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Reise
05/29/2019

Stau und Tote am Everest: Die häufigsten Fehler bei Bergtouren

In dieser Saison sind bereits elf Bergsteiger am höchsten Berg der Welt ums Leben gekommen. Der Alpenverein gibt Sicherheitstipps.

von Stefan Hofer

Todeszone. Der Begriff aus dem Alpinismus beschreibt den Aufenthalt oberhalb von 7.000 Meter Höhe und die damit einhergehende Anpassungszeit für den menschlichen Organismus.

Die Zeiten, in denen die Wetterbedingungen günstig genug für einen Gipfelsturm beim Mount Everest sind, ist meist auf zwei, drei "Wetter-Fenster" beschränkt. Beim Mount Everest ist dies vor allem zwischen Mitte und Ende Mai. Vergangene Woche hatte sich ein solches Wetter-Fenster geöffnet - mit fatalen Folgen: Bis Dienstag (28. Mai) sind in dieser Saison allein am höchsten Berg der Welt elf Bergsteiger gestorben, darunter ein 65-jähriger Steirer.

Ein Foto des erfahrenen Everest-Bergsteigers Nirmal Purja (Bild unten), das über die Sozialen Medien um die Welt ging, zeigt eine regelrechte Warteschlange, um die letzten Meter zur Spitze des Mount Everest nehmen zu können.

Beobachter sagen, manche der Todesfälle in dieser Saison könnten mit diesem immensen Andrang und somit den langen Wartezeiten auf gesundheitlich gefährlicher Höhe zusammenhängen.

Weitere zehn Bergsteiger verloren heuer ihr Leben am Lhotse, dem Annapurna und anderen 8.000er-Bergen im Himalaya.

Info auf einen Klick: Die Achttausender im Überblick

Der Ausgang einer Everest-Expeditionen ist ungewiss, die Kosten nicht: Für die Genehmigung zum Aufstieg zahlen ausländische Bergsteiger umgerechnet rund 9.000 Euro. Der Himalaya-Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle für Nepal.

Häufige Fehler am Berg

Auch wenn es in den Österreichs Bergen keine Todeszone gibt: Alpinunfälle forderten 268 Todesopfer im Jahr 2018. Der Österreichische Alpenverein warnt Wanderer, Kletterer und Mountainbiker zum Saisonauftakt vor möglichen Gefahren im Gebirge.

- Mangelhafte Ausrüstung "Kletterer sollten vor dem ersten Einstieg am Fels ihre Sicherheitsausrüstung mittels Funktions- und Sicht-Kontrolle überprüfen“, empfiehlt Michael Larcher, Leiter der Bergsport-Abteilung im Österreichischen Alpenverein. Seile und Gurte sind spätestens nach 10 Jahren auszutauschen – bei häufigem Einsatz entsprechend früher. Tipp: Mobiltelefon, Erste-Hilfe-Set sowie Kälte-, Regen- und Sonnenschutz und ausreichend zu Trinken. Weiters empfiehlt Larcher die Mitnahme einer Alu-Rettungsdecke sowie sogenannter Spikes, das sind Schneeketten für die Bergschuhe. Karten und entsprechende GPS-Systeme können ebenfalls hilfreich sein. Bei längeren Bergtouren ist ein Biwaksack nützlich.

- Selbstüberschätzung "Leider wird das eigene Können oft überschätzt", so Larcher. Sein Tipp: "Ehrlich zu sich selbst sein und die eigenen Grenzen kennen."

- Unterschätzte Witterungsverhältnisse Alpenverein rät, sich im Vorfeld über die aktuelle Schnee- und Lawinenlage zu informieren und diese Infos bei der Tourenplanung und Ausrüstungsauswahl dann zu beachten. Auch die Hangausrichtung müsse man miteinbeziehen, da sich die Bedingungen je nach Ausrichtung ändern können. Wichtig ist auch die Bereitschaft, die geplante Tour bei zu hohem Risiko nicht anzutreten oder abzubrechen.

- Gefährliche Altschneefelder Larcher warnt vor einem Abrutschen auf der hartgefrorenen Schneedecke an steilen Berghängen. Einmal gestürzt, erreicht man rasch eine hohe Geschwindigkeit, die das selbstständige Abbremsen so gut wie unmöglich macht. Larchers Tipp: "Altschnee-Felder nur mit Spikes und nur dann überquert werden, wenn die Oberschicht der Schneedecke zumindest 10 cm aufgeweicht ist".

- Falsche Tourenwahl Die Bergtour sollte also dem eigenen Können und den aktuellen Verhältnissen angepasst werden. Der Alpenverein empfiehlt dabei die Plattform www.alpenvereinaktiv.at . Hier können Interessierte mittels Filterfunktionen (nach Sportart, gewünschter Touren Länge, etc.) passende Touren suchen, das tagesaktuelle Bergwetter und die Lawinenlage abfragen sowie Infos zu Hüttenöffnungszeiten und Wegsperrungen einholen.