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Oktoberfest
09/23/2013

Wiener Wiesn: Einträchtig in Tanzstimmung

Zum dritten Mal wird der Prater zum Volksfest. Die Massen feiern in den Zelten.

von Anna-Maria Bauer

Lautes Gegröle und jede Menge Menschen in Tracht füllen die Zelte auf der Kaiserwiese. Die Maß Bier werden rasch geleert. Es ist erst kurz nach 20 Uhr und die ersten Gäste tanzen bereits auf den Heurigenbänken: Es ist wieder Wiesn-Zeit.

Im Gösser-Zelt spielt die Band „Bengels reloaded“ Covers von Rammstein bis Liquido. Die Besucher singen enthusiastisch mit. Stefan ist extra aus Düsseldorf angereist. Sein erstes Fazit: „Super Stimmung.“ Freund Kurt Wiesbauer kann dem nur zustimmen. Warum Trachtenfeste gerade so gefragt sind? „Die Tracht unterscheidet sich von der Alltagskleidung. Diese Verwandlung macht es leichter, sich von dem stressigen Alltag zu lösen und sich zu entspannen.“

18 Tage lang – bis zum 6. Oktober – verwandelt sich ein Stück des Wiener Praters wieder in ein großes Volksfest. In Dirndl und Lederhose wird Weißwurst mit Brezn verspeist und volkstümlicher Musik gelauscht. Tagsüber ist auf dem ganzen Festgelände freier Eintritt. Ab halb sieben muss man 34 Euro bezahlen, um in eins der drei Festzelte zu gelangen.

Fünf Dirndln

Auch Travestie-Künstlerin Andrè Cartier ist von der Wiesn begeistert. Sie hat das Fest vergangenes Jahr drei Mal besucht und plant auch heuer öfters vorbeizuschauen. Tracht zu tragen, findet sie „super“. Denn das Wichtigste im Kleiderschrank einer Frau: ein kleines Schwarzes und ein Dirndl. „Ich habe kein kleines Schwarzes, aber dafür gleich fünf Dirndln.“ Ihr Lieblingsstück: ein Kleid von Harald Glööckler.

Neben den drei großen Festzelten gibt es am Gelände mehrere kleine Stände. Zwei Musikanten mit Trompete und Ziehharmonika unterhalten die Gäste.

Besucher Christoph Galler ist bereits in Tracht zur Arbeit erschienen. In der U-Bahn hat es für die Lederhose doch ein paar kuriose Blicke geerntet. „In Wien ist es doch noch etwas Ungewöhnliches“, findet der gebürtige Steirer. „Aber langsam setzt sich die Tracht immer mehr durch.“ Woran das liegen könnte: „Vielleicht an der neu aufkeimenden Freude an der Volkskultur.“

Um das zu fördern, hat jedes Bundesland einen Tag auf der Wiesn bekommen, um Traditionen, Bräuche und Musik vorzustellen. Am 6. Oktober wird es zudem einen Weltrekordversuch geben. Ziel: Die meisten Trachtenpaare auf einem Platz.

Impressionen von der Wiener Wiesn

Brezn Bier & Blasmusik

Das Dirndl löst das kleine Schwarze ab

„Das Dirndl ist einfach ein kommunikatives Kleidungsstück“, sagt Gabriela Urabl. „Die Leute sprechen dich auf der Straße an; man fühlt sich miteinander verbunden.“

Seit etwa vier Jahren verkauft die Klagenfurterin in der Wiener Lerchenfelder Straße Pop-Dirndln mit ungewöhnlichen Aufdrucken. So gibt es ein bordeauxrotes Kleid mit alten Vogue-Covern oder auch ein gelbes Kleid mit Big Ben, Doppeldeckerbus und Tower Bridge. Die Preise für die Unikate liegen zwischen 300 und 500 Euro.

Urabls einfache Erklärung, weshalb dieses Kleidungsstück so im Trend liegt: „ Das Dirndl ist ein Prinzessinnen-Kleidungsstück.“ Es habe eine weibliche Form und mache immer eine gute Figur. Außerdem: „Es ist eine angenehme Großstadtverkleidung. Nicht zu schräg und doch sticht es aus der Menge hervor. Das Dirndl löst langsam das kleine Schwarze ab.“

Die untypischen Kleider kommen gut an. An die 20 Dirndln verkauft die Designerin pro Woche. Das ist fast fünf Mal so viel wie im Vorjahr. „Ich habe das schon beim Münchner Oktoberfest beobachtet – die Mode wird immer schräger.“

„Für mich haben Dirndln nicht nur mit Berg, Tal und Zugehörigkeit zu tun“, erklärt die Designerin. Sie möchte das Modestück weiterentwickeln, nämlich: „mit einem Augenzwinkern“.

O’zapft is! Oktoberfest mit zwei Schlägen eröffnet

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