Reise
27.08.2018

Nostalgie-Radeln entlang der Ybbs

Das neue Herzstück des insgesamt 107 Kilometer langen Ybbstal-Radwegs im Praxistest

Radwege auf ehemaligen Bahnstrecken sind „in“. Die Thayarunde rund um Waidhofen/Thaya, großteils auf den Trassen längst still gelegter Waldviertler Lokalbahnen angelegt, erfreut sich seit der Eröffnung im Vorjahr größter Beliebtheit (der Reise-KURIER berichtete). Der neue Radweg zwischen Kilb und Bischofstetten (Bezirk Melk), auf dem früher die Lokalbahn von Ober-Grafendorf nach Gresten fuhr, wird ebenfalls eifrig von Bikern genützt.

Nun also der Ybbstal-Radweg. Im Gegensatz zu den anderen Projekten war die Anlage dieser Radroute von vornherein heftigem Widerstand ausgesetzt. Viele hatten um den Erhalt der 1898 eröffneten Schmalspurbahn gekämpft, doch die Anlage einer eigenen Radtrasse neben der Bahn wäre einfach zu teuer gekommen. Nachdem durch den Abriss der Gleisanlagen im Jahr 2014 Fakten geschaffen worden waren, stand der Realisierung des Vorhabens nichts mehr im Weg.

Die Highlights der Strecke

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Von Waidhofen/ Ybbs bis Lunz, also auf einer Strecke von etwa 50 Kilometern, können auch weniger ambitionierte Radler gemütlich und autofrei auf der nunmehr asphaltierten Trasse der ehemaligen Ybbstalbahn radeln – und das ohne nennenswerte Steigungen (der Höhenunterschied zwischen Start- und Zielort beträgt gerade einmal 200 Höhenmeter).

Der KURIER machte die Probe aufs Exempel und stellt die Highlights der Strecke vor. Bester Start für die Tagestour ist der Bahnhof von Gstadt, fünf Kilometer südlich von Waidhofen/Ybbs. Bis hierher verkehrt (noch) die sogenannte Citybahn Waidhofen. Von nun an geht’s Richtung Norden entlang der grün schimmernden Ybbs. Ein kleines Picknick inklusive Bad an einem der Fluss-Rastplätze ist eine feine Sache. Nach zehn Kilometern führt die Strecke durch den 87 Meter langen Tunnel bei Opponitz. Der ist mittlerweile hell beleuchtet und vom Ruß der Dampfloks befreit, lässt aber echtes Eisenbahn-Feeling aufkommen.

Für eine erste längere Pause bietet sich nach 20 Kilometern der Sommerfrischeort Hollenstein an der Ybbs an – einerseits wegen des entzückenden historischen Flussbades, andererseits wegen der deliziösen Mehlspeisen in der Konditorei Schwarzlmüller. Sehenswert ist auch der „Zeitreisewaggon“: Der ausrangierte Waggon beherbergt ein Mini-Museum zur Geschichte der Ybbstalbahn.

Ziel für Eisenbahnfans

Die Historie ist auch nach weiteren 20 Kilometern in Kogelsbach erlebbar: Dort wurde die ehemalige Bahnstation in eine Labe- und Ladestation (erstere für die Radler, letztere für E-Bikes) umfunktioniert. Wenig später, in Göstling/Ybbs, schlägt nicht nur das Herz des Radlers, sondern auch das des wahren Eisenbahnfans höher: Von hier an bis zum Ziel in Lunz am See sind die Schienen noch durchgehend erhalten. Grund dafür ist, dass diese Trasse der ÖGLB (Österreichische Gesellschaft für Lokalbahnen) gehört – und die weigerte sich, wie uns ein ehrenamtlicher Mitarbeiter erzählt, die Trasse für den Radweg freizugeben.Von Zügen befahren wird die Strecke bis Lunz mangels Nachfrage derzeit nicht (siehe Info „Ötscherland-Express“), Nostalgiegefühl vermitteln die verrosteten Schienen allemal.

Für den Radler macht die nunmehrige Parallelführung des Radwegs zur Bahntrasse keinen Unterschied: Die verbleibenden zehn Kilometer können dank der prächtigen Landschaft und der geringen Steigung ebenso komfortabel wie die vorangegangenen 40 Kilometer zurückgelegt werden. Noch dazu, wo mit Lunz am See der eigentliche (wenn auch nur knapp 600 Meter hoch gelegene) „Höhepunkt“ wartet: Die 1800-Seelen-Gemeinde ist dank des namensgebenden Sees samt Freibad der perfekte Ort, um an die kommode Radeltour noch ein, zwei Tage mit echtem Sommerfrische-Feeling anzuhängen.

 

Info

Strecke Die beschriebene Route Waidhofen/Gstadt – Lunz (50 km) ist in einem Tag leicht zu bewältigen. Sie ist das  Herzstück des insgesamt 107 km langen Ybbstalradwegs von Ybbs/DonauAmstettenWaidhofen/Ybbs – Lunz.

Busshuttle Im August verkehrt der Radtramper-Bus MO1 (keine E-Bikes) drei Mal täglich zwischen Waidhofen/Bhf. und Lunz, von Sep. bis 26. Okt.  fährt er  Sa., So., Feiertag. Abfahrtszeiten unter www.mostviertel.at/radtramper-bus-4 bzw. unter Tel: 0810/22-23-24

Radverleih Befährt man die Route von Waidhofen nach Lunz, kann ein E-Bike empfehlenswert sein. E-Bikes: E-Mobility Tel: 0664/953-44-06

Quartiertipp Lunz Lunzferien (Fam. Mayr), Zimmer und Ferienwohnungen in Seenähe, www.lunzferien.at, Tel:0676/754-4570 (DZ/F ab 27 € pro Person)

Ötscherland-Express Lunz ist der Endpunkt der 27 km langen Schmalspur-Museumsbahn Kienberg-Gaming – Lunz. Zwei tägliche Fahrten (teilweise mit historischer Dampflok) jeweils Samstag (bis 19. 9.) und Sonntag (bis 30. 9. 2018). Fahrplan unter www.lokalbahnen.at/bergstrecke