Dichte Wälder, türkise Bergseen: Der Joffre Lakes Provincial Park lädt zum Wandern, Angeln und Zelteln ein.

© /Wolfgang Godai

Kanada
06/25/2016

Metropole und Wildnis: Eine perfekte Melange

In British Columbia begegnet man nicht nur Grizzlybären, sondern auch Exil-Österreichern. Die Provinz an der Küste des Pazifischen Ozeans bietet die perfekte Mischung aus Stadt und Natur.

British Columbia, der äußerste Westen Kanadas, hat eigentlich alles: Malerische Küsten, riesige Nationalparks mit nahezu unberührter Natur, türkisfarbene Bergseen und Flüsse, die Rocky Mountains für Ski- und Wanderfans. Und seine Hauptstadt Vancouver gilt als die schönste und lebenswerteste Metropole Nordamerikas.

Am Moose Lake, zu Füßen des höchsten Berges der kanadischen Rockies, dem Mt. Robson (3954 m), beginnt unsere Reise durch British Columbia. Wir sind mit dem Mietauto vom berühmten Icefield Parkway im benachbarten Alberta auf dem gemächlichen Weg nach Vancouver. Die erste Überraschung: hier kommen permanent Heimatgefühle auf. Nicht nur wegen der Berglandschaft.

Kärntner groß in Kanada

Mike Wiegele begrüßt uns in seinem luxuriösen Heli Village Resort im winzigen Ort Blue River. Der 78-jährige Kärntner ist der größte Heli-Skiing-Anbieter Kanadas, das Skigebiet umfasst unfassbare 4500 km². Wir dürfen zur Grizzly Hut mitfliegen, einem Hotspot auch für Bergwanderungen am Fuß gewaltiger Gletscher. Nachmittag sehen wir sie von unten im Mud Lake schimmern, während einer Bootsfahrt. Und eine Jeep Safari entlang des Blue Rivers bringt prompt die erste Schwarzbären-Sichtung. Der ist zwar zimtbraun, aber heißt trotzdem Schwarzbär, nur die Mutter ist meist pechschwarz.

Kaum zwei Fahrstunden weiter südlich kommen wir in den nahezu unberührten, 5200 km² großen Wells-Gray-Nationalpark. Ein echter Geheimtipp abseits des Massentourismus, aber trotzdem mit paradiesischen Möglichkeiten: Kanu- oder Wanderurlaub, Reitferien, Rafting, Fischen, Mountainbiken – es ist für alle etwas dabei.

Kurz vor dem Eingang des Nationalparks liegt auch schon seine beste Unterkunft – die urige Wells Gray Guest Ranch, aus deren Black Horse Saloon von Weitem ein kerniger Dialekt schallt: Der Oberösterreicher Mike Müller (siehe rechts unten), Abenteurer und Tausendsassa, managt den Betrieb mit seiner Frau Regina und bietet neben der gemütlichen Unterkunft und rustikaler Küche auch alle oben genannten Aktivitäten an.

Fliegende Lachse

Wir fahren unsportlich mit dem Auto den Clearwater River entlang, mit Fotostopps bei den vielen Wasserfällen wie den Helmcken Falls, die aus 141 Metern Höhe in einen Canyon donnern. Auf dem Weg sehen wir die reißenden Stromschnellen Bailey’s Chutes, wo man fliegende Lachse auf ihrer spektakulären Heimreise zu den Laichgründen bestaunen kann. Am Clearwater Lake ist die Piste endgültig zu Ende, von hier erforschen wir den blitzblauen See per Boot, umgeben von prachtvoller Hochgebirgskulisse, beobachtet nur von einigen Adlern, die neugierig über uns kreisen.

Auf dem langen Weg weiter nach Vancouver lohnt sich ein kleiner Umweg über die Duffey Lake Road, kurz vor dem berühmten Wintersportort Whistler. Am nahen Joffrey Lake spiegeln sich Gletscherzungen im türkisfarbenen Wasser, rundum leuchten dichte Wälder in satten Grün- bis Ockertönen – am schönsten im September und Oktober. Und wenn nicht gerade Regenwolken vom Pazifik her einfallen, bietet die Sea to Sky Gondola bei Squamish fantastische Aussichten auf Gletscher und Fjord.

Wir setzen über nach Vancouver Island, Freizeit- und Naturparadies der Städter, und fahren entlang der Küste nach Campbell River im Norden. Und nochmals per Fähre auf das kleine Quadra Island, wo noch viele Ureinwohner Kanadas leben. Diese betreiben auch die in traditionellem Stil gehaltene, prächtige Tsa Kwa Luten Lodge am südlichsten Zipfel der Insel. Ein Ort, um die Seele baumeln zu lassen und sich im Hotelrestaurant zu fairen Preisen kulinarisch zu verwöhnen, was in der Region nicht oft möglich ist.

