Polen: Urlaub der Superlative

Europas letzter Urwald, die weltgrößte Fachwerkkirche oder ein gigantisches Netz gotischer Keller: 2012 ist Polen im EURO-Fieber, schon jetzt lockt das Land mit touristischen Highlights.

Polen spielte als Reiseland bisher noch keine Hauptrolle. Das soll sich jetzt ändern. Auf der Internationalen Tourismusbörse ITB in Berlin Anfang März stand Polen als ITB-Partnerland neben klassischen Urlaubsländern wie Ägypten im Mittelpunkt des Geschehens.  

2011 ist ein Polen-Jahr, so lautet die Message. Das Land, seit 2004 EU-Mitglied, übernimmt im Sommer die EU-Ratspräsidentschaft. Und als Ausrichter der Fußball-Europameisterschaft 2012 läuft für die sportbegeisterten Polen die heiße Phase an.

Polen also. Wir haben das "neue" Trendziel genauer unter die Lupe genommen, welche Sehenswürdigkeiten erwarten Touristen? Was bietet Polen? Jung, modern, vital, lässig - aber auch traditionell. Unter diesen Attributen präsentierte sich Polen in Berlin. In der Tat hat Polen im Vergleich zu vielen anderen europäischen Ländern eine sehr junge Gesellschaft. "Das fällt auf, wenn man sich in den Zentren der großen Städte aufhält", sagt Jan Wawrzyniak, Direktor des Polnischen Fremdenverkehrsamtes in Deutschland. In Wrocław oder Poznań beispielsweise sind ein Viertel bis ein Fünftel der Einwohner Studenten. Einer der wichtigsten Werbeträger des jungen Polen ist die EURO 2012, die das Land vom 8. Juni bis 1. Juli 2012 in den Städten Warschau, Gdansk (Danzig), ...

(Bild: Stadion-Bau in Warschau) ... Poznan (Posen) und Wroclaw (Breslau) in Partnerschaft mit der Ukraine ausrichtet. Derzeit werden vier moderne Stadien für jeweils mehr als 40.000 Besucher sowie zahlreiche Trainingsanlagen für die Teams errichtet. 

(Bild: Stadion in Poznan) Im Vorfeld wird seit einigen Jahren überall im Land kräftig in die Infrastruktur investiert. Neue Straßen werden gebaut. Die beiden Ost-West-Autobahnen und große Teile der neuen Nord-Süd-Autobahn sollen bis zu den Spielen fertig werden. 

Viele neue Umgehungs- und Entlastungsstraßen entstehen, zudem werden viele Bahnhöfe und wichtige Flughäfen erneuert, ausgebaut und modernisiert. Von der Verbesserung der Verkehrswege profitieren die touristischen Schätze des Landes, die bisher zum Teil sehr schlecht zu erreichen waren. 

Polen besitzt 23 Nationalparks, die fast ein Prozent der Landesfläche bedecken. "Damit sind wir ein bedeutendes Naturreservat in Europa", nennt Rafal Smytke, Präsident der Polnischen Organisation für Tourismus (POT), ein Alleinstellungsmerkmal, "unser Land ist reich an einzigartigen Natur- und Kulturschätzen." 
Polen-Reisende werden schnell fündig. Eine Auswahl: Der Białowieski-Nationalpark in der Woiwodschaft Podlaskie gilt als letzter Urwald Europas, ... ... der nahe gelegene Biebrza-Nationalpark ist das größte Sumpfgebiet des Kontinents. Und damit Anziehungspunkt für viele Polen-Touristen. Die Marienburg in Malbork gilt als größter Backsteinbau der Welt. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste sie wieder aufgebaut werden. Seit 1997 zählt sie zum Unesco-Weltkulturerbe. Die Marienkirche in Gdańsk ist die größte Backsteinkirche der Welt. In Świdnica (Schweidnitz) steht die größte Fachwerkkirche der Welt, ... ... mit beeindruckendem Innenleben. Als weltweit höchste Holzkonstruktion wird der Sendemast in Gliwice (Gleiwitz) auf der Rekordliste geführt. Eines der größten Umsonst-und-Draußen-Festivals in Europa, "Haltestelle Woodstock", wird alljährlich in Kostzryn (Küstrin) an der Oder von 300.000 bis 400.000 Fans besucht. Einige der wertvollsten Araberpferde der Welt werden in Janów Podlaskie im Osten Polens gezüchtet. Auf Auktionen erzielen die Tiere Erlöse von bis zu einer Millionen Euro. Auch die Städte Polens gehören zu den Gewinnern. In Vorbereitung der EM wachsen mit der Flughafenkapazität auch die Flugverbindungen. Angesagt ist derzeit Krakau. Die Stadt punktet mit Superlativen. 5.000 Baudenkmäler und zwei Millionen Kunstwerke locken Touristen. 
Der Hauptmarkt ist mit 200 mal 200 Metern nicht nur so groß wie vier Fußballfelder, sondern gilt als größter mittelalterlicher Platz in Europa. Seit 600 Jahren wird zu jeder vollen Stunde der berühmte Weckruf Hejnał vom Turm der Marienkirche gespielt. Und noch etwas unterscheidet Krakau von anderen europäischen Städten. Allein im Stadtzentrum der ehemaligen polnischen Hauptstadt ... ... werden 119 Kirchen gezählt. Die Marienkirche in Krakau (Bild) bietet den größten gotischen Altar der Welt. Die Altstadt durchzieht das größte Netz gotischer Keller, das in Europa bekannt ist. Heute erleben die Keller als Restaurants und Bars eine Renaissance. Im neuen unterirdischen Museum unter dem Marktplatz lernen Besucher die ältesten Grundmauern der Stadt kennen. Mit Blick auf die EM entstehen einige Hundert neue Hotels. Internationale Ketten wie auch polnische Privathoteliers bauen nicht nur in den vier Spielorten selbst, sondern auch in vielen anderen Regionen. 

(Bild: Warschau) Der Hotelbauboom wird die Zahl der Häuser landesweit von derzeit 1.800 bis zum Juni 2012 auf über 2.000 treiben. Die Hoteliers haben sich verpflichtet, die Preise stabil zu halten. Polen erwartet laut EM-Koordinator Zaborowski eine Million zusätzliche Besucher, vor allem Fans.

(Bild: Warschau) Als wichtigster ausländischer Quellmarkt gilt übrigens Deutschland. Insgesamt besuchten 12,4 Millionen ausländische Touristen das EU-Land. 
Ganz vorne mit dabei: Gäste aus Großbritannien, den Niederlanden und den Baltischen Staaten. Daran haben die Billigflieger ihren Anteil. Denn: Früher besuchten viele Briten Prag und Budapest, heute kommen sie günstig nach Krakau. Abseits der bekannten Städte wie Krakau oder Warschau gibt es noch Reise-Newcomer. Entwicklungspotenzial hat beispielsweise die nordöstliche Podlasie. Die Region mit vier Nationalparks ist bereits von zahlreichen deutschen Rad-, Kanu- und Wanderreisen-Veranstalter ins Angebot aufgenommen worden. Zudem finden Gäste in der Region urwüchsige kleine Örtchen, Natur und Kultur, die ganz eigene Mentalität der Menschen und ihre Kochkunst. Als unverdorben preisen die Polen auch das Lubliner Land im Osten und die südöstliche Woiwodschaft Podkarpackie (Vorkarpaten) an. Last, but not least präsentiert sich Polen als Destination für Wellness-und Gesundheitsreisen. Das Land punktet im internationalen Wettbewerb mit guter Qualität und günstigen Preisen. 

(Bild: Aquapark) Das Angebot wächst beständig. Das neue Spa des Sheraton Hotels in Sopot setzt Maßstäbe. Es gehört zu den größten und luxuriösesten an der polnischen Ostseeküste. Sopot selbst, ein an der Danziger Bucht gelegenes Ostseebad, lebt vornehmlich vom Fremdenverkehr. Natur, Kultur und Wellness - das ist alles noch lange nicht genug: Mit dem Angebot "Schlafen wie die Grafen" haben die Polen ein erfolgreiches Produkt geschaffen. 

(Bild: Schlosshotel Sorkwity in Masuren) Mehr als 100 Schlösser, Burgen oder Herrenhäuser, oft landschaftlich reizvoll gelegen, gehören schon zum Portfolio. 

(Bild: Schloss Czocha)
(KURIER.at) Erstellt am
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