Zur Olivenernte an den Gardasee

Olive grove ter
Foto: Getty Images/iStockphoto/marzolino/IStockphoto.com Olivenbäume.

Wenn die Oliven grün, schwarz und prall an den Bäumen hängen und der See selbst Urlaub macht, lohnt sich eine Reise nach Norditalien.

Flavio arbeitet für einen Energiekonzern, montags bis freitags, doch am Wochenende wird er in seinem schönen Garten in Zignago di Brenzone zum Olivenbauer. Und die Olivenernte im November zählt nicht nur für Hobbygärtner wie ihn zum Höhepunkt des Jahres. Seine 25 Olivenbäume bringen durchschnittlich 250 Kilogramm Oliven, aus denen 50 Liter Öl gewonnen werden: unbehandelt, goldfarbig und sehr aromatisch. "Am besten wird das Öl nach einem heißen und trockenen Sommer, auf den im Herbst noch einige regenreiche Tage folgen", sagt Flavio. Fast alle Oliven des Gardasees eignen sich weniger zum Verzehr, aber umso mehr zur Weiterverarbeitung. Sie werden zu einem hervorragenden Öl verarbeitet. Das ist bereits seit der Antike so.

Reizvoller Herbst

Gardone Riviera, the Garden city, Lake Garda Foto: Getty Images/Flavio Vallenari/IStockphoto.com Den Lacus Benacus, den heutigen Gardasee, haben schon die römischen Dichter Catull und Vergil besungen. Und manchmal meint man, die Hälfte aller Gardasee-Urlauber von heute kannten Catull und Vergil persönlich. So lange reisen sie schon an ihr Urlaubsziel. Papa und Mama der 1960er Jahre sind inzwischen Opa und Oma. Die Tochter war schon im Bauch ihrer Mutter am See und nach der Geburt die folgenden 34 Jahre, ehe sie – selbst schwanger – den Lago-Kreislauf weiter ankurbelt: Auch Klein-Lisa wird den See lieben lernen.

Das Komische daran: Alle kommen nur im Frühjahr und Sommer. Dabei bietet der Herbst und Winter Ristorante ohne Speisekarten, weil der Wirt sagt, was es heute gibt, die Gardesana ist ohne Stau und man kann in dieser Zeit zuschauen, wie der See selbst Urlaub macht: Er erholt sich von Sonnencreme und Bikinis, Motorbooten, Surfern, Kitern und all den Urlaubern, die ihn von Ostern bis Oktober belagern.

"Die Anfänge des Gardasee-Tourismus liegen ja im Winter", sagt Oliver Mayr, der zusammen mit seinem Bruder das "Grand Hotel Fasano" in Gardone Riviera führt, das zu den besten Spa-Adressen am See gehört. Das Hotel wurde schon 1888 gebaut, großzügig und elegant, in 1-A-Lage direkt am See, mit Marmorböden und Säulen, mit Wasserturm für fließendes Wasser in den Zimmern schon zu dieser Zeit. "Die zahlungskräftige Kundschaft dafür war ja da", sagt Oliver und nennt Namen wie König Faruk von Ägypten, Kaiser Wilhelm II. und die österreichische Kaiserin Elisabeth. "Ob man es nun glaubt oder nicht: Um 1900 wurden bei uns winterliche Sonnenkuren angeboten."

Der schönste Ort der Welt

… Foto: /Jochen Müssig Der Humanist und Rechtswissenschaftler Agostino Brenzone legte schon weit davor schlüssig dar: "Der schönste Erdteil ist Europa, und davon ist Italien der schönste Teil, von Italien wiederum der Gardasee und an diesem San Vigilio. Ergo ist San Vigilio der schönste Ort der Welt." Der Mann folgte seiner Argumentation und ließ sich im 16. Jahrhundert seine Villa auf der kleinen Halbinsel San Vigilio zwischen Torri del Benaco und Garda bauen. Vorbeischauen lohnt sich.

Streben nach Qualität

Auch in Zignago scheint die Spätherbst-Sonne, wo Flavio zu Werke geht. "Handarbeit", sagt er. "Die gesamte Arbeit, angefangen vom Pflücken über die Baumpflege und das Schlagen bis zum Sammeln mache ich komplett von Hand." Zeltplanen decken den Platz unter den Bäumen ab. Mit Stöcken und einer Spezialzange streift er die Oliven ab. Sie fallen auf die Planen und werden dort aufgesammelt. Danach geht’s gleich zur Genossenschaft in die Frantoio, die Ölpresse. Denn es gilt die Regel der schnellst möglichen Verarbeitung, damit das Olivenöl die höchste Qualität erreicht. Und wenn das erste frisch gepresste Öl tropft, strahlen Flavios Augen: Natives Olivenöl, Extra Vergine, die erste Kaltpressung bei maximal 28 Grad Celsius – etwas besseres gibt es nicht. Die meist kleinen Ölpressen am See öffnen oft im Oktober und schließen schon vor Weihnachten. Aber in dieser Zeit laufen sie fast Tag und Nacht.