Auf zu den Grizzlybären

Abenteuer pur winkt dann auf der ganztägigen Zodiac Tour mit Eagle Eye Adventures. Eingepackt in dickes Neopren gegen den eisigen Fahrtwind und Wasserfontänen rasen wir entlang der Küste in die Fjorde des Festlandes. In einem davon geht es mit einem Geländefahrzeug weiter zu einem Wildfluss, wo wir Zeuge eines Schauspiels werden, das die Kameras glühen lässt. Ganze Grizzly-Familien sammeln sich hier, um den riesigen Lachsen das von der Natur wohl so geplante Ende zu bereiten. Ein Gemetzel fast, der Tisch für die Bären ist so gut gedeckt, dass sie sich oft sogar nur die Leckerbissen aus dem Wasser holen, vor allem Lachse, die noch den Bauch voller Rogen haben.

Abenteuer in Vancouver

Endstation Vancouver, eine Stadt der Sonderklasse, immer wieder mit Top-Ranking, was die Lebensqualität betrifft. Besonders schön zu sehen am Burrard Inlet, dem Fjord, der Downtown vom Norden und seinem Bergpanorama trennt. Oder von der Plattform des Lookouts auf einem der City-Wolkenkratzer. Oder vom Stanley Park, dem größten Stadtpark Nordamerikas, von dem aus die Skyline bei Sonnenuntergang besonders malerisch ist.

Absolut trendy ist Granville Island, eine Insel im False River mitten in der Stadt, mit seinem riesigen Markt und einer spannenden Kunstszene. Nicht weit davon liegt der Capilano Park mit Urwäldern und abenteuerlichen Wanderwegen. Schwindelfreie wagen sich auf die Capilano Suspension Bridge, wo man auf schwankendem Boden 140 Meter über eine 80 Meter tiefe Schlucht balanciert. Die jüngste Attraktion Vancouvers "FlyOver Canada" ist erst recht nichts für schwache Nerven, aber ein Muss: Auf bewegten Sitzen angeschnallt fliegt der Besucher in 3-D über Kanada, saust Berghänge hinab, rast über Prärien und schießt in den Nachthimmel. Der ultimative Kanada-Kick zum Abschluss.

Info

Anreise Am schnellsten mit AUA /Air Canada über Toronto nach Vancouver.www.austrian.com. Der SkyTrain fährt in 25 min vom Airport ins Zentrum.

Unterwegs Österr. Führerschein reicht aus, sicherheitshalber Intern. FS ausstellen lassen (etwa bei Automobilklubs). Autovermietung: Am besten von Österreich aus buchen, gute Angebote und dichtes Netz in Kanada hat z.B. Alamo. www.alamo.de

Beste Reisezeit Mai bis September. Achtung: Juli/August gibt es kaum Zimmer, Preise sind hoch, viele Moskitos. September hat schon schöne Farben, weniger los, es kann allerdings nachts frostig werden (die Hotels sind meist gut beheizt). Visum Österreichische Staatsbürger benötigen für Kanada ein elektronisches Visum "eTA", binnen weniger Minuten um rund 5 € erhältlich. www.cic.gc.ca/english/visit/eta.asp

Währung 1 CD = 0,68 €

Hotel Blue River: Mike Wiegele Resort, www.wiegele.com. Wells Gray NP: www.wellsgrayranch.com. Quadra Island: Tsa Kwa Luten Lodge www.capemudgeresort.bc.ca

Internet und Handynetz sind außerhalb der wenigen Orte oft nicht verfügbar.

Rauchen Kanada hat strenge Rauchergesetze, selbst auf der Straße soll man Abstand zu Häusern halten. In Hotelbungalows oder -hütten außerhalb der Orte wird es auf der Terrasse meist toleriert.

Sicherheit Wie in Mitteleuropa. Wanderungen am besten mit geführter Gruppe. In Vancouver die Eastside meiden.

Mitnehmen Bergwanderschuhe, Rucksack, regendichte Trekkingkleidung, Skiunterwäsche, Moskitospray (vor Ort kaufen!), Zwischenstecker für kanadische Steckdosen, Hut, Sonnenschutz.

Essen/Trinken Gute Restaurants sind teuer, Preise etwa 50 % höher als bei uns. Dafür schmecken Steaks und Lachse aber auch besonders gut. Preiswertes Fast Food gibt es fast überall, Supermärkte sind außerhalb der Städte rar.

Buchtipps Dumont "Kanada – Der Westen+Alaska" 25,70 €, Walter "Nationalparkroute Kanada" (sehr genaue Infos für Wanderer und Wohnwagenfahrer) 17,50 €.

Auskünfte British Columbia Tourismus, www.hellobc.com

Abenteuer mit Grizzlys in der Wildnis

Der oberösterreichische Rockmusiker Mike Müller (u.a. "Turning Point") kam 1984 nach Kanada, um Abenteuer in der Wildnis zu organisieren. Er begann mit fünf Kanus und zehn Pferden, später kamen ein Jagdrevier und eine Ranch im wilden Norden dazu, insgesamt gründete er elf Firmen. Wenn er mit seinen Gästen wochenlang in der Wildnis unterwegs ist, ist das zwangsläufig mit Grizzly-Begegnungen verbunden, von denen er gern Schmankerln erzählt. Einst saß er grad am Busch-Klo (ohne Tür), als ein Grizzly auftauchte und sich an einem davor befindlichen Ameisenhaufen delektierte. "Irgendