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Reise
05/13/2012

Outdoor: Zulauf von Kunden und Investoren

Das Geschäft mit Outdoor-Bekleidung kennt keine Krise. Deshalb drängen verstärkt Finanzinvestoren in den Markt.

von Simone Hoepke

Ob Wandern, Klettern oder Nordic Walking: Mittlerweile geschätzte 500 Millionen Euro geben die Österreicher jährlich für passende Funktionskleidung, Bergschuhe, Rucksäcke & Co. aus. Einkäufe bei Diskontern und Baumärkten noch gar nicht eingerechnet. Allein bei Intersport Eybl hat das Outdoor-Segment im Vorjahr um sechs Prozent zugelegt. Bei Bergsportausrüstungen gab es sogar ein Plus von 14 Prozent.

Europaweit ist der Markt – exklusive Rädern, Ski, Jagd- und Fischerausrüstungen – geschätzte zehn Milliarden Euro schwer, so die Zahlen des Branchenverbandes European Outdoor Group (EOG). Die Hälfte davon entfällt auf Bekleidung, ein Viertel auf Schuhe, immerhin sechs Prozent auf Rucksäcke. "Die Branche ist über Jahre jährlich um sechs Prozent gewachsen", erklärt EOG-Präsident David Udberg. Heuer wird das Plus geringer ausfallen, "aber im Vergleich zu anderen Branchen sind wir gut unterwegs".

Der mit Abstand größte Outdoor-Markt in Europa ist Deutschland mit einem Marktanteil von 23 Prozent, gefolgt von Großbritannien und Irland (15 Prozent) sowie Frankreich (14 Prozent). Das 60-Millionen-Einwohner-Land Italien spielt in einer Liga mit den viel kleineren Nachbarländern Österreich und Schweiz. Der Marktanteil liegt bei sechs Prozent. "Italiener schauen sich lieber eine Sportsendung im Fernsehen an, als wandern zu gehen", seufzt ein Vertreter der italienischen Outdoor-Industrie.

Übernahmen

Weil Outdoor-Sport offensichtlich keine Krise kennt, zieht die Branche auch Finanzinvestoren magisch an. Udberg: "Die Anfragen von Finanzinstituten und Private-Equity-Investoren nehmen deutlich zu." Diese haben vor allem mittelständische Firmen im Visier. "Die Konsolidierung in der Branche geht mit Sicherheit weiter", ist er überzeugt. Im Vorjahr hat etwa der Bekleidungsriesen VF – zu dem The North Face, der Rucksackhersteller Eastpak sowie Wrangler und Lee gehören – Timberland für zwei Milliarden Dollar gekauft. Und Jack Wolfskin ging für kolportierte 700 Millionen Euro an den Finanzinvestor Blackstone. Für die Ex-Eigentümer – die Finanzinvestoren Quadriga und Barclays Private Equity– hat sich der Deal ausgezahlt: Sie hatten den Hersteller von Funktionskleidung erst 2006 um gerade einmal 93 Millionen Euro gekauft.

Dass sich Finanzinvestoren in der Branche breit machen, wird von vielen kritisch gesehen. Viele Gründer von Outdoor-Marken seien selbst begeisterte Bergsportler. Sie hätten "den Mut, auch einmal etwas auf den Markt zu bringen, das geringere Renditen bringt", sagt etwa Massimo Baratto, Chef des Familienunternehmens Salewa. "Diese Passion fehlt Private-Equity-Fonds völlig. Sie denken nur kurzfristig. Das kann meiner Meinung nach langfristig nicht gut gehen und der ganzen Branche schaden."

"Das italienische Silicon Valley der Schuhhersteller"

Das norditalienische Montebelluna, rund eine Autostunde von Venedig entfernt, war einst die Hochburg der Wander­schuhhersteller. "Zu Spitzenzeiten, Ende der 1980er-Jahre, kamen bis zu 90 Prozent der weltweit produzierten Wanderschuhe aus dieser Region", behauptet Paolo Bordin. Er ist Junior-Chef der Bergschuhmarke Aku mit Sitz in Montebelluna.

