Reise 27.01.2012

St. Moritz: Küppli und viele behaarte Frauen

Reich & Schön im Tal der Milliardäre: Was Luxus heißt, durfte die KURIER-Reporterin hautnah erleben.

Der Schnee funkelt im Sonnenlicht wie Millionen teurer Klunker. Was anderes würde zu St. Moritz, dem Wintersportort mit der größten Milliardärsdichte, auch gar nicht passen.

Moritz -Fan Sly Stallone.
© Bild: EPA

Ich sitze auf "Chasellas", einer Nobelhütte am Suvretta-Hang, die sich auf urig tarnt, und die Schweizer Kellnerin fragt mich: "Sind Sie bedient?" So gesehen, nein. Sie empfiehlt mir ein "Küppli" – ein Glas Champagner, das in Kombination mit der Höhenluft (St. Moritz liegt auf 1.800 Meter) seine Wirkung nicht verfehlt. Erst jetzt dämmert’s mir, warum hier alle von "Champagner-Luft" reden.

 

Der Glanz von einst: Gunter Sachs ehelichte 1969 in St. Moritz seine letzte Frau Mirja.
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Mit ohrenbetäubendem Karacho düst schon wieder ein Privat-Jet ins Tal, um im Nebenort Samedan zu landen. Ein reicher Russe und seine mit Zobel "behaarte Dame" steigen aus. Das Snow-Polo wurde aufgrund des zu warmen Wetters kurzfristig abgesagt, aber es findet sich genügend Zeitvertreib im Tal der Milliardäre. Die Klientel hat sich im Wandel der Zeit geändert. Einst haben dem Engadiner Dorf Familien wie Onassis, Thyssen, oder Agnelli zu Weltruhm verholfen. Auch der 2011 verstorbene Gunter Sachs trug viel dazu bei. 1969 ehelichte er dort Mirja, 1974 eröffnete der Playboy den "Dracula-Club".

 

Protz Blitz: Pelzträgerinnen (Zobel und Rotfuchs) unter sich.
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Heute heißt es Protz Blitz statt nobler Zurückhaltung. Der Russe aus dem Privatjet in der 20.000 Euro-Suite gibt zu: "Ob das für mich Luxus ist? Nein, das ist ganz normal." Seine Frau trägt einen Zobel um 50.000 Euro. Ein bisserl mehr, nämlich der Wert eines Porsches, steht bei Reto Mathis in Form von Kaviar in der Kühlkammer. Er betreibt auf der Corviglia (2.486 Meter) das wohl teuerste Restaurant der Region. Innen sieht es aus wie eine Bahnhofshalle, dafür sind die Preise abgefahren. Die Trüffel-Pizza kostet 100 Euro. Mathis: "Andere haben einen Tennis-Arm, ich hab’ einen Trüffel-Arm vom vielen Trüffel hobeln." Wie arm.

 

Im "Paradiso": Die KURIER-Redakteurin mit Blick auf das "Tal der Milliardäre".
© Bild: KURIER

Weniger gespreizt ist da schon das "El Paradiso", das man eigentlich nur als Skifahrer gut erreicht. Dort lasse ich den Tag auf der Sonnen-Terrasse ausklingen und freue mich schon, wenn sich Zobel und Nerz bald Gute Nacht sagen.

( Kurier ) Erstellt am 27.01.2012