Reise
30.12.2011

Thailand: Nasses Neujahr im April

Die Thailänder feiern ihr Neujahrsfest "Songkran" mitten im heißen April mit spektakulären Wasserschlachten. Niemand bleibt trocken. Mitfeiern macht Spaß.

Wer Bangkok kennt, weiß, wie tief diese Stadt tagtäglich im Chaos versinkt. In den Straßen wurlt es. Autos, Mopeds und Taxis stehen Stoßstange an Stoßstange und warten oft vergeblich auf ein Weiterkommen. Die Abgase steigen in die Nase. Es dampft. Es gart. Und an jeder Straßenecke riecht es irgendwie süßlich. Doch in der sonst so quirligen, 13 Millionen Einwohner zählenden Hauptstadt Thailands ist zum Neujahrsfest im April alles anders.

Galerie

1/20

Neujahrsfest Thailand, Bangkok.

Songkran Neujahrsfest Thailand Bangkok.

Songkran Neujahrsfest Thailand Bangkok.

Songkran Neujahrsfest Thailand Bangkok.

Songkran Neujahrsfest Thailand Bangkok.

Songkran Neujahrsfest Thailand Bangkok.

Songkran Neujahrsfest Thailand Bangkok.

Songkran Neujahrsfest Thailand Bangkok.

Songkran Neujahrsfest Thailand Bangkok.

Songkran Neujahrsfest Thailand Bangkok.

Songkran Neujahrsfest Thailand Bangkok.

Songkran Neujahrsfest Thailand Bangkok.

Songkran Neujahrsfest Thailand Bangkok.

Songkran Neujahrsfest Thailand Bangkok.

Songkran Neujahrsfest Thailand Bangkok.

Songkran Neujahrsfest Thailand Bangkok.

Songkran Neujahrsfest Thailand Bangkok.

Songkran Neujahrsfest Thailand Bangkok.

Songkran Neujahrsfest Thailand Bangkok.

Songkran Neujahrsfest Thailand Bangkok.

Die Metropole Bangkok präsentiert sich gespenstisch – wie ausgestorben. Dort, wo es tagtäglich staut, herrscht fast gähnende Leere. Beim Überqueren der Straßen muss keiner um sein Leben bangen. Die Geschäfte und Märkte sind zwar offen, aber kaum frequentiert. Und tatsächlich: Fast die Hälfte der Bewohner Bangkoks hat die Stadt verlassen, um im Kreise der Großfamilie auf dem Land das traditionelle, dreitägige Neujahrsfest "Songkran" zu feiern.

Für uns Europäer ist vieles ungewohnt. Selbst das Datum. Die Thais feiern ihren Jahreswechsel vom 13. bis 15. April – im heißesten Monat des Jahres. Doch die Abkühlung ist garantiert. Davor warnt sogar das Hotelpersonal eindringlich. "Ich hoffe, Sie haben nichts Heikles an. Lassen Sie ihre Kamera lieber da", rät der Rezeptionist, als wir in die Innenstadt aufbrechen.

Nass bis auf die Haut

Spätestens bei der Rückkehr weiß man, warum der Hotelmitarbeiter darauf hingewiesen hat. Die feiernden Thais nehmen auf Touristen keine Rücksicht. Wer einen Fuß vor die Türe setzt, bleibt nicht lange trocken. Songkran ist vor allem eine spektakuläre Wasserschlacht. Aus Schläuchen, Plastikpistolen, Eimern, Bechern, Plastiksackerln bespritzen sich die Thais gegenseitig. Unmengen Wasser und aufgeweichter, bunter Kreide landet unter Gejohle in Gesichtern, auf Kleidern, Straßen, und Hausfassaden. Wem das nichts ausmacht, mischt sich unter die Einheimischen – schaut, staunt und spritzt selber mit.

Songkran ist aber nicht nur eine ausgelassene Wasser-Party. Den Hintergrund bilden buddhistische Zeremonien und Rituale. Gefeiert wird der Beginn des neuen Sonnenjahres, wenn die Sonne in ein neues Tierkreiszeichen eintritt. Das Wasser symbolisiert den Reinigungswillen. Die Thais starten innerlich und äußerlich gesäubert ins neue Jahr. Dazu gehört auch ein Besuch im Tempel, um diesen zu dekorieren, den Mönchen Opfergaben zu bringen und die Buddha-Statuen in parfümiertem Wasser zu baden.

Die Riten haben sich mit der Zeit verändert. Das vorsichtige, gegenseitige Übergießen mit Wasser findet nur noch bei den Familienangehörigen und älteren Respektspersonen statt. In den größeren Städten und Touristenzentren wie Bangkok, Chiang Mai, Phuket, Pattaya und Koh Samui dominieren mittlerweile Wasserschlachten. Im Vordergrund steht aber immer "Sanuk" – der Spaß, wie die Thailänder sagen. Die Chance, sich der nassen "Säuberung" zu entziehen, ist so gut wie null – außer, man schließt sich die drei Festtage im Hotelzimmer ein.

