ayia Napa findet. Bekannt für seine schönen Strände, ist er bei Touristen sehr beliebt.

Der Nissy Beach wurde sogar zum schönsten Strand Europas gewählt, was zur Folge hat, dass man sich die Strandschönheit nun mit vielen Menschen teilen muss. Weniger überlaufen sind der weiße Sandstrand Macronissos, der kleinere „Golden Beach“ oder das weniger touristische Ayia Thekla, sechs Kilometer von Ayia Napa entfernt. Unentschlossene haben die Möglichkeit, sich alle Strände vom offenen Meer aus anzusehen. Täglich fahren unzählige Partyboote vor der Küste auf und ab. Die Hits und Oldies, mit denen man die Touristen dabei beschallt, dröhnen so laut in die Welt, dass bestimmt auch die Götter sie hören. Angeblich soll Aphrodite deswegen regelmäßig wieder im Meer abtauchen, dem sie einst entstiegen ist. Doch vielleicht ist das nur ein weiterer Mythos, der zu Zypern gehört wie Sand, Strand und Meer.

Anreisen Fly Niki fliegt Mo, Mi, Fr und So von Wien nach Larnaka. Abflug: 10:50, So: 6:45 Uhr. Austrian Airlines hebt zwei Mal täglich nach Larnaka ab, Abflug: 10:25 und 20:35. Preis ab 232€ hin und retour. Flugdauer: 4 St.

Wohnen

Annabelle Hotel Wunderschönes Hotel mit üppigem Garten an der Küste von Paphos. Preis für zwei, eine Woche im Juli inkl. Frühstück ca. 2.000 €.www.annabelle.com

Napa Mermaid Hotel Top-Hotel im Badeort Ayia Napa. Eine Woche im Juli für zwei im Meerblick-Zimmer ab 1.070 €. www.napamermaidhotel.com

Sunrise Beach Hotel Das Hotel in Protaras, Larnaka, hat eine wunderschöne Poolanlage. Eine Woche für zwei im Juli ab ca. 1.200 €.www.sunrisehotel.com.cy

Essen Das Essen in Zypern ist eine Wucht. Typisch: Köstliche „Mezze“, eine Auswahl kleiner Gerichte, Salate und Dips. UNBEDINGT PROBIEREN: Tomaten mit Feta-Käse überbacken,Tahini-Dip, Waldpilze in Zitronen-Sauce, würzige Grillspieße und gegrillten Halloumi, der unfassbar gute Quietsch-Käse.

Taverne Fettas Ioanni Agroti 33, Paphos 00357/26 937 822

Restaurant Pyrgos Vasa, Kilianiou Village, Limassol 00375/25942655

Taverna Mousikos Kyriakou Matsi Straße 6, Sotira 00357/23828833

Bewegen Zypern hat vier Golfplätze. Besonders schön ist der Elea Golf Club in Paphos.

Golf-, Wander- und Radtour-Infos gibt:

Zypern-Tourismus, Parkring 20, 1010 Wien, 01/513 18 70, office@zyperntourismus.at

Seit 1974 ist das Land in den zypriotischen Süden und den türkisch besetzten Norden geteilt. Die „Türkische Republik Nordzypern“ wird nur von der Türkei anerkannt, die das Gebiet besetzt hält, seit griechische Putschisten den Anschluss Zyperns an Griechenland durchsetzen wollten. Bis heute gibt es trotz vieler Anläufe keine Einigung zwischen Zypern und der Türkei. Beide Gebiete werden von einer Pufferzone getrennt, die Nikosia zur einzigen geteilten Hauptstadt der Welt macht. Auf Zypern gibt es zwei britische Militärbasen. Großbritannien hat sich die dauerhafte Nutzung der strategisch wichtigen Insel bei der Entlassung Zyperns in die Unabhängigkeit 1960 ausverhandelt.

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