Auf Schienen ins alte Österreich

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Foto: J.Stögermayr / Sammlung Griebl Der Wien-Rom-Express 1912 bei Mödling.

Dampfende Maschinen und tausende Kilometer Schienen durch das ganze Land. Ein neues Buch erinnert an die Eisenbahn zur Zeit der Monarchie.


Österreich-Ungarn war eines der führenden Eisenbahnländer im alten Europa. Die Fahrt mit der Eisenbahn wurde nicht nur zum modernen Reiseerlebnis - die Bahn diente auch dazu, neue Regionen zu erobern und zu erschließen. Personen- und Güterverkehr erlebten einen Aufschwung, abgelegene Orte an den Rändern des Reiches wurden über tausende Kilometer Schienen mit den pulsierenden Zentren verbunden. Davon profitierte das Habsburgerreich auch stark wirtschaftlich. Das "rollende Flügelrad", ein Eisenbahnrad mit Flügeln, wurde zum allgegenwärtigen Symbol der kaiserlich-königlichen Linien.

Das neue Buch "Auf Schienen durch das alte Österreich", erschienen im Styria Verlag, führt den Leser auf eine Zeitreise durch die Welt der Eisenbahn zur k. u k. Zeit. Autor Johannes Sachslehner zeigt vergnüglich, wie das Land unter dem Doppeladler von der Eisenbahn geprägt wurde. Und so manche Anekdote beweist: Nicht alles hat sich seither verändert. Zwar sind Dampflokomotiven, Fahrpläne, Strecken und Bahnhofsgebäude großteils nicht mehr aktiv, der Ärger über verspätete Züge ist aber heute wie damals großes Thema. So wird über ein Ereignis im Jahr 1839 berichtet, bei dem Fahrgäste am Bahnhof Deutsch-Wagram randalierten, nachdem ihr Zug mehrere Stunden zu spät kam.

Beschwerdebriefe

Immer wieder lassen sich auch Original-Texte von Reisenden der damaligen Zeit finden, die ihre Eindrücke zu Papier brachten. Johann Nestroy etwa schrieb im Zug einen Brief an seine Lebensgefährtin und informierte sie über seine Reiseplanung und seine Auftrittsorte. Auch Beschwerdebriefe sind im Buch dokumentiert. So ist zum Beispiel ein Fahrgast mit der damaligen "Heizung" der Züge unzufrieden. Eine Dame ist unglücklich, hauptsächlich männlichen Mitreisenden zu begegnen.

Und auch Überraschendes und Skurriles hält das Buch bereit. Oder wussten Sie, dass bereits 1855 die Mitnahme von Hunden oder 1861 der Transport von Leichen geregelt war? Übrigens: Es gab Unterschiede, ob diese mit Personen- oder Lastzügen transportiert wurden. 1862 wurde sogar eine Vergnügungsfahrt von Wien nach Paris und London angeboten, an der 350 Personen teilnahmen.

Die Geschichte des "rollenden Flügelrads" in Bildern

Ein Bild einer der ersten Versuchsfahrten im November 1837. Die "Austria" fährt aus dem Bahnhof Deutsch-Wagram.
  Dieser Plan von 1836 zeigt den Entwurf für die Dampfeisenbahn von Wien nach Bochnia (im heutigen Polen). Auch alle Seitenstrecken sind eingezeichnet. Der Abschied von den Lieben am Wiener Südbahnhof. Gemalt von Franz Witt um 1900. Die Freude bei der Ankunft ist groß. Ebenfalls am Südbahnhof von Franz Witt. Reisen machte auch zur damaligen Zeit schon hungrig. Deshalb wurde hier an der Kärntner "Frühstücksstation" Glandorf eine Pause zur Stärkung eingelegt. Im Bereich Komfort hat sich im Laufe der Jahrhunderte einiges getan. Der Sitzplatz im Schlafwgen-Coupé um 1871, der am Abend ausgeklappt werden konnte. Auf Luxus wurde viel Wert gelegt. 1896 wurde etwa ein Hofzug für das Kaiserpaar gebaut. Hier der Salon von Franz Joseph. Auch die Kaiserin Elisabeth hatte ihren prachtvoll ausgestatteten Schlafsalon. Zweimal täglich konnte man mit der Schnellzug-Verbindung von Wien nach Paris reisen. Für diese Strecke wurde massiv Werbung gemacht. Der Wien-Rom-Express 1912 bei Mödling.

(KURIER) Erstellt am
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