© Harry Gangl

über Moskau in 48 Stunden
07/14/2015

Moskau in 48 Stunden

von HarryGangl& SieglindeSpanlang

Unser Tag beginnt mit einem guten Frühstück. Beim Verlassen des Hotels stolpern wir im wahrsten Sinne des Wortes über eine Hochzeit in der Lobby, die sich vor das Hotel weiter zieht, welches oft als Kulisse herhalten muss. Es sollte aber nur eine von fünf weiteren Hochzeiten an diesem Tag sein, zu der wir eingeladen worden wären – aber die Zeit drängt und so ging’s ab in die Stadt. Moskau – was soll man dazu sagen – es ist ein einziger Superlativ, der russische Bär dreht hier seine Runden wie nirgendwo anders auf der Welt! Die Stadt ist nicht zu beschreiben. Sie kocht und lässt sich am Abend nur mit eiskaltem Wodka abkühlen. Wären da nicht die Clubs dieser Stadt und ein Mann, der sie steuert und den wir mittlerweile einen guten Freund nennen dürfen. Dazu aber später. Moskau ist einzigartig, in der Vielfalt unübertroffen und lässt sich auf mehrere Arten entdecken: per Auto, zu Fuß, mit der Metro, mit Bus,Taxi oder der Marschrutka in die Randbezirke. Wir beschlossen unseren Tag zu Fuß zu beginnen und erst am Abend mit dem Auto durch die Stadt zu düsen.

Der am Fussweg liegende Mac Donalds erinnerte Sieglinde daran, dass es in den 1990er Jahren während ihres Studiums und beruflichen Tätigkeit hier nur einen einzigen davon gab, vor dem sich lange Schlangen bildeten, um einmal westliches Flair zu ergattern. Über die Bagrationov-Brücke beim Außenministerium vorbei, führt unser Weg in die Arbatstraße, wo sich tagtäglich Straßenkünstler, Händler und Philosophen zu regen Gesprächen treffen, und sich Geschäfte mit Matrjoschken, Samowaren, Bernsteinkonglomeraten und bunten Souveniren aneinanderreihen. Von den Plakaten grinsen Putin mit „RosMolodjosch“ – einer russischen Jugendorganisation, ein russischer Soldat, der den gewonnenen Krieg über den Faschismus feiert, trägt eine Büste von Hitler als Trophäe, und von einer Hauswand schaut heroisch ein überdimensionaler, russischer – bei uns würde man sagen - „Goldfasan“ des Militärs herab. Disneyfiguren und Komiker laden die Passanten zu einem Fotoshooting ein.
Am Gogol-Boulevard treffen wir noch einen Kunsthandwerker, der aus seiner Jugendzeit erzählt, bevor wir die in den 1990er Jahren am linken Ufer der Moskwa westlich des Kremls wieder errichtete Christi-Erlöserkathedrale besuchen, das zentrale Gotteshaus der Russisch-Orthodoxen Kirche, das mit 103 Metern zu den höchsten Sakralbauten weltweit zählt. Da in Sowjetzeiten die körperliche Ertüchtigung scheinbar vor dem religiösen Leben stand, wurde die ursprünglich 1883 erbaute Kirche während Stalins Zeiten 1931 zerstört und von 1995 bis 2000 originalgetreu wiederaufgebaut. An dieser Stelle gab es einen kommunistischen Funktionsbau, in dem sich ein Schwimmbad befand. In der Kirche kommen wir wiederum mit Einheimischen ins Gespräch (der mich kennt, weiss, dass ich sehr gerne und sehr viel rede J) die uns etwas über den Bau zu berichten haben: Im Inneren erreicht die frei liegende Decke eine Höhe von 79 Meter und das Gesamtvolumen der Kirche hat sagenhafte 524.000 m3. Sie bietet Platz für bis zu 10.000 Besucher und gilt als das größte russisch-orthodoxe Kirchenbauwerk weltweit. Der Altar allein ist 27 Meter hoch und in Form einer Kapelle ausgeführt.

Jetzt aber Schluss mit den Hardfacts und raus, wo es weiter am Puschkin-Museum vorbeigeht, benannt nach dem russischen Dichters Puschkin und welches – Kenner wissen es - eine der bedeutendsten Kunstsammlungen Russlands beherbergt.

