Reise
31.01.2018

Darum ist Aspen auch im Sommer sehenswert

Aspen-Snowmass ist allen Wintersportfreunden als High-Society-Skidorado bekannt. Im Sommer bietet das ehemalige Silberstädtchen großartige Outdoor-Abenteuer in der unendlichen Weite der Rocky Mountains, garniert mit elitärem Lebensgefühl und edelster Kulinarik.

Aus der Entfernung sieht sie wie ein zarter, achtjähriger Lausbub aus. Näher betrachtet zeigt sich allerdings eine ganz andere Persönlichkeit: Peggy "Piglet" Harris kam 1974 nach Aspen, damals war die winzige Blondine 17 Lenze jung. Seitdem ist sie als Outdoor-Guide tätig: Im Winter als Skilehrerin, im Sommer als Rafting-, Kajak-, Paddleboard- oder Bike-Instruktor. "Hi, welcome to your first downhill-class!" kreischt sie uns leicht überdreht im Bike-Center entgegen. Nun geht’s zur Sache: Das passende Downhill-Bike wird ausgewählt, dazu Vollvisierhelm (der so eng sitzen muss, dass man nur noch "o" nuscheln kann), Rückenprotektor, Schienbein-, Knie- und Ellbogenschützer. Wir sehen aus wie moderne Raubritter.

Piglet ("funny name – isn’t it?") führt uns zunächst in ihr ABC des Mountainbike-Downhill ein: A – Actionstand, B – Break, C – Corner (sprich: stehend fahren, Brems- sowie Kurventechnik). Kaum haben wir die ersten Hindernisse im Bike-Park erfolgreich absolviert, zieht es uns per Gondelbahn auf den Berg. Es folgt der erste Ritt talwärts über den schmalen, kurvenreichen Downhill-Parcours. Für alle eine Premiere. "You are the Cowboy! Lass das Bike machen und folge ihm!" rät Piglet. Vorsichtig tasten wir uns bergab – Piglet johlt begeistert: "Awesome!" Wir fühlen uns wie echte Wildwest-Helden.

Outdoor-Metropole der USA

Sporteinheiten wie diese sind typisch für den Sommer in Aspen-Snowmass im US-Bundesstaat Colorado. In Europa ist der Doppel-Ort vor allem als Ski-Paradies bekannt, tatsächlich dominiert der Sommertourismus. Die Gäste des ehemaligen Silberstädtchens sind betucht, viele Promis und Stars urlauben hier – u. a. Michael Douglas, Jack Nicholson, Catherine Zeta-Jones, Mariah Carey oder Kevin Costner. Die große Anzahl parkender Privat-Jets am winzigen Aspen-Airport zeugt davon. Aspen gilt als reichste Stadt der USA, die Immobilienpreise sind exorbitant.

Das schmucke 7000 Einwohner-Städtchen ist die Outdoor-Metropole der USA – alles was "crazy", "gorgeous" und "awesome" ist, wird angeboten: Vom Stand Up Paddling oder Rafting im Wildwasser, über Mountainbiken, Wandern, Klettern, Bungee-Jumping, Paragleiten, Ballonfahren bis hin zu Yoga am Aspen Mountain in 3417 Meter Seehöhe.

Europäer begeistert die gigantische Weite und unberührte Wildnis rund um Aspen. Das Wildleben gibt’s direkt vor der Haustüre – mitunter auch drinnen. "Ja, Bären sind überall", lacht Lea Tucker von der Aspen-Snowmass-Company. "Sie kommen in die Häuser herein und wissen genau, wo der Kühlschrank ist." Neulich spazierte ein Schwarzbär seelenruhig durch die Lobby des edlen 5*-Hotels St. Regis. Wir haben schon am ersten Abend Glück und sehen, keine 50 Meter von unserem Restaurant entfernt, einen zotteligen Meister Petz über die Wiese trotten. Willkommen in den Rocky Mountains! Lea beruhigt: "Nein, wirklich gefährlich sind die Schwarzbären nicht. Sie haben Respekt vor uns und suchen das Weite, wenn sie Menschen wittern!"

Puma und Elch hingegen fürchtet sie weit mehr.

Eine andere – völlig harmlose – Naturbesonderheit ist die namensgebende Espe. Der Baum ist nach dem großen Barriere-Riff der zweitgrößte Organismus der Welt. Die Wurzeln des Weiden-Gewächses mit dem weißen Stamm sind unterirdisch verbunden, 200 bis 300 Bäume bilden ein Lebewesen und betreiben Photosynthese in der Rinde.

Reich & Schön

Zum Outdoor-Wahn passt der Körperkult, der in Aspen noch extremer gepflegt wird als in Kalifornien. Hier sieht man nur schöne, durchtrainierte, supersportliche, gertenschlanke Menschen. Entsprechend ist auch die Kulinarik, Schlagworte wie bio-dynamic oder vegan dominieren die Speisekarten. Wir verkosten herrliche Bison-Steaks, frisches Bio-Grünzeug und Superfood aller Art, lokale Fische oder "avalanche fresh chevre" (lawinenfrischer Ziegenkäse). Die Preise sind für die Spitzenqualität angemessen.

Das Schicki-Micki-Sommerfrische-Städtchen, das zahlreiche historische Gebäude aus seiner florierenden Silber-Zeit im späten 19. Jahrhundert herüberretten konnte, punktet auch mit einem hochkarätigen Kultur- und Veranstaltungsangebot. Schöngeistiges war die Basis des Sommertourismus: Der visionäre Walter Paepcke gründete 1949 "The Aspen Institute", das als "Think Tank" führende Philosophen und die intellektuell-kulturelle Weltelite vereinte. Auch Albert Schweitzer war hier, doch das Höhenklima (Aspen liegt auf 2400 m) machte ihm zu schaffen und er befand "Aspen is a little too close to heaven." Jüngstes Zeugnis kultureller Höhenflüge ist das todschicke Aspen Art Museum von niemand geringerem als Pritzker-Preisträger Shigeru Ban.

Vor versnobtem Gehabe muss man sich nicht fürchten. "Aspen ist ein Ort, wo auch seriöseste Manager ungeniert die Sau rauslassen", lacht Lea. Wildnis, Natur pur und unbegrenzte Outdoor-Erlebnisse in sehr entspannter Edel-Atmosphäre, gepaart mit dem Gefühl des Wilden Westens – das ist Aspen. Wer das Cowboy-Feeling noch intensivieren möchte, dem sei der Besuch eines Rodeos empfohlen: Hier erlebt man die wahre Seele der USA.

Wo Gesundheit purer Genuss ist und ein Österreicher kocht

Als Küchenchef des Restaurants "Pyramid Bistro" lebt er seit 20 Jahren in Aspen, "weil es hier einfach schön ist"! In Österreich lernte er bei Wilfinger und Willi Dungl die Geheimnisse der Gesundheitsküche, in den USA kochte er u.a. mit Küchen-Star Wolfgang Puck in San Francisco.

Sein Ernährungskonzept, das er gemeinsam mit Ärzten erarbeitete, basiert auf einer extrem nährstoffdichten Küche (Nutritarian Cuisine). "Ich habe eine Gesundheits-Formel gefunden, die wirklich schmeckt", meint er. Gemeinsam mit Joel Fuhrmann verfasste er die Gourmet-Bibeln "Eat to live" und "Eat for health", beides Bestseller. Mittlerweile ist wissenschaftlich belegt, dass die Nutritarian Cuisine die beste Vorsorge ist und Cholesterin sowie das Herzinfarktrisiko senkt.

Er verarbeitet hauptsächlich Gemüse, aber etwas Fisch, Meeresfrüchte und Huhn; Kale (Grünkohl) und Rucola verfügen über die höchste Nährstoffdichte. Von veganer Küche hält er nichts. "In Europa ist die Nährwertwissenschaft noch weit hinten", meint er. Mit seiner neuen Restaurant-Linie Bolay möchte er demnächst auch nach Wien expandieren. Wie köstlich Gesundheit schmeckt, erlebt der Aspen-Gast im Pyramid Bistro, beispielsweise bei köstlich-gesunden Kürbis-Gnocchi mit Pinienkernen, Ziegenkäse und Rucola.

www.pyramidbistro.com

Anreise Am besten mit Austrian Airlines nach Chicago und dann weiter mit United Airlines nach Aspen/Pitkin County Airport,www.austrian.com,www.united.com

Hotels Limelight Hotel, gemütliches 4*-Haus mit sehr netter Crew, etwas abseits des Zentrums; Restaurant, Lounge, Terrasse mit Pool. 1 x Ü/F für zwei Personen ca. 250 € www.limelighthotel.com

Hotel Jerome, charmantes Luxus-Boutiquehotel in einem sehr schönen historischen Gebäude; opulente Bar, Pool. 1 Nacht (2 P.) ab ca. 525 €, hoteljerome.aubergeresorts.com

Hotel Aspen, zentral gelegenes Haus mit sehr freundlichem Personal zu günstigen Preisen, Innenhof mit schönem Pool. 1 x Ü/F für 2 Personen ab ca. 145 €, www.hotelaspen.com

– Timberline Condominiums in Snowmass: hochwertige Apartments, sehr ruhig im Grünen an der Piste gelegen; schöne Poolanlage. Ferienwohnung für 2–4 Personen ab ca. 150€/Nacht , www.thetimberline.com

Restaurants

Aspen: Pyramid Bistro, in einem schönen, historischen Haus in der Buchhandlung untergebracht (Bücher stehen ringsum); köstlichste, hochwertige "Nutritarian Cuisine" des Österreichers Martin Oswald . www.pyramidbistro.com

Ajax Taverne mit riesiger Sonnenterrasse und sehr guter Küche direkt bei der Talstation der Gondola; hipper Treffpunkt. www.thelittlenell.com

– Spring Café, biologisches, veganes, glutenfreies, gesundes und sehr schmackhaftes Frühstück. www.springcafe.org

–bb’s, die besten Steaks von Aspen, vorzugsweise vom Büffel. www.bbskitchen.com

Snowmass: Venga Venga hat eine große Terrasse direkt an der Piste, sehr gute mexikanische Spezialitäten zu günstigen Preisen. www.richardsandoval.com/vengavenga

Events www.aspenchamber.org/events

– Food & Wine-Festival (15. bis 17. Juni 2018) mit den weltbesten Winzern und Küchenchefs.

– Aspen Ideas Festival (21. bis 30. Juni 2018) des Aspen Institutes; Ideen zu einer besseren Gesellschaft – mit Wissenschaftler, Künstlern, Ökonomen, www.aspenideas.org

– Aspen Music Festival (28. Juni bis 19. August 2018), www.aspenmusicfestival.com

– Aspen Arts Festival (21. bis 22. Juli 2018)

– Jazz Aspen Snowmass (31. August– 2.September 2018) Weltklasse Musiker auf der Hauptbühne, unbekannte Juwele auf den kleinen Bühnen. www.jazzaspensnowmass.org

Auskunft www.aspenchamber.org www.gosnowmass.com www.AspenSnowmass.com