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Reise
10/01/2016

Weitwandern: Wege ins Glück

Weitwandern boomt. Für manche geht es um die Sehnsucht nach Natur, für andere um Selbstfindung. Es kann, muss aber nicht immer der Jakobsweg sein. Ein Blick auf Europas schönste Weitwanderwege.

von Barbara Reiter

Und plötzlich ist man mitten in einem Rosamunde-Pilcher-Film. Liebe liegt in der Luft, denn beim Anblick von Cornwall ploppen im Kopf Liebesszenen der TV-Romanze im Sekundentakt auf – als hätte man Popcorn in die Mikrowelle gestellt. Idyllische Dörfer schmiegen sich mutig an die Küste mit diesem einzigartigen Blick: Mehr Meer!

Cornwall ist zu schön, um nur auf der Durchreise zu sein. Der viel bessere Weg ist, es auf dem Küstenpfad, der die gesamte Südwestspitze Englands umrundet, zu erwandern. Für die insgesamt mehr als 1.000 Kilometer braucht man etwas Muße und viel Zeit. Es sei denn, man pickt sich das schönste Stück heraus, das vom Künstlerstädtchen St Ives über Land’s End, dem westlichsten Punkt Englands, bis zur Hafenstadt Plymouth führt. Unterwegs wartet wieder Kino im Kopf. Dieses Mal ist es ein Piratenfilm, der davon erzählt, dass die Pfade, auf denen man heute wandelt, einst Refugium von Schmugglern und Wrackplünderern waren.

Cornwall Küstenpfad: 280 km Meerblick

Die Wanderung entlang der Küste ist weitgehend moderat und in zweieinhalb Wochen gemütlich machbar. Unterkünfte entlang des Pfades gibt es zuhauf – von Bed & Breakfast bis zum Luxus-Hotel.
www.southwestcoastpath.org.uk

Paulo Coelho hat mit seinem Buch „Auf dem Jakobsweg“, das 1986 erschien, den nach dem Apostel Jakobus benannten Jakobsweg erst so richtig berühmt und damit auch touristisch gemacht. Seit er nämlich offenbarte, die eigene Beschreitung des Weges hätte seinem Leben eine Wendung beschert, wollen immer mehr Menschen das auch erleben. 1979 machten sich 13 Pilger auf den Weg, 2015 waren es auf der Strecke von den Pyrenäen nach Santiago de Compostela in Spanien, wo die Grabstätte des Heiligen zu finden ist, 262.459. Wer auf volle Unterkünfte und wenig Ruhe verzichten möchte, weicht auf andere Jakobswege in Europa aus. Erst kürzlich wurde in Wien ein 38,4 km langer Abschnitt eingeweiht, der von der Jakobskirche in Schwechat über den Alberner Hafen bis Purkersdorf führt.

Jakobsweg: 800 km Selbstfindung

Der Bekannteste der Jakobswege, der Camino Francés, beginnt an der Grenze von Spanien/Frankreich und braucht bis zum Ziel in Santiago de Compostela fünf Wochen Zeit. Einige Pilger gehen aber die 87 km bis zum „Ende der Welt“, Finisterre, weiter.
www.jakobs-weg.org

Alles, was schön ist, hat man nie für sich allein: Der Laugavegur, der Weg der heißen Quellen, ist der populärste mehrtägige Wanderweg Islands. Warum? Weil die Landschaft so abwechslungsreich ist, dass man sich wie im Fantasyfilm à la „Herr der Ringe“ fühlt. Die heißen Quellen, die genialsten Badewannen der Welt, sind natürlich auch ein heißes Argument.

Weg der heissen Quellen: 54 km durchs Paradies

Den „Laugavegur“ kann man in vier Tagen gehen. Die Höchste Stelle liegt auf 1.050 Meter. Die Hütten auf dem Weg haben Küchen zur Selbstversorgung. Im Sommer sind sie oft ausgebucht. Alternative: ein Zelt.

http://en.fi.is

Der Kungsleden oder Königsweg besteht aus einem Nord- und einem Südteil, die aber nicht miteinander verbunden sind. Der nördliche Teil ist beliebter, weil er mit der Eisenbahn von Stockholm aus leicht zu erreichen ist. Außerdem kommt man unterwegs beim höchsten Berg Schwedens vorbei, dem 2.104 Meter hohen Kebnekaise. Wem 440 km am Stück zu intensiv sind, fokussiert sich am besten auf bestimmte Abschnitte. Auf dem Weg von Abisko bis Nikkaluokta geht’s durch die baumfreie Hochlandfläche, das skandinavische Fjell. Dort sagen sich Mensch und Rentier: Gute Nacht!

