Wo bitte ist Pyeongchang?

Die Olympischen Winterspiele 2018 finden also in einem Örtchen Südkoreas statt, von dem wir Europäer so richtig gar nichts wissen. Grund genug, sich umzusehen.


Am 6. Juli war gewiss, was schon lange vermutet wurde: Die Olympischen Winterspiele 2018 werden im südkoreanischen Pyeongchang ausgetragen - München muss sich geschlagen geben. Umgehend fragten sich alle Deutschen: Warum? Und der Rest der Welt: Wo zur Hölle ist Pyeongchang? Und wieso kann man dort Ski fahren? KURIER.at stellt vor: Südkoreas bekanntestes Skigebiet. Pyeongchang selbst ist ein Landkreis, der dazu gehörige Ort heißt korrekt Pyeongchang-eup. Die Region liegt etwa 180 km weit von der südkoreanischen Hauptstadt Seoul entfernt. Während der Ort mit knapp 10.000 nur so viele Einwohner hat wie Gänserndorf oder Bad Vöslau, leben im gesamten Landkreis rund 45.000 Menschen. Die Region befindet sich in den Tabaek-Bergen, dem größten Gebirgszug der Koreanischen Halbinsel. Sie umfasst drei Skigebiete, ein weiteres ist in Planung: Jungbong wird derzeit errichtet und wird 2018 die Alpin-Bewerbe beheimaten. Überhaupt werden knapp 100 Hektar Wald für die Spiele geopfert. Alle vier Skigebiete werden über 30 Liftanlagen und etwa 60 Pistenkilometer verfügen. Pyeongchang gilt als sehr schneesicher, dabei profitiert es sehr von seiner Lage. Es liegt in rund 700 Meter Seehöhe, die Winter sind lang und reich an Niederschlägen. Als Zentrum der Spiele 2018 soll das Dragon Valley-Skigebiet dienen. Die vier Gebiete sind nie weiter als 30 Kilometer vom Ort entfernt und sollen bis zur Austragung perfekt vernetzt sein. Ski-Touristen können aber schon heute gut dazwischen pendeln. Das Skigebiet ist bislang allerdings eher von Südkoreanern und Asiaten besucht. Wenig wunderlich: Aus mitteleuropäischem Blickwinkel liegt das Gebiet nicht ums Eck. ... ... Der Flug ab Wien dauert mindestens 17 Stunden, bedingt mindestens einen Zwischenstopp und kostet ab 900 Euro. Nix fürs Wochenende. In den öffentlichen Blickpunkt ist Pyeongchang 2008 gerückt, als der Biathlon-Weltcup erstmals in der südkoreanischen Bergregion ausgetragen wurde. Die nötige Infrastruktur wird seit Jahren geschaffen - schließlich hat sich Pyeongchang schon zum dritten Mal für die Austragung der Olympischen Winterspiele beworben. Bereits von 2006 bis 2009 wurde ein Wintersportzentrum namens "Alpensia" für die Olympischen Winterspiele 2014 errichtet. Der Schanzenkomplex alleine kostete 50 Millionen Euro. Der hohe monetäre Aufwand wird sich nach zehn Jahren des Scheiterns mit der Austragung 2018  letztendlich doch lohnen. Aber zurück zu touristischen Leckerbissen: Das Pyeongchang Forellen-Festival ist ein beliebtes Winterfest, bei dem es darum geht, Forellen mit der bloßen Hand aus dem Wasser zu fischen. Das Programm bilden außerdem einige Aktivitäten im Schnee, vor allem ein Bewerb im Eis-Skulpturen-Bildhauern. Apropos Schnee und Eis: Ähnlich wie in Finnland stehen in Pyeongchang Abhärtungsrituale auf dem Programm. Die Berge sind in Südkorea allerdings nie hochalpin, die Baumgrenze wird kaum überschritten. Die höchsten Gipfel des Gebirges heißen übrigens Seoraksan (1708 m), Kumgangsan (1638 m) und Odaesan (1563 m). Nachsatz, je nachdem positiv oder nicht: Die Skigebiete rund um Pyeongchang sind nicht europäisert. Mit allzuviel Bockwurst, Kaiserschmarr'n und Glühwein ist also nicht zu rechnen. Noch nicht.
(KURIER.at) Erstellt am
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