Wir wandern entlang der Kreml-Mauer durch den Alexandergarten vorbei am Historischen Museum weiter an jenen Ort mit Namen „Krasnaja Ploschtschad 1", der nicht zuletzt durch die spektakuläre Landung von Mathias Rust 1987 zumindest denjenigen, die den Sitz der Macht bisher nicht gekannt haben, über alle Grenzen hinaus berühmt geworden ist und auf welchem sich auch das Lenin-Mausoleum, die Basiliuskathedrale und das frühere zentrale Kaufhaus GUM befinden. Dazu werfen Sie bitte einen Blick auf die eigene Rubrik des Moskauer Diorama, einer dem Original ins Detail nachgebauten, verkleinerten Kopie des Kremls, welches etliche Jahrzehnte durch die ganze Welt tingelte und zuletzt in New York von Millionen gesehen wurde, bis es sich in „unser“ Hotel verirrt hatte und nun seit 2006 hier seinen Stammplatz hat.
Nachdem wir die eine Machtzentrale hinter uns gelassen haben, sticht uns schon ein Straßenschild auf einem gut erhaltenen Gebäude ins Auge, bei dem jeder Eingeweihte erschaudert, weil er sofort weiss, worum es geht: Lubjanka – DAS Synonym schlechthin für den sowjetischen Geheimdienst (KGB, heute Hauptquartier des FSB - Federalnaja Sluschba Besopasnosti Rossijskoi Federazii – Föderaler Dienst für Sicherheit, der Inlandsgeheimdienst der Russischen Föderation). Die ältere Generation – wir kommen mit einem älteren, gut gekleideten Herrn ins Gespräch, erinnert an riesige, verwinkelte und sehr tief gelegene Verliese in unterirdischen Gewölben, Schrecken, Greuel, Folter und Terror. Für den FSB arbeiten heute weltweit rund 250.000 Mitarbeiter. Und er fügt hinzu, dass heute das alles nicht mehr so „ernst“ zu sehen ist, denn mit Ausnahme der Auslandsspionage und des Föderalen Schutzdienstes – sich die gesamte Infrastruktur des ehemaligen KGB geändert habe, seine Aufgaben erstrecken sich in diesen Zeiten vor allem auf den Staatsschutz , die Inlandsspionage und und die Grenztruppen Russlands.
Nun, wir lassen das mal so stehen und gehen auch in den Untergrund, nämlich in die berühmte Metro - Московский метрополитен - 1935 eröffnet, sie ist sozusagen der Blutkreislauf der Hauptstadt, gehört weltweit zu den U-Bahn-Systemen mit den tiefsten Tunneln und Bahnhöfen und ist mehr als 2,5 Milliarden Fahrgästen jährlich auch eine der am stärksten in Anspruch genommenen Transportmittel.

Die Stationen der Moskauer Metro sind aufgrund ihrer anspruchsvollen Architektur mit ihren unglaublichen Mosaiken auch als unterirdische Paläste bekannt, davon sind zahlreiche Stationen aufgrund ihrer Prägung durch Stalin prunkvoll ausgestattet.

Hervorzuheben als eine der schönsten ist die Kosomolkaja Station. Die 72 achteckigen Pfeiler im Bahnsteigbereich, die allesamt mit hellem Marmor verkleidet sind, haben neben der stützenden Funktion den Charakter eines Dekorationsmittels. Auf den Kapitellen liegen Rundbögen auf, die beim Metronutzer den Eindruck erwecken, beim Gang zu den Gleisen ein Rundtor zu passieren. Der Deckenbereich ist mit mehreren großen Kronleuchtern verziert. Zwischen diesen geben acht Monumentalmosaiken, jeweils aus 300.000 einzelnen Teilen bestehend und durch Stuck umrahmt, Szenerien der russischen Geschichte wieder. Damit wird ein nahezu barockes Erscheinungsbild erzeugt. Der Zugang zu den Bahnsteigen wird durch Zugangssperren geregelt, die das Durchqueren erst nach Anlegen einer Smartcard mit einem eingebauten Chip gestatten. Eine Besonderheit stellt dabei dar, dass sich nicht – wie in anderen U-Bahnen mit Zugangssperren üblich – eine Absperrung öffnet, sondern der geöffnete Zugang gesperrt wird, wenn man versucht, ohne Ticket zu passieren.