Der Königsweg: 105 km durchs Fjell

Der Abschnitt zwischen Abisko und Nikkaluokta ist in neun Tagesetappen machbar. Unterwegs gibt es einige Selbstversorgerhütten mit Übernachtungsmöglichkeit. Reisezeit: fast immer. Aber: Im Juni und Juli gibt’s das faszinierende Licht der Mitternachtssonne obendrauf. Stechmücken leider auch, die sich im August und September aber wieder verziehen.
www.swedishtouristassociation.com

Ach du schönes grünes Irland! Der Dingle Way zählt zu Recht zu einem der schönsten Wanderwege der Insel, weil: Es gibt auf der Wegstrecke immer wieder Pubs, Pubs, Pubs! Und nun die Infos für ernsthafte Wanderer: Der Dingle Weg im Südwesten Irlands führt einmal rund um die gleichnamige Halbinsel, die durch abwechslungsreiche Landschaft besticht: Küstenwiesen, ein Berg, Klippen, hügeliges Gelände und Sandstrände auf denen man insgesamt 20 km zurücklegt, wenn auch nicht am Stück. In Tralee geht's los. Highlights unterwegs: der Inch Beach, Hafenstädte wie Annascaul, Klippen und immer wieder Ruinen alter Ansiedlungen, Forts, Kirchen und Burgen, die den Weg säumen. Ach ja: Die Wanderung ist gemütlich. Nur einmal braucht es stramme Wadln – wenn es auf den 950 Meter hohen Mount Brandon, den höchsten und heiligen Berg der Grafschaft Kerry geht.

Dingle Way: 179 km im Grünen

Der Dingle Weg im Süd-westen Irlands ist einer von 30 Weitwanderwegen der grünen Insel. Er ist für einen durchschnittlich trainierten Erwachsenen in acht Tagen machbar. Bis auf den 905 Meter hohen Mount Brandon sind An- und Abstiege nur kurz.

www.dingleway.com

Seit Franz von Assisi der Namenspatron von Papst Franziskus ist, hat auch der „Cammino di Assisi“ an Aufmerksamkeit zugelegt. Hört man sich in den am Weg liegenden Dörfern und Städten um, berichten die Bewohner von einer steigenden Anzahl an Wanderern. Überlaufen wie der Jakobsweg ist der Franziskusweg aber nicht. So kann es schon vorkommen, dass man auf manchen Wegstrecken in der Toskana und Umbrien kaum anderen Wanderern begegnet und bis auf den Charme winziger Dörfer in der Ferne, nur Natur und Landschaft genießen darf. Das Schöne am Franziskusweg ist allerdings, dass Wanderer auch immer wieder die lebendigen Städte Italiens, wie Florenz, Assisi oder Rieti passieren. Auf dem Pfad von Florenz bis Rom soll Franz von Assisi vor mehr als 800 Jahren gewirkt haben. Daran könnte man denken, wenn die langen Märsche zu hungrig machen. Denn gutes Essen gibt es in Italien im kleinsten Dorf, und Völlerei hätte dem für seine Bescheidenheit bekannten Heiligen wohl nicht geschmeckt. Man könnte aber auch denken: Das Leben ist zu kurz, um auf gute Pasta zu verzichten ...

Franziskusweg: 500 km von Florenz nach Rom

Die Wegstrecke ist variabel. Wer wirklich von Florenz bis Rom geht, benötigt rund einen Monat Zeit und legt fast 16.000 Höhenmeter zurück – vorbei an den Wirkungsstätten des Heiligen Franz von Assisi durch die malerische Landschaft der Toskana und Umbriens.
www.franziskusweg-italien.com

Weitwandern. Noch nie davon gehört – bis ich Horst, Werner und Franz kennenlernte. In einem Jahr, in dem ich mich nach Antworten sehnte, lernte ich das Männertrio zwischen 52 und 67 Jahren beim Klosterfasten kennen. Ein paar Monate später war ich schon mit ihnen auf Tour. Erster Stopp: Florenz, von wo aus wir in sechs Tagen auf dem Franziskusweg nach Siena pilgerten. Eine wunderschöne Zeit, die folgende Erinnerungen weckt: viel Stille, gutes Essen, tolle Gespräche – und der Klang von Horsts Posaune, die ankündigte, dass wir kurz vor Erreichen eines kleineren oder größeren Zieles waren.
Ein Jahr später sollten es zehn Tage und 200 Kilometer sein: Von La Verna nach Assisi, wieder im Zeichen des Heiligen Franziskus, von dem ich nur wusste, dass er mit Tieren sprach. In La Verna, so verriet mir Namensvetter und Wanderkollege Franz, soll dem Heiligen Franz ein gekreuzigter Engel erschienen sein. Geschichten, die jährlich 500.000 Menschen nach La Verna bringen – und einige auf den Franziskusweg. Aus dem ersten Jahr wusste ich: Weniger ist mehr, vor allem, wenn es um den eigenen Rucksack geht. Dieses Mal lernte ich: Nicht jede Wanderung ist ein Schönwettertrip. Es regnete oft und intensiv. Aber wie immer, wenn die Zeiten stürmisch sind, lernt man dazu: Zum Beispiel, dass es Regenschutz für Rucksäcke gibt – und dass ein Heiligenweg nicht automatisch die Erleuchtung bringt. Es geht auch nicht um die Anzahl gegangener Kilometer, wie ich bei einer Zwei-Tages-Tour ins Karwendel-Gebirge mit meiner Schwester Karin erfahren habe. Denn nach kurzer Zeit stellte sich in meiner Tiroler Heimat ein, was in Italien, so schön es war, ausgeblieben ist. Das Gefühl, dass das Gedankenkarussell Pause macht. Heute weiß ich, dass Wandern mit Selbstfindungseffekt eine Frage der Reife ist. Man braucht ein Gespür dafür, dass Landschaft und Strecken-Intensität den Bedürfnissen entspricht, die man gerade hat. Dann liegen auch Antworten auf dem Weg.

Picknick mit Bären (2014): 3.500 Kilometer zu Fuß

Kurz vor seiner Rente will es Reiseschriftsteller Bill (Robert Redford, l.) noch einmal wissen: Vor ihm liegt der Appalachian Trail, der längste Fußweg der Welt. Sein alter Schulfreund Stephen begleitet ihn, ein Ex-Alkoholiker mit Übergepäck um die Hüften. Wie Darsteller Nick Nolte im echten Leben.

Dein Weg (2010): Wenn der Vater mit dem Sohn

Martin Sheen in der Hauptrolle eines von seinem Sohn Emilio Estevez produzierten Films. Tom Avery begibt sich auf den 700 km langen Jakobsweg, um die Asche seines in den Pyrenäen verunglückten Sohnes zu verstreuen. Dabei bleibt er nicht allein. Berührend!Brüder III – Auf dem Jakobsweg (2006)

Pilgern auf Österreichisch: Drei Brüder gehen ihren Weg

Drei Brüder, gespielt von Wolfgang Böck, Andreas Vitásek und Erwin Steinhauer, haben nur eines gemeinsam: jede Menge Ärger. Was eignet sich da besser, als Besinnung auf dem Jakobsweg?

Saint Jacques ... Pilgern auf Französisch (2004): 'Auf dem Weg zum Erbe

Drei zerstrittene Geschwister müssen sich des Erbes wegen gemeinsam auf den Jakobsweg begeben. Klar, dass sie sich versöhnen. Spannend sind vor allem ihre Begegnungen.

Ich bin dann mal weg (2015): Vom Buch zum Film

Schauspieler Devid Striesow schlüpft in die Rolle von Entertainer Hape Kerkeling (r.), der den Jakobsweg 2001 bewältigt und so seinem Leben einen neue Richtung gegeben hat.

Der grosse Trip – Wild (2014): 2.000 Kilometer durch die USA

Cheryl hat schwer zu tragen – an Schicksalsschlägen und zu viel Gepäck, das sie bei ihrem Seelen-Trip auf den Pacific Crest Trail mitschleppt. Durch die Begegnung mit der unbarmherzigen Natur relativiert sich ihre Sicht auf vieles. Reese Witherspoon in einem tollen Film.

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