Nach der Ostöffnung kam die Konkurrenz billiger Fabriken und viele Hersteller wanderten in billigere Produktionsländer ab. "Beliebt ist vor allem Rumänien, weil dort während der Sowjetzeit viele Schuhe produziert wurden und es viel Know-how und qualifizierte Mitarbeiter gibt", erklärt Bordin. Auch Aku fertigt seit zehn Jahren bis zu 200.000 Paare in Rumänien. In Montebelluna werden dagegen nur noch 50.000 Stück herstellt. Viele Produktionsschritte erfolgen hier noch händisch. Ob es schadet, wenn nicht mehr "Made in Italy" am Etikett steht? "Nein", ist Bordin überzeugt. "Das Match laute längst Europa gegen Asien und nicht mehr Italien gegen Rumänien."

Ihm sei vor allem wichtig, dass die Produktion in seiner Hand bleibt. "Wir sind eine Produktionsfirma und wollen nicht zu einer Marketinggesellschaft verkommen." 2011 hat Aku 17 Millionen Euro umgesetzt, die Hälfte davon am Heimmarkt. Österreich zählt zu den wichtigsten Auslandsmärkten. Gekauft werden die Schuhe übrigens nicht nur von Sportlern, sondern von vielen Arbeitern, die auf festes Schuhwerk angewiesen sind. Bordin: "Und wir produzieren jährlich 15.000 Schuhe für das Schweizer Heer."

Schuhmacherstadt Auch wenn viele Produktionen längst abgesiedelt wurden, bleibt "Montebelluna das italienische Silicon Valley der Schuhhersteller", sagt David Udberg, Präsident des Outdoorverbandes. Nach wie vor haben viele Hersteller von Wander- und Skischuhen hier ihre Kompetenzzentren. Die Liste reicht von Salewa über La Scarpa, Northface bis zur italienischen Schuhmarke Geox. "Wenn du in Montebelluna am Abend in die Bar gehst, sind sicher sieben von zehn Leuten an der Theke aus der Schuhindustrie", meint Salewa-Chef Massimo Baratto, dass man als Schuhhersteller nicht an Montebelluno vorbeikommt.

Salewa: Zwei neue Shops für Österreich

Mit einem Umsatz von rund 25 Millionen Euro ist Österreich für den Südtiroler Bergsportausrüster Salewa der drittgrößte Markt nach Italien und Deutschland. Deshalb drücken die Bozener hierzulande weiter aufs Expansionstempo.

Heuer werden zwei neue Shops in Saalfelden und Schladming eröffnet. "In Österreich sind für uns vor die Bergsportgebiete interessant", erklärt Salewa-Chef Massimo Baratto. Da sich im Konkurrenzkampf derjenige durchsetzt, der sich am besten präsentiert, gewinnen eigene Shops in der Branche an Bedeutung. "Wir müssen Emotionen zeigen und nicht nur einen Friedhof von Waren", formuliert es Baratto: "Die Leute kaufen bei uns nicht eine Jacke, sondern ein Lebensgefühl."

Die neue Zentrale in Bozen – mit Blick auf die Burg Siegmundskron von Reinhold Messner – will mit ihrem angeschlossenen Kletterzentrum das passende Outdoor-Feeling gleich mitliefern. Weniger idyllisch geht es im Logistikzentrum der Zentrale zu. Hier werden täglich 30.000 Teile bewegt. Baratto: "Wir könnten täglich ganz Bozen ausstatten."

Salewa (ursprünglich: Sattler Leder Waren) gehört der Familie Oberrauch und hat 2011 rund 180 Millionen Euro umgesetzt. Zum Unternehmen zählt auch der Skitourenspezialist Dynafit und Silvretta (Skibindungen). 2011 hat Salewa den Schweizer Steigfell-Anbieter Pomoca übernommen, Anfang 2012 den britischen Kletterspezialisten Wild Country.

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