Vor der Staatsduma (Государственная Дума) angekommen, erblicken wir ganz oben das alte Sowjetwappen, das gesetzeswidrig - an der Fassade prangt. Denn das im vergangenen Dezember angenommene Gesetz über Hymne, Wappen und Fahne schreibt ausdrücklich und unmissverständlich vor, dass der doppelköpfige Adler die Front von Duma und Föderationsrat schmücken muss. Doch die Dumaverwaltung bockt in diesem Fall. Das graue Gebäude sei ein historisches Baudenkmal und dürfe deshalb nicht verändert werden. Sowjethymne, Trikolore aus der Zeit Peters des Großen und der doppelköpfige Adler aus noch grauerer Vorzeit, diesem von Präsident Putin wohl als historischen Kompromiss gemeinten Vorschlag folgten in der Duma Ende vorigen Jahres letztlich auch die Kommunisten. Ihre Freude über die alte, neue Hymne ließ zwar Demokraten mit den Zähnen knirschen, sie selbst aber den doppelköpfigen Adler fast vergessen.

Jeder Tourist besucht sicherlich den Kreml am Roten Platz, doch nur ganz wenige kennen auch den kleinen Kreml beim Ismailovsky Park, der zum Flanieren und Stöbern einlädt. Es ist sozusagen ein riesiger Flohmarkt mit Disney Charakter samt Schlossfassade und einem Flair von Alibaba. Hier bekommt man fast alles von selbstgestrickten Socken bis zur Kalaschnikow – selbstverständlich die „entschärfte Version“ sagt zumindest der Händler…;-) Zwischen Matrjoschkas und alten U-Boot Uhren treffen wir einen Ex-Alfa Mann des FSB, der mir nach einer ausführlichen Debatte über den aktuellen Ukrainekonflikt und die historische Bedeutung der russischen Präsidenten und der Krim schließlich aus seinem Fundus zwei Patches der Eliteeinheit schenkt. Noch ein Sprung ins Wodka Museum, vor dem uns heraussen eine Tafel 365 Anlässe nennt, an jedem Tag Wodka zu trinken und dann geht’s schon ab ins Hotel, um sich für das Saturday Night Life frisch zu machen.

Party hat in Moskau einen Namen. Und er ist nicht einer der Grossen, sondern DER GRÖSSTE! Er ist eine Ikone, ein Urgestein der Partymacher, ein Bayer. Wo er ist, geht die Post so richtig ab und die Oligarchen versammeln Gott und die Welt und scharen sich um ihn, wie die Mücken ums Licht. Ein „Abtanzen“ der Superlative für mehrere Tage und Nächte ist das Ergebnis.

Unser mittlerweile sehr guter Freund CHRIS HELMBRECHT, der gebürtige Muencher ist DJ, hat ein Buch ueber das Moskauer Nachtleben geschrieben (Fucking Moskau! im Heyne Verlag) und organisiert mittlerweile die größten Parties fuer Russlands Milliardaere.

Unser Führer durchs Nachtleben warnt uns vor. Die Tuersteher der besten Clubs sind hart, auch wenn man sie kennt und sie achten sehr darauf, was man traegt. Sie erkennen sofort, ob man Designerklamotten oder H&M an hat, aber ganz besonders schauen sie auf die Schuhe. "Moskaus Türsteher haben einen Schuhfetisch", warnt Chris und rät uns zu italienischen Nobeltretern, anstatt trendigen Designerturnschuhen, was wir gerne annehmen.

Unser erster Stop ist das Sibir, der Pre-Party Laden, in dem die Reichen und Schönen „vorglühen“. Auch vor diesem Restaurant prüft uns ein Türsteher, so halt, weil es Sitte ist. Er grinst aber, weil wir ja Chris als Vorhut mithaben. Im Sibir sitzen kurzhaarige Stiernacken mit muskulösen Oberkörpern und hautengen Designerklamotten. Meist zu zweit an einem Tisch mit mehreren jungen Mädchen, die alle Profimodels sein könnten, oder sind. Auf den Tischen stehen Dom Perignon Vintage und Chateau Petrus Flaschen in verschiedenen Grössen. Die normale 0.7l Version scheint eine Seltenheit zu sein. Daneben sieht man russischen Kaviar, Steaks und allerhand andere Schlemmereien. Es scheint, als zähle, dass es teuer sein muss, damit der andere Tisch nebenan vor Neid platzt. Ein Mädchen stochert lustlos an ihrem Hummer herum. Sie scheint ein bisschen enttäuscht von dem wenigen Fleisch des Krustentiers.

