Norwegens schönste Fjorde und Gletscher

Geiranger fjord view, Norway
Foto: Getty Images/iStockphoto/rusm/iStockphoto Geiranger fjord.

Wer das Krachen der Gletscher hören oder einen tosenden Wasserfall hautnah erleben will, ist entlang der Fjorde genau richtig.

Das Zugfenster klemmt. Der Österreicher, um dessen Hals eine Kamera mit Teleobjektiv baumelt, bekommt die Krise. Ausgerechnet das Fenster, durch das er die angeblich schönste Bahnstrecke Europas – von Myrdal nach Flåm – fotografieren will, klemmt.

FlamRailway, Norwegen… Foto: /Simone Hoepke Durch den Lautsprecher tönt die Ansage, dass der nächste Wasserfall auf der linken Seite kommt. Hektik im Abteil, alle drängen nach links, auch der Österreicher, der sich die Pole Position erkämpft. Vorerst. Der nächste Wasserfall kommt wieder auf der rechten Seite. Eine Attraktion jagt die andere und die Meute im Zugabteil von links nach rechts: reißende Flüsse, sattes Grün, weiße Berggipfel, noch mehr Wasserfälle und 20 Kilometer später die Endstation: Flåm, ein einsamer Fjord. Zumindest war er einsam, bis das Kreuzfahrtschiff angelegt und massenweise Touristen ausgelassen hat.

Wem der Trubel zu viel wird, der fährt am besten gleich weiter nach Borgund. Dort sieht man mehr Schafe als Menschen, spaziert über alte Postkutschenwege und bleibt bei der Kirche stehen, selbst wenn man sich sonst gar nicht für Sakrales interessiert. Diese Stabkirche, gebaut 1180 und damit die zweitälteste ihrer Art in Norwegen, ist anders. Nicht nur wegen der vielen Drachenköpfe, die sich gegen den Himmel strecken und damit Schutz vor der Gewalt des Wassers bringen, wie die Wikinger glaubten.

Kirche ohne Kerzen

Borgund, Stabkirche, Norwegen… Foto: /Simone Hoepke Wer in Kirchen den Impuls hat, eine Kerze anzuzünden, wird augenblicklich blankes Entsetzen hervorrufen. Kerzen sind strengstens verboten. Zu gefährlich, weil das Kieferholz der Kirche alle zehn Jahre mit Teer bestrichen wird, als Schutz gegen die Witterung. Nebenwirkung: Es brennt wie Zunder. Das weiß man auch in Bryggen, dem Hanseviertel von Bergen. Weil dort immer wieder Kerzen umgefallen sind, ist der Stadtteil mehrmals abgebrannt. Er wurde zuletzt 1965 im alten Stil wieder aufgebaut.

Einen guten Blick über Bergen, die zweitgrößte Stadt Norwegens (knapp 280.000 Einwohner), verschafft man sich von oben. Das geht bequem. Dank der Bahn, die einen – vorbei an Villen, Straßen und Stufen – 320 Meter hochzieht. Ein beliebtes Ziel, auch für Einheimische: Im Winter zum Langlaufen, im Sommer zum Baden im und Spazieren am Teich.

Wem da schnell wieder mehr nach Einsamkeit ist, der kann sich in Richtung Fjærland aufmachen, das so abgelegen ist, dass hier angeblich schon die Königsfamilien Ruhe gefunden haben. Ein bisschen was los ist im Gletschermuseum. Am WC beispielsweise, wo eine Asiatin panisch kreischend ihren Lippenstift fallen lässt, weil ihr plötzlich aus dem Spiegel ein Eisbär entgegenbrüllt. Auch sonst ist das Museum sehr interaktiv gestaltet. Zu Gletschern haben die Norweger viel zu sagen, schließlich haben sie noch mehr als 1000, obwohl der höchste Berg des Landes nur 2469 Meter hoch ist.

Durch das Oldedalen-Tal sind leidenschaftliche Fischer einmal mehr schwer im Bus zu halten. Die Straße schlängelt sich entlang des Oldenflusses, einem der Lachsflüsse Westnorwegens. "Die Lachse, die hier gefangen werden, haben im Durchschnitt zwölf Kilo, der schwerste wog 31 Kilo", berichtet die Reiseführerin. Fischerlizenzen bekommt man leicht, fügt sie hinzu. Der Busfahrer fährt davon unbeeindruckt weiter in Richtung Briksdalsbreen Gletscher, einem der bekanntesten Ausläufer des Gletschers Jostedalsbreen.