… Foto: /Jochen Müssig Drei Tage braucht Flavio mit des Nachbars Hilfe für seine 25 Bäume. Und abends, nach getaner Arbeit, gehen die beiden gerne in die Sauna. Meist ins "Aqualux" nach Bardolino: Es liegt am nächsten und spielt mit sechs Pools, sechs Saunen sowie weitgefächerten Anwendungen in der ersten Spa-Liga am Lago.

Das Beste, das der Gardasee in Sachen Wellness zu bieten hat, schwebt über den Dingen und Konkurrenten. Das "Lefay" hat den unbezahlbaren Vorteil der Weitläufigkeit und Großzügigkeit in einer unverbauten Altiplano-Lage oberhalb von Gargnano. Es gehört zu den "Small Luxury Hotels of the World". Im Feen-Resort wird die Landschaft zur großen Bühne mit Panaromasicht auf den Lago, der sich trotz Höhendifferenz mit den beiden Außenpools zu verschmelzen scheint. "Luxus ist nicht, was glitzert, sondern das, was uns im tieferen Sinne gut tut", sagt Alcide Leali, Sohn der Besitzerfamilie und Hoteldirektor. Dazu gehören auch die Zimmer mit Olivenholzböden und das hausgemachte Olivenöl auf den Restauranttischen.

Ein Löffel am Morgen

… Foto: /Jochen Müssig Dann heißt es in Brenzone warten auf den 25. November. Am San-Caterina-Tag war früher Almabtrieb und die Limonaie, die Zitronengewächshäuser, wurden winterfest gemacht. Was bis heute blieb: Auch die Olivenernte ist dann eingefahren und das erste frische Öl gepresst. Das Extra Vergine del Garda ist so mild, dass es ein Genuss ist. Und was beim Wein der Primeur ist, ist beim Olivenöl das Olio novello. Flavio ist begeistert von seinem Öl. "Unsere älteren Bewohner nehmen jeden Morgen einen Löffel Olivenöl zu sich, um das Immunsystem zu stärken", sagt er. Olivenöl reduziert überschüssiges Cholesterin und ist das einzige zu hundert Prozent verdauliche Öl. An zahlreichen Ständen kann man an diesem Tag das neu gewonnene, kalt gepresste Extra Vergine direkt beim Erzeuger probieren, kaufen und sich über die Herstellung informieren. Flavio wird man dort allerdings nicht finden. "Meine 50 Liter Öl bleiben ausschließlich in der Familie!"

Info

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Anreise von Wien ca. 700 Kilometer und acht Stunden Fahrzeit mit dem Auto. Mit dem Flugzeug nach Verona und weiter mit der Bahn oder einem Mietauto.

Übernachten  „Lefay Resort & Spa“, Gargnano, ab 350 Euro, inkl.  HP und bestem Spa am See. www.lefayresorts.com.
– Seit 1911 existiert das  „Hotel Brenzone“  im gleichnamigen Ort der Familie Brighenti-Veronesi. Drei Sterne, alle Zimmer  renoviert, direkt an der Uferpromenade ab 80 €, inkl. Frühstück, www.hotelbrenzone.com.
– Schöne Ferienwohnungen in der Hanglage von Zignago vermietet, mit  Blick auf den See, Bianca Brighenti. Tel. +39/3383243814, saverioemari86@alice.it

Essen Das „Belvedere“ in Marniga di Brenzone ist ein Familienbetrieb und bietet regionale Spezialitäten wie Kaninchen, hausgemachte Nudeln und Holzofenpizza sowie tolle und gleichzeitig bezahlbare Weine.  Drei Gänge mit Wein um 30 € pro Person, Tel.  045/7420055.
– Die „Osteria Valesana“ in Lazise ist so gut wie günstig. Die Grigliata mista mit Rind, Schwein, Huhn,  Bauchspeck und Salsiccia  ist perfekt. Tel.  045/7581301.
– Eine Pizza beim (inzwischen Ex-)Pizzaweltmeister essen: In Bardolino geht das bei Guiseppe Conte in der „Pizzeria La Conchiglia“, Tel.  045/7210603.

Auskunft Der Gardasee ist  in drei Provinzen aufgeteilt. Im Norden  Trentino (www.gardatrentino.it), im Westen  Brescia, im Osten  Verona. Es gibt keine übergeordnete Info-Stelle.
– Italienische Zentrale für Tourismus ENIT, Mariahilfer Straße 1b, 1060 Wien. Tel.01 / 505 16 39, www.enit.at

(kurier / Jochen Müssig) Erstellt am
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