Mit Schiff und Rad die Donau entdecken

Ausflug für die ganze Familie: Mit der MS Kaiserin Elisabeth II geht es von Wien nach Bratislava, dann weiter mit dem Rad nach Hainburg zur Niederösterreichischen Landesausstellung.

Der Himmel ist hellblau, die Laune sonnig, die Vorfreude groß. Das Vorhaben: Mit der kürzlich modernisierten MS Kaiserin Elisabeth II von Wien-Nußdorf nach Bratislava, dann rauf auf das Fahrrad und durch die Donauauen nach Hainburg zur Niederösterreichischen Landesausstellung. Der eintägige Ausflug ist der perfekte Saisonauftakt der Donauschifffahrt. Dieser beginnt ganz entspannt: Anfangs werden der Sonnenschein und das Frühstück genossen, während sich der Morgendunst bald auflöst und es pünktlich um 8.40 Uhr heißt: "Leinen los!" Anders als der schnittige Twin City Liner gleitet die MS Kaiserin Elisabeth ganz gemächlich dahin. Wer es eilig hat, sollte besser kein Ausflugsschiff als Fortbewegungsmittel wählen. Doch an diesem Tag will ohnehin niemand hastig von W nach B kommen. Die Skyline von Wien zieht vorbei, zur Linken die Donauinsel, ... ... zur Rechten bald der Frachthafen mit seinen bunten Containern. Und dann liegt auch schon die Schleuse des Kraftwerkes FReudenau vor dem mit Rädern vollgeladenen Bug. Oben streckt man, in den bequemen Liegen sitzend, die Beine von sich ... ... oder beugt sich weit über die Reling, um den Vorgang mitzuerleben. Es geht alles ganz schnell: Rasch sinkt der Wasserspiegel in der Schleuse, bis man auf dem unteren Niveau angekommen ist und die Fahrt fortsetzen kann. Der Nationalpark Donauauen zieht in unzähligen Grüntönen vorbei, dazwischen sind immer wieder kleine Häuschen auf Stelzen zu sehen. Während der unablässige Gegenwind die Fahrgäste dazu zwingt, sich in Jacken und Pullover zu wickeln, bemerkt niemand, dass sich der erste Sonnenbrand in diesem Jahr bereits ankündigt. 
Um kurz nach elf Uhr taucht rechterhand die Häuserkette von Hainburg auf. Hinter dem Kirchturm ist auf einer Anhöhe die Burg zu sehen, die der Stadtgemeinde einst ihren Namen gab. Später werden wir mit dem Fahrrad hierher zurückkehren, um die Landesausstellung zu besuchen. Wenig später eilen alle von Steuerbord nach Backbord. Die Fahrt führt an der eindrucksvollen Festung Devín vorbei und liefert besonders an diesem schönen Tag Postkartenmotive für das Fotoalbum. Devín ist bereits ein Stadtteil von Bratislava. Der Zwischenstopp unseres Ausfluges kann demnach gar nicht mehr weit sein. Noch bevor wir in der Hauptstadt der Slowakei an Land gehen, sehen wir sie trotz diesiger Sicht. Unterhalb der Burg, ein Stück flussabwärts nach der Neuen Brücke, legen wir zu Mittag an. Kaum setzt der Fahrtwind aus, machen sich die sommerlichen Temperaturen dieses Frühlingstages bemerkbar und alle schälen sich rasch aus ihrem Kälteschutz. Jeder hat es eilig, von Bord zu kommen. Einige haben den um 2,50 Euro am Schiff angebotenen Stadtrundgang durch Bratislava gebucht, die anderen nehmen ihre Fahrräder entgegen. Nach so viel Gemütlichkeit an Bord juckt es in den Beinen und wir beschließen, mit sportlicher Betätigung Platz im Bauch zu schaffen für das 4-gängige Dinner, das bei der Rückfahrt von Hainburg nach Wien an Bord auf uns wartet. 
Schon nach wenigen Kilometern überqueren wir die Donau. Der großzügige Radweg verläuft unterhalb der Autospur und ... ... man kann bequem absteigen, um von diesem idealen Aussichtspunkt aus Fotos von der Stadt zu machen. Der Route führt zuerst ein Stück an der Straße entlang. Nicht schlimm, denn die Landschaft - sonnengelbe Rapsfelder, grüne Wiesen, blauer Himmel - auf der rechten Seite entschädigt für das Etwas an Autolärm und -abgasen. Und wieder steigen wir ab und machen Fotos. Die Befürchtung, bei all den Pausen keine Radfahrmeter zu machen, ist berechtigt. Übrigens: In der Slowakei herrscht Helmpflicht, sowohl für Kinder, als auch für Erwachsene. Doch so recht scheint sich niemand daran zu halten... Schon bald sind wir wieder auf österreichischem Boden und wir vermuten ("vermuten" deshalb, weil wir vergessen haben, eine Karte mit der eingetragenen Radroute mitzubringen), dass es nicht mehr weit bis Hainburg sein kann. Vor Wolfsthal sind wir unschlüssig: links die Bundesstraße, rechts ein Trampelpfad. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass der Donauradweg alles andere als gut beschildert ist, zumindest auf diesem Abschnitt. Selbst wenn man nicht zu schnell dran ist und Zeit hat zum Schauen – diese wutzikleinen Schildchen übersieht man allzu leicht. Wir entscheiden uns für den Weg mitten hinein ins Grün. Die richtige Entscheidung, auch wenn sich hinterher herausstellt, dass es die falsche Abzweigung und ein Umweg noch dazu war. Auf diesem Weg braucht man länger. Dafür sieht man auch etwas von der Au und kann die Natur abseits des Autoverkehrs genießen. Ein gefedertes Fahrrad ist ratsam, andernfalls werden sie sich wünschen, das Abendessen im Liegen einnehmen zu können. Immerhin: Es ist ein Weg, der zweifellos mit Fahrrädern befahren werden kann und darf. Und auch auf dieser Strecke warten wieder zahlreiche Flecken, an denen sich das Absteigen lohnt. Beispielsweise am anderen Ufer gegenüber der Festung Devín. Fahrrad abstellen, die Arme und Beine ins kalte Wasser stecken, in die Sonne blinzeln, Steinchen flippen lassen, genießen. Wenn man dem Weg weiter folgt, kommt man zu einer Gabelung. Dort geht es dann links weiter und man gelangt schließlich wieder auf den offiziellen Radweg. Der ist - sind wir erst einmal in Hainburg angelangt - plötzlich wieder gut sichtbar gekennzeichnet ... ... und führt uns nun rasch die letzten Meter bis zur Kulturfabrik. Dort ist derzeit die Niederösterreichische Landesausstellung "Erobern - Entdecken - Erleben im Römerland Carnuntum" zu sehen. Das Gebäude, das einstmals eine K.u.K. Tabakfabrik beherbergt hat, wurde 2007 generalsaniert und bietet nun Kunst und Kultur stilvolle und moderne Räumlichkeiten. Die Landesausstellung, die in der Kulturfabrik bis 15. November läuft, beschäftigt sich mit der Geschichte des Eroberns und Entdeckens von der Urgeschichte bis ins 21. Jahrhundert. Spannendes wird von dieser geschichtsträchtigen Region zwischen Wien und Bratislava erzählt. Einst führten die Römer, Germanen, Ungarn, Türken und viele andere Völker Kriege um dieses Gebiet. Später wurde es von der Natur zurückerobert: Die Donauauen sind heute ein Nationalpark, der nicht umsonst in den 1980er-Jahren besetzt und vehement verteidigt worden ist. Altersgerecht und ansprechend aufbereitet, ist die Ausstellung auch für Kinder ein Erlebnis und sie können selbst zu Eroberern und Entdeckern werden und die Geschichte interaktiv erfahren. Überhaupt ist dieser Tagesausflug auch für die Kleineren wunderbar geeignet. Die Schiffsfahrt wird ihnen bestimmt Spaß machen, weil es vieles vom Schiff aus aus einer anderen Perspektive zu sehen gibt. Die Distanz von gut 15 Kilometern zwischen Bratislava und Hainburg ist mit dem Fahrrad außerdem leicht zu bewältigen, denn es geht immer schön flach in einer abwechslungsreichen Landschaft dahin. Zu einem Spaziergang durch die engen Gässchen des netten, kleinen Städtchens müssen die Kinder vielleicht erst überredet werden. Doch nach der Ausstellung im Landesmuseum werden sie die vielen geschichtsträchtigen Sehenswürdigkeiten mit Begeisterung entdecken wollen. Buchung der Schiffsfahrt:
Die Schiffsfahrt von Wien nach Bratislava und retour wird von der Donau Touristik Schifffahrt angeboten. Im Preis (ab 41,50 Euro) inkludiert sind ein kontinentales Frühstück, ein 4-gängiges Abendmenü und ein Getränk nach Wahl.
Angeboten wird die Reise jeden Sonntag, Montag und Dienstag von Anfang April bis 24. Oktober. Zusätzlich kann man die Tour auch jeden Mittwoch und Donnerstag von April bis 23. Juni und von 31. August bis 26. Oktober buchen. Auf donauradweg.at kann man nicht nur Plätze für die Fahrt Wien-Bratislava, sondern auch verschiedene andere Schiffsfahrten online reservieren. Viele Angebote haben auch Unterbringung und kulturelle Aktivitäten im Paket.

Kontakt:
eMail: schiff@donautouristik.com
Telefon: 070 2080 Hilfreicher Link:
Auf bikemap.net kann man sich schnell und einfach detaillierte Radrouten ausdrucken. Sicher ist sicher, und so braucht man dann auch keine Schnitzeljagd nach Radwegschildern veranstalten.
(KURIER.at / Stephanie Doms) Erstellt am
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