Blaues Gletschereis

Balanced stones at Briksdal glacier - Norway Foto: Getty Images/iStockphoto/Global_Pics/iStockphoto Dort fahren neuerdings Troll Cars mit Touristen bis knapp zum blauen Eis. Bis vor Kurzem trabten hier noch Pferde mit den Gästen rauf, was nun aus Sicherheitsgründen Geschichte ist. Am Gletscher pfeift der Wind. Leider. Wer an windstillen Tagen hier ist, hört das Eis krachen.

Tags darauf geht’s zum Hellesyltfossen Wasserfall. Dem Tosen nach scheint er riesig zu sein. Man kann ihn nur leider nicht sehen. Zu dicht ist der Nebel, der sich über Hellesylt gelegt hat. Also auf die Fähre und weiter in das UNESCO-Weltkulturerbe Geirangerfjord. Freunde, die lieber in Hellesylt auf besseres Wetter warten, erzählen später, dass der Nebel Minuten später aufgerissen ist. Und den Blick auf den Wasserfall und ein riesiges Kreuzfahrtschiff freigegeben hat.

Auch auf der Fährenfahrt nach Geiranger schlängeln sich zig Wasserfälle talwärts, Möwen kreisen um die Fähren, Touristen kommen mit dem Fotografieren nicht nach. Vor Geiranger haben schon am frühen Morgen drei Kreuzfahrtschiffe angelegt. Die Dörfchen mit 230 Einwohnern werden in der Saison von rund 700.000 Urlaubern besucht, die mit doppelstöckigen Bussen zu Aussichtpunkten gekarrt werden. Sportlichere erkunden die Landschaft per Kanu, Ripboat, Rad oder zu Fuß. Abseits der Touristenwege ist davon wenig zu spüren. Beim Aufstieg über Treppensteige, gebaut von Nepalis, kommen Städter ganz schön ins Schwitzen. Abkühlung gibt es hinter dem Wasserfall, dessen Gletscherwasser vom Fels donnert.

Alesund, Norwegen… Foto: /Simone Hoepke Wer vor lauter Wasserfällen, Fjorden und Bergen ganz auf Souvenirs vergessen hat, kann in Ålesund noch fündig werden. Obwohl selbst beim Souvenirladen die Natur dem Geschäftsmann die Show stielt: Das Haus steht direkt am Wasser, die Wellen peitschen gegen die Mauer, das Landei ist restlos begeistert.

Ein paar Straßen weiter verkauft ein Fischer Krabben von seinem kleinen Boot aus. Mit dabei: Sein Hund, ursprünglich ein Streuner aus Budapest und offensichtlich kein großer Fan von Fisch und Meeresfrüchten. Als eine Kundin dem Hund ein Stück Krabbe spendiert, spuckt sie der Hund angewidert wieder aus und muss von seinem Herrchen getröstet werden.

Am Zebrastreifen steht ein Auto und wartet, bis neu angekommene Touristen die Straße gequert haben. Das kann noch länger dauern. Am Ufer hat gerade ein Schiff mit 3000 Passagieren angelegt.

Info

grafik… Foto: /Grafik

Anreise Austrian fliegt zwei Mal täglich nach Oslo. Tagesaktuelle Flugtarife unter www.austrian.com

Währung 1 € = 9,4 NOK Norwegische Kronen (fast überall  werden  Kreditkarten akzeptiert)

Beste Reisezeit Mai bis September

Pauschalangebot 7-tägige Rundreise von Prima Reisen inkl. Flug Wien Oslo/Bergen Wien mit Austrian ab 1298 €/P. im DZ, 6x HP, inkl. Fähren und Reiseleitung (Fahrt mit Flåmbahn unter Aufpreis von 72 €),  Termin 3.6.-9.6.2017
Highlights: Stabskirche Borgund, Flåm, Hurtigruten, Geirangerfjord, Ålesund, Bergen (auch andere Routen im Angebote)
Prima Reisen Tel. 01/5020222-0, [email protected], www.primareisen.com

Hotels Scandic Parken in Ålesund bietet einen guten Blick über die Stadt und die Inseln rundherum
– First Hotel Raftevold in der Kommune Horninal liegt direkt am See und 25 Autominuten vom  Geirangerfjord entfernt
 
Sehenswertes Geirangerfjord (UNESCO Weltkulturerbe), Briksdalsbreen Gletscher (mit Troll Cars erkundbar), mit der Flåm Railway auf einer der schönsten Strecken Europas

Auskunft www.visitflam.com

(kurier) Erstellt am
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