Spätestens nach der kurzen Fahrt mit einem Tuk Tuk, einem dreirädrigen Moped-Taxi, wissen wir, wie sich Songkran anfühlt. Kaum hat uns der Taxifahrer in der Kao San Road – dem Fest-Hotspot in Bangkok – abgesetzt, sind wir auch schon im Visier unzähliger Wasserpistolen und Gartenschläuche. Es gibt kein Entrinnen mehr. Wir sind ihnen schutzlos ausgeliefert. Das Wasser breitet sich erbarmungslos bis in die Unterhose aus. Das ist aber nur ein harmloser Vorgeschmack auf das, was das Festival in der Kao San Road noch zu bieten hat. Hier geht wahrlich die Post ab.

Menschenmassen drängen sich durch die mit bunten Fahnen dekorierte Straße. Aus wattstarken Lautsprecher-Boxen plärrt asiatische Popmusik. Auf den Konzertbühnen schwingen junge Thailänderinnen in Hotpants ihre Hüften. Davor reißen junge Burschen die Arme in die Höhe und genießen das Wasserbad. Wenige Meter weiter zielt ein Bursche mit einem Hochdruckreiniger auf das vorbeiziehende Partyvolk. Der Wasserstrahl ist aber so fein eingestellt, dass niemand verletzt werden kann. Beim Vorbeigehen bekommt man Kreidestriche ins Gesicht geschmiert. Viele sehen schon aus wie Indianer auf Kriegspfad.

Friedliche Party

In dem Partyrummel haben alle offenbar nur ein friedliches Ziel: das Gegenüber anzulächeln und ihm "Happy Songkran" – fröhliches Neujahr – zu wünschen. Während wir zunächst ausschließlich als Zielscheibe dienen, schlüpfen wir spätestens nach der dritten Ladung Eiswasser, das aus einem Eimer mit gekühlten Getränkedosen stammt, in die Rolle eines offensiven Mitspielers. Regie führt dabei weniger der Rachegedanke, als viel mehr das freundschaftliche Gefühl, von den Thais akzeptiert zu sein und trotz anfänglicher Distanz das thailändische Neujahrsfest mitfeiern zu dürfen. Wer auf die vielen verpassten Duschen entsprechend antworten will, hat viele Möglichkeiten, zu einer Ausrüstung zu kommen. An fast jeder Straßenecke sind Spritzpistolen erhältlich. Für ungefähr zwölf Euro bekommt man ein buntes Gewehr mit einem fünf Liter großen Wasserbehälter, das an "Star Wars" erinnert. Allerdings muss ein "Bewaffneter" eher damit rechnen, in die Schusslinie der Thais zu geraten – ein pausenloser Kampf mit hohem Spaßfaktor beginnt. Nach vier Stunden "Songkran"-Funpower sind die Sehnsüchte nach einem trockenen Platz und der Hunger groß.

Das Gewand sieht aus wie ein Maler-Overall. Egal. Zurück bleiben Erinnerungen an ein Neujahrsfest mit großem Unterhaltungswert.

Infos

Festival
Das traditionelle Neujahrsfest "Songkran" feiern die Thais vom 13. bis 15. April überall im Land. Neben dem "Bangkok Songkran Splendours Festival", das 2012 vom 10. bis 15. April stattfindet, wird in Chiang Mai eines der größten Songkran-Festivals Thailands (12. bis 15. April) veranstaltet. Es gibt viele weitere Songkran-Festivals etwa in Phuket, Sukhothai, Ko Sichang und Nakhon Phanom. Unter anderen Namen wird Songkran auch in anderen buddhistischen Ländern Asiens gefeiert.

Klima
Jahresdurchschnittstemperatur 28,4 Grad. Der wärmste und trockenste Monat Thailands ist der April. In Bangkok kann die Temperatur auf 35 Grad steigen. Von Juni bis September ist Regenzeit.

Preisniveau & Währung
Für eine Taxifahrt in Bangkok muss man mit zwei bis drei Eurorechnen. Eine Hauptspeise kostet ungefähr 2,50 Euro, ein Bier knapp ca. 1 Euro, eine Limo ca. 50 Cent, einstündige Thai-(Gesamt-)massage rund 8 Euro. Währung ist der Baht (THB). 100 THB sind ca. 2,30 Euro.

Weitere Auskünfte
Thailändisches Fremdenverkehrsamt in Wien, Tel.: 01/ 585 24 20
www.thailandtourismus.at
www.songkran.net