Reise
05.12.2011

Wer rastet, der kostet

Genuss-Tour: Wohl bekomms! Mit Essig-Gourmet Alois Gölles auf Schlemmerwanderung durch das steirische Vulkanland

Die Riegersburg thront auf einem 482 Meter hohen, steilen Vulkanfelsen - ein omnipräsenter Bezugspunkt für die anstehende Wanderung in der idyllischen Südoststeiermark. "Das war hier immer ein sehr armes Land mit kleinbäuerlichen Strukturen", erklärt Alois Gölles. Aus der Not ist eine Tugend geworden: "Das Kleinbäuerliche brachte viele kreative Spezialitäten hervor."

Gölles selbst kommt aus einer Obstbauernfamilie. Er erinnert sich noch gut an seine ersten Arbeitseinsätze bei der Ribiselernte. Sein Hobby, Früchte zu veredeln, und sein "empfindlicher Magen" ließen ihn zu einem Experten für feine Essigkreationen und aromatische Schnäpse heranreifen. "Essig hat mich immer schon fasziniert. Manche sind weicher, milder - andere sind schärfer. Die bescherten mir früher Magengeschwüre. Kein Grund, sauer zu werden, sondern zu handeln: Mein Ziel war, sie harmonischer zu machen." Heute ist der Name Gölles eine Marke.

Wandern

"Wir sind keine Hauptweinregion - hier gibt es aber ein kulinarisches Highlight nach dem anderen." Vulcano-Schinken, Zotter-Schokolade oder Finks Delikatessen, zählt der Essig-Mann auf.

Doch wir sind ja zum Wandern gekommen, nicht zum Schlemmen - zumindest nicht in erster Linie. Ausgehend von der Riegersburg verläuft der Wanderweg in zwei Richtungen: eine ist die Ost-Schleife zu Zotters Schokoladentheater. Wir begehen aber die noch unbekannte West-Route, die offiziell erst im Herbst eröffnet wird: die Gölles-Schleife.

Schwelgen

Der Weg ist touristisch relativ unerschlossen. Fernab von ausgetretenen Trampelpfaden bleibt Raum für Entdeckungen - etwa in den Kräuter- und in den Schaubienengärten. "Die Böden im Vulkanland sind äußerst fruchtbar, wir haben ein sehr günstiges Klima. Hier wächst so gut wie alles, was man sich vorstellen kann. 70 Prozent der österreichischen Pfirsiche kommen von hier - sie werden zum Teil weitergegeben und zum Teil veredelt."

Doch das steirische Vulkanland war nicht immer dem Obstanbau gewidmet. "Das alles hier war in früheren Zeiten Tabakanbau-Gebiet", erzählt Gölles, als wir an der ältesten funktionierenden Tabakfabrik Europas vorbeigehen. Auch sie ist heute stillgelegt. "Seit dem EU-Beitritt wurde der Tabakanbau in Österreich praktisch auf null reduziert." Dafür reifen rundherum knackige Äpfel, saftige Birnen und üppige Zwetschken.

Schnuppern

Und schon ist die erste Pause fällig. Die wichtigste Regel beim Genusswandern lautet: Du sollst keine Delikatesse auslassen. Zwischen den Obstbäumen taucht eine Raststation auf - dahinter die Gölles' Manufaktur. Essigwasser und Kostproben laden zum Verweilen ein, Schautafeln erzählen von der Essig- und Schnapserzeugung.

Wie kommt feiner Essig am besten zur Geltung? "Insgesamt stehen wir mit unserer Salatkultur relativ weit oben, aber bei uns gibt es das Problem des schwimmenden Salats - mit Essig, der gezuckert wird", meint der Feinspitz. "Man muss die Eigengeschmäcker im Essig leben lassen." Sein Apfel-Balsamessig oder der Gölles-Tomatenessig sind auch wirklich zu schade, um mit Zucker verfälscht zu werden.

Einkehren

Auf dem Rückweg zur Riegersburg geht es durch Gestrüpp, vorbei an üppigen Obstfeldern und verlockenden Rastplätzen. Für eine Stärkung vor der letzten Etappe lohnt sich ein Abstecher ins Seehaus. Serviert wird eine Mischung aus rustikaler und moderner, aber immer herzhafter steirischer Hausmannskost - die sehr willkommene Abkühlung gibt es anschießend im Badeteich.

Süßes & Saures: Rund um die Burg

Riegersburg: Erstmals im Jahr 1138 erwähnt, galt die Riegersburg über Jahrhunderte als unbezwingbar. Seit 1822 ist sie im Besitz der Familie Liechtenstein.

Hexenmuseum: In der Ausstellung wird die Geschichte der Hexenprozesse sehr eindrucksvoll aufgearbeitet. Viele Familien, die im Rahmen der Prozesse erwähnt sind, gibt es heute noch.

Zotter: Sehenswert ist auch eine Tour durch Zotters Schokoladenmanufaktur und den essbaren Tiergarten - von der Kakaobohne bis zu Schokoladekreationen gibt es viele Kostproben (Tel.: 03152/5554), www.zotter.at