Seeschweben: Für viele macht das Gefühl des Dahingleitens den Reiz des Tauchens aus. Im Attersee verstärken bizarre Unterwasser-Landschaften das Erlebnis

© /www.angelikaneuhofer.com/Under Pressure

Seetauchen
07/10/2015

Tauchen: Der Schatz im Attersee

Tauchen im Attersee ist nur gefährlich, wenn man übertreibt. Es kann auch das Abenteuer im gemütlichen Seeurlaub sein.

von Axel Halbhuber

Wer dem Einmeter-Hecht in die Augen schaut, vergisst die Zeit. Der breitschnäuzige Raubfisch ist immer unter der Plattform auf sechs Meter Tiefe zu finden, man selbst muss irgendwann wieder nach oben. Ihn lässt das Zehngradwasser kalt, man selbst friert. Er strahlt diese Überlegenheit auch aus, aber Fische schauen immer arrogant. Da unterscheidet sich der Hecht bei der Tauchstelle "Dixi" nicht von seinen bunten Verwandten im Meer. Im warmen Meer, in dem man 30 Meter weit sieht.

Am Attersee sind die Weitblicke über dem Wasser imposanter. Im Osten rückt das Höllengebirge nahe, im Süden der unübersehbare Schafberg. Die Hänge am schmalen Ufer setzen sich unter Wasser bis in 172 Meter Tiefe fort. Dort gibt es kein Licht und 18 bar Wasserdruck, etwa sieben Mal so viel Druck wie in einem Autoreifen. Oben wird das Salzkammergut zwischen Dirndl und Mystik inszeniert, unten wiegt das Seegras in der sanften Strömung, als ob es damit nichts zu tun hätte.

Wer noch nie getaucht ist, weiß noch nicht, ob die Faszination des Schwebens überwiegen wird oder die Aversion, unter meterhohem Wasser durch einen Schlauch zu atmen. Wer schon im Meer getaucht ist, weiß noch nicht, ob er es auch im See kann. Kälte und Trübheit verlangen präziseres Tauchen, statt bunter Fische sieht man Hinkelsteine, Unterwasserwälder, Autowracks und versenkte Badewannen. Jährlich erliegen Hunderttausende Tauchfans diesem Charme und tauchen im größten See, der komplett in Österreich liegt, ab.

Und manche nicht mehr auf.

Grenzverletzung

Das Thema Tauchtote im Attersee nervt Gregor Bockmüller schon. Der Besitzer des "Divecenters Under Pressure" ist ein Urgestein. Für die überraschend große Seetauch-Community ist er der "Bocki", stellt sich auch selbst so vor. "Bei den Berichten über Unfälle wird nie dazu gesagt, dass im Attersee jährlich knapp 250.000 Tauchgänge stattfinden. Und zwei oder drei Mal passiert etwas." Und nur, wenn unerfahrene Taucher ihre Grenzen überschreiten: Sporttauchen ist selbst im warmen Meer, bei bester Sicht, auf 40 Meter Tiefe limitiert, alles darunter ist technisches Tauchen und bedarf spezieller Schulung. Florian Pöller von Austrian Divers verdeutlicht: "Im See sind schon 20 Meter ein sehr respektabler Tauchgang." Pöller, den alle "Flo" nennen, hat sich auf Ausrüstung und Sporttauchen spezialisiert, Bocki gilt als Instanz für Tech-Diver. "Ein paar Tauchgänge in flachem Wasser sind wichtig, bis man die Sicherheit im See hat."

Und den Hecht findet man unter 20 Meter Tiefe auch kaum.

Ebenso wie die 100 "Schätze", die gerade rund um die Einstiegsstellen der Tauchplätze versenkt wurden. Mit der Aktion "Goldschatztauchen am Attersee" will man mehr Sporttaucher zum Attersee locken, den technischen Tauchern ganz Europas gilt er ohnehin als Mekka. Aber jetzt wollen die Bockis und Flos alle erreichen: Jene, die seit dem Tauchkurs im letzten Ägyptenurlaub nicht mehr ins Wasser kommen, aber wollen. Jene, die sich verbessern wollen. Und jene, die das Seeurlaubsidyll kurz mit so etwas Verrücktem wie Schnuppertauchen unterbrechen möchten. Das Tauchkompetenzzentrum Attersee baut deswegen auch seit Jahren die Infrastruktur an den 26 Tauchplätzen aus: See-Zugänge, Beschilderungen zu den Unterwasserplätzen, Parkplätze und WCs.

Tauch-Umfeld

Zurück zum Schatz: Wer eine der nummerierten, vergoldeten Metallplatten findet, erhält in der "Pension zur Nixe" den Preis dazu: von Gutscheinen für Tauchkurse und Nächtigungen bis zu Flossen und Tauchflaschen-Füllungen.

Ein wesentlicher Unterschied des Tauchurlaubs dahoam gegenüber jedem Retorten-Strandresort ist die kurze Anreise. Ein anderer ist das Umfeld: Am Meer stopft man Tauchpausen oft mit Poolgymnastik und Teppichfabrik-Ausflug, am Attersee mit Burggrabenklamm, Schnapsverkostung bei der prämierten Rosi (www.brennerin.at) und Kulturprogramm von Gustav Mahler bis Gustav Klimt.

Oder man geht essen. Rund um den See gibt es Hunderte Restaurants, am Wasser, am Berg, fast immer mit Blick, von Mostschenke im Heurigen-Stil bis zu Fischlokalen. Wo man dem Hecht wieder in die Augen schauen kann.

Nur dass die Überlegenheit diesmal auf deiner Seite ist.

15 Fakten über den Attersee

Tauchen und Rundherum

Tauchen

Die beste Sicht hat man im Attersee bis April, für (See)Anfänger ist aber der Sommer geeigneter. Die größten Tauchschulen:

– „Under Pressure“, Weyregg; Schnuppertauchen 35 € bzw. „Seejungfrau“ (für Taucher, die noch nie Seetauchen waren, ist der 1. Tauchgang gratis), 1 geführter Tauchgang (inkl. Ausrüstung) 45 €, Anfängerkurs Sommer ab 319 €; 0650/80 00 477, www.u-p.at

– „Austrian Divers“, Unterach; Schnuppertauchen 39 €, 1 gef. TG (inkl. Ausrüstung) 45 €, Kurs ab 325 €; 07665/85 24, www.austrian-divers.at

– „Nautilus“, Weyregg; 0664 / 735 30 072, www.nautilus.at

Packages mit Unterkunft

– Pension zur Nixe, Weißenbach: „Attersee Tauchwoche“ (6 N/HP, 4 gef. Tauchgänge inkl. Luftfüllung); 415 € bzw. 535 € (inkl. Ausr.), jeweils p.P. ab 2 Pers.; www.nixe.at

– 4*-Hotel Föttinger, Steinbach: „Diving Days“ (2 N/HP, 2 gef. TG inkl. Füll., exkl. Ausr.) ab 219 € p.P. ab 2 Pers. oder „Diving Week“ (5 N/HP, 4 gef. TG inkl. Füll., exkl. Ausr.), buchbar bis 9. 7. / 17. 8.–26. 10., ab 485 € p. P. ab 2 Pers., www.hotel-attersee.at

Auskünfte

Ferienregion Attersee- Salzkammergut (Infobüros um See); 07666/7719, info@attersee.at, www.attersee.salzkammergut.at

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