Romy mit 14: Luftsprünge im Monument Valley, nach einer aufregenden Nacht bei den Navajo-Indianern.

© Travelkid (5)

Reise
05/16/2019

"Travelkid": Die fliegende Reise-Mama

Alleinerzieherin Patrice erkundet mit ihrer Tochter Romy außergewöhnliche Ziele in der Ferne.

Patrice Kragten ist im buchstäblichen Sinn eine „fliegende Holländerin“. Die gebürtige Niederländerin, die seit etlichen Jahren im Salzburgischen Zell am See wohnt, ist reisesüchtig. Und die Alleinerzieherin teilt diese Leidenschaft mit ihrer Tochter Romy. So sehr, dass die Reise-Mama einen eigenen Reiseveranstalter „Travelkid“ gegründet hat, der sich auf (Fern-)Reisen mit kleinen und großen Kindern spezialisiert hat.

„Ich bin das erste Mal mit meiner Tochter in einem Flugzeug gesessen, als sie gerade einmal fünf Monate alt war“, erzählt Patrice. „Und das war von Anfang an absolut überhaupt kein Stress. Romy hat die Reise-Gene von mir geerbt.“ Mittlerweile ist Romy 16 Jahre alt, und seither gehen mindestens 60 Trips auf das gemeinsame Reise-Konto.

Sicherheit und Freiraum

Alle Kontinente hat das Mutter-Tochter-Gespann schon bereist, jedes Jahr stehen zwei bis drei Fernreisen auf dem Plan. „Schon als Romy noch ein kleines Kind war, habe ich sie in die Planungen eingebunden, sie durfte immer mitentscheiden“, verrät die Reise-Mama ihren Erziehungstrick, warum sich die Mutter-Tochter-Beziehung selbst während der Pubertät nicht wesentlich verschlechtert hat. „Ich habe ihr auf den Reisen einerseits die Sicherheit gegeben, die sie gerade braucht, ihr andererseits aber auch genügend Freiräume verschafft.“

Heute verreist die 16-Jährige immer noch gerne mit ihrer Mama. Immer öfter ist auch eine Freundin oder ein Freund dabei, oder sie geht – wie zuletzt in Sri Lanka – eigene Wege: Während sich die Mutter neue Hotels als potenzielle Firmenpartner anschaut, arbeitet die Tochter als Freiwillige bei einer Dog-Care-Klinik für Straßenhunde mit. „Die Reisen mit meiner Mama waren meistens sehr cool“, sagt Romy zufrieden. „Wir haben viele tolle Dinge erlebt und das hat uns zusammengeschweißt.“

Zu ihren schönsten Reisen zählt, sind sich beide einig, ein Westafrika-Trip durch Togo und Benin. „Diese Länder werden total unterbewertet und bieten tolle Erlebnisse für Familien“, betont die Reise-Expertin für Erwachsene und Kinder. „Es gibt Safaris, wo wir Elefanten, Löwen, Leoparden und Hyänen beobachtet haben. Wir haben in Lehmhütten der Eingeborenen übernachtet und freundliche Menschen mit Tätowierungen am Kopf getroffen.“ Nachsatz: „Aber es gibt dort auch Hotels, die luxuriöser sind als etwa in Kärnten.“ Und eine medizinische Grundversorgung, die beruhigend ist. Patrice: „Romy war ein paar Tage krank, weil sie etwas Schlechtes gegessen hat – aber wir wurden sehr gut betreut, und das war schnell vergessen.“

Damit die Reise mit Kind nicht zum Fiasko wird, gilt es einiges zu beachten, erzählt Patrice aus ihrem Arbeitsalltag: „Ich muss manchmal die Kinder vor allzu ehrgeizigen Reiseplänen ihrer Eltern schützen. Jede Reise muss sorgfältig geplant werden, und die Kinder sollten unbedingt in die Entscheidungen eingebunden werden.“

Miteinander lernen

Das Argument, dass Eltern mit ihren Kindern erst dann auf Reisen gehen sollten, wenn sich die Kinder auch an die Reisen erinnern können, lässt Patrice Kragten hingegen nicht gelten: „Das Sammeln von Reise-Erinnerungen ist gar nicht so sehr das Entscheidende, auch Erwachsene vergessen vieles. Entscheidend ist, dass Eltern und Kinder auf Reisen viel von und miteinander lernen.“ Zum Beispiel Anpassungsvermögen, Geduld, Wissen und eine differenzierte Sicht über die Welt. Und die Lust, Fremdsprachen zu lernen, weil sie deren praktischen Nutzen direkt spüren.

Umgekehrt lernen Eltern eine neue Sichtweise – weil Kindern auf Reisen ganz andere Dinge auffallen als Erwachsenen. „Weil meine Tochter abwechselnd mit mir entscheiden darf, wo die Reise hingeht, bin ich an Destinationen gekommen, wo ich sonst nie hingefahren wäre“, sagt Patrice. Nach Island zum Beispiel. „Stundenlang nur Wiesen sehen, das ist nichts für mich.“ Travelkid Romy hat sie jedoch zu einem „lost place“ geführt, der auch der Reise-Mama gefallen hat: durch karge Landschaft zu einem gecrashten Flugzeug am Strand. „Ein unvergessliches Erlebnis!“ sind sich beide einig.