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"Männer trinken meistens Whiskey, Cognac oder eben Wodka. Die Frauen trinken Champagner kübelweise, erklärt uns Chris. Auf der Bühne spielt eine Liveband irgendwelche russischen Hits. Davor tanzen ein paar Mädels. Eher gelangweilt. Es scheint, sie suchen noch einen Sponsor.

Danach geht es ins SOHO Rooms, Moskaus edelsten Club. Hier werden wir freundlich mit Handschlag begrüsst. Chris organisiert regelmaessig Parties im SOHO Rooms und man kennt sich. Deswegen bekommen wir auch gleich die orangefarbenen Bändchen fuer den VVIP Bereich, die Pool Terrasse auf dem Dach. Die Terrasse ist eher enttäuschend und erinnert ein bisschen an ein Hochzeits-Party-Zelt, als an eine Top Adresse. Auch hier sitzen Stiernacken mit hübschen Mädchen an den Tischen, dazwischen aber auch Leute, die man in einem Wiener Top Club erwarten würde. "Hier treffen sich hauptsaechlich Geschäftsleute. Die ganz Reichen. Aber auch Minister und Stars". Chris fuehrt uns die Treppe hinunter zum Club. Der ist überschaubar und auch nicht unbedingt teuer eingerichtet. Unten im Club ist es noch ruhig, während man oben auf der Terrasse schon munter tanzt und flirtet. Um einen Tisch zu bekommen, erklärt Chris, muss man eine Vorauszahlung von mindestens 1000 bis zu 5000 EUR machen, je nach Grösse und Lage. Dafür bekommt man dann Getränke und Essen und natürlich nichts zurück, wenn man das Deposit nicht aufbraucht.

Unserer dritter Stop ist das Artel Bessonnitsa, oder auch "schlaflose Nächte" übersetzt. Und so ist es auch. Chris meint, das Bessonitsa ist nach dem SOHO Rooms der zweit beste Club in der Stadt. Auch dort stehen jede Menge Leute vor der Tür und die "Face control", so nennt man den Türsteher, sieht wieder einmal ganz genau hin. Oben auf der Terrasse das gleiche Bild. Eine kleine Tanzfläche vor dem DJ und ansonsten Couchen und Tische, die teuer verkauft werden. Alle Tische sind voll. Allerdings ist das Publikum hier ein bisschen trendiger. Am DJ Pult stehen DJs aus Zürich und spielen einen Ibiza Deep House. Auch hier sind die Mädchen unglaublich hübsch. Es scheint an jungen, aufgedonnerten, Mädels in hautengen Klamotten und Highheels, gibt es keinen Mangel in Moskau.

Das Artel Bessonnitsa liegt mitten auf einer Insel, in Kremelnähe, die früher eine Schokoladenfabrik (Insidern als „Krasnyj Oktjabr“) bekannt war und nun 50 Bars und Clubs mitten in Zentrum Moskaus beherbergt.

Dort liegt auch das "Gipsy", Moskaus beste Partybar. Hier spielt der DJ die Charts rauf und runter und die Tanzfläche brummt im Techno Style. Das Gipsy ist eher ein Mittelklasse-Laden. "Dafür zahlt man auch keine 1000 Euro für eine Nacht mit einem Mädchen", meint Chris :- )

Unser letzter Laden diese Nacht ist das "Krysha Mira". Das Dach zur Welt ist auf einer alten Bierfabrik am Fluss, nicht weit von unserem Hotel Ukraina Royal Moskau, einem der sieben 50er Jahre Stalin-Wolkenkratzer.

"Das Krysha ist die härteste Tür Moskaus", warnt Chris. "Wenn wir es nicht schaffen, dann gehen wir nach Hause, aber einen Versuch ist's Wert". Das Taxi hält am Ende der Welt vor einer rostigen Stahltreppe, die nach oben führt und in eine Mauer endet. Vor der Treppe stehen jede Menge Leute und winken der Türsteherin. Bullige Sicherheitsleute in schwarzen Kampfanzügen drängen die Leute zurück. Oben auf der Treppe steht "Dasha", die Türsteherin und selektiert genau, wer rein kommt und wer draussen bleiben muss. Immerhin ist es jetzt schon 4 Uhr in der Früh und längst hell geworden. Wir haben Glück, dass wir Chris dabei haben und wir reinkommen. Danach heisst es Treppensteigen. Wir sind gut ausser Atem, als wir endlich auf dem Dach der Welt stehen. Das Krysha lebt von seinem elitären Ruf, aber auch von seiner Terrasse mit dem Blick auf die imposanten Wolkenkratzer von der neuen Moscow City gleich gegenüber vom Moskwa Fluss. Auf der Terrasse und im Club tollen sich jede Menge Leute. Der Laden ist gesteckt voll und das Publikum eher cool und trendig. Chris erklärt: "Man sieht schon mal einen Minister oder Milliardär, aber in der Regel treffen sich hier die Stars und Sternchen mit den Übriggebliebenen der Nacht. Das können DJs oder Promoter sein, die nun mit ihrem Job fertig sind und auch Party machen wollen, oder Leute, die sich die ein oder andere Nase Koks reingezogen haben und immer noch nicht müde sind. Hier geht die Party bis zwölf Mittags. Manchmal auch bis 16 Uhr und länger"....

Wir gehen nach einer langen, unglaublichen und zuvor noch nie so erlebten Partynacht nach Hause, danken Dir, Chris, König von Moskau für den Tanz mit dem russischen Bären und ich freu mich riesig auf ein Wiedersehen!

Am nächsten Tag fahren wir mit dem Auto raus zur Lomonossow-Universität, der größten 1755 auf Anregung des Schriftstellers Michael Lomonossow gegründeten Universität Russlands einem weiteren Stalin Wolkenkratzer, den sogenannten „Sieben Schwestern“ im Zuckerbäckerstil.Viele sowjetische bzw. russische Persönlichkeiten aus Politik, Kunst und Wissenschaft sind Absolventen dieser Universität, u.a. auch Michael Gorbatschow. Auch Sieglinde J hat hier ein Kurzstudium absolviert. Zurzeit sind ca. 40.000 Studenten aller Fachrichtungen an der Universität eingeschrieben. Der Asteroid Univermoscow ist nach ihr benannt. Die Universität befindet sich auf den Sperlingsbergen (ehemals Leninbergen) unweit des Stadtzentrums innerhalb einer ausgedehnten Parkanlage unweit der Metro - Station Worobjowy Gory.

Der Turm ist mit neoklassischem Dekor und einer Reihe von sozialistischen Heldenskulpturen geschmückt. Die megalomanischen Ausmaße dieses 240 m hohen Universitätsbaus gehen – wie sooft in Russland - weit über die tatsächlichen Erfordernisse hinaus.

Von den Sperlingbergen aus ist das Olympiastadion Luschniki, das grösste Russlands zu sehen. Es liegt im gleichnamigen Bezirk und ist ein UEFA-Stadion der Kategorie 4, der höchsten Klassifikation des Europäischen Fußballverbandes.

Wir kaufen uns noch Pontschiki, typisch russische Krapfen, vergleichbar in der Form mit einer Matrjoschka, einem Mütterchen, das in lebendiger Form oft „Ya Pontschik“ – also „ich bin ein Krapfen“ über sich selbst herzhaft lachen kann und nicht böse ist, wenn man sich mit ihr im wahrsten Sinne des Wortes darüber „zerkugelt“.

Wir kommen an der Statue von Juri Alexejewitsch Gagarin vorbei, zu dessen Ehren (Erster Raumflug am 12. April 1961) im Juli 1980 auf dem gleichnamigen Platz am Lenin-Prospekt in Moskau das futuristische , 13 Meter hohe Denkmal des Bildhauers Pawel Bondarenko aus reinem Titan auf einer 38 Meter hohen, ebenfalls mit Titan verkleideten Säule aufgestellt wurde.

Von hier ist es nur mehr ein Sprung zum Zarizyno-Schlosspark, welches sich im gleichnamigen Stadtteil im Südlichen Verwaltungsbezirk befindet, etwa 18 km vom Stadtzentrum entfernt.

Das Gelände wurde 1712 noch unter seinem ursprünglichen Namen „Tschornaja Grjas“ (Schwarzer Schlamm) von Peter I. dem Großen dem moldauischen Prinzen Kantemir geschenkt, dessen Sohn, verkaufte das Landgut 1775 an Katharina die Große, die das Gebiet in Zarizyno („Ort der Zarin“) umbenennen ließ, um dort einen Landsitz vor den Toren Moskaus zu errichten. Sie gab einen Bau in Auftrag, der mit den Bauten im Petersburger Gebiet mithalten sollte. Nach zehnjähriger Bautätigkeit zeigte sie sich mit dem ersten Hauptgebäude sehr unzufrieden und ließ dieses wieder abreißen. Bis 1793 wurde an einem zweiten Entwurf gebaut, die Bautätigkeit wurde jedoch eingestellt, als Haupt- und die wichtigsten Nebengebäude nur annähernd zur Hälfte beendet waren. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurden einige kleinere Nebengebäude im Neoklassischen Stil vollendet, die Hauptgebäude blieben zum Teil jedoch bis zur Jahrtausendwende unvollendet, in den 1980er Jahren wurden jedoch in Teilen ein Museum eröffnet. Gemeinsam mit dem landschaftlich reizvollen Park bildeten die Ruinen ein beliebtes Ausflugsziel.

2004 ging das bis dahin dem russischen Staat gehörende Gelände im Austausch gegen ein anderes Museum an die Stadt Moskau, die es seitdem nach neuen Plänen weiterbaut und inzwischen fast vollendet hat. Die Stadtverwaltung plant im fertiggestellten Komplex neben dem Museum auch eine Art „Moskauer Eremitage“ unterzubringen.

Hoch hinauf wollen wir danach im Fernsehturm Ostankino. dem Funk- und Fernsehturm der mit einer Höhe von ursprünglich 537 Metern seit seiner Fertigstellung 1967 bis 1975 das höchste, freistehende Buwrrk der Welt war. Der acht Kilometer nördlich des Stadtzentrums stehende Turm wurde ab 1963 nach einem Entwurf von Nikolai Wassilijewitsch Nikitin errichtet und war bis zu einem ersten Brand 2001 für rund 200.000 Besucher jährlich eine Attraktion. Nach Renovierungsmaßnahmen ist er seit 2009 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich, zwar sehr schwer, weil die Sicherheitsmassnahmen mit personifiziertem Pass wohl nicht einmal bei einem Besuch im Weissen Haus in Washington übertroffen werden können. Die Sicherheitsdame kam mir im geschlossenen Bereich mit Einzeldurchgang jedenfalls „gefährlich“ nahe.

Am Weg ins Hotel machen wir noch einen Abstecher in die neue, an Gigantomanie nicht zu übertreffende Moskau City, die an den New Yorker Stadtteil Manhattan erinnert und in ihrem Untergrund ähnlich zu fahren ist, wie der La Defense in Paris, nur halt 10 mal grösser. Erfreulich ist hervorzuheben, dass der Parkscheinautomat sogar Geldscheine als Retourgeld ausspuckt.

Es liegt am linken Moskwa Ufer und beherbergt Geschäfts- und Bürogebäude, darunter auch zahlreiche architektonisch spektakuläre Wilkenkratzer mit luxuriösen Wihneinheiten.

Die Anfänge von Moskau City gehen auf das Jahr 1992 zurück, als mit Unterstützung der Moskauer Stadtverwaltung die Aktiengesellschaft „Moskwa-City“ gegründet wurde, die als Pächter des etwa 100 Hektar großen Geländes und Auftraggeber der Bauprojekte auftritt. Die Idee dieses Projekts beruhte auf der Tatsache, dass die Grundstückspreise am Rande der Innenstadt noch relativ niedrig lagen und keine historisch wertvolle Bausubstanz abgerissen werden musste. Außerdem gab es hier bereits eine sehr gute Verkehrsinfrastruktur, die nur noch modernisiert und integriert werden musste. Die ersten Bauaktivitäten auf dem künftigen Areal von Moskau City starteten Mitte der 1990er Jahre und sind bereits großteils abgeschlossen.

Der Nordturm ist mit einer Höhe von 108 Metern und 27 Stockwerken ein eher unauffälliges Bauwerk unter den Hochhäusern von Moskau City. Es wurde von 2005 bis 2007 errichtet und beherbergt eine Shopping Mall, Büroräume, eine Konzerthalle, ein Fitnesscenter sowie Gastronomiebetriebe.

Müde fallen wir wieder einmal ins Bett und freuen uns auf die Weiterreise nach Kasan – der „Hauptstadt der Tartaren“.

Ah ja und noch etwas Wichtiges an dieser Stelle: Meiner Tochter Ilvy alles erdenklich Gute zu ihrem elften Geburtstag!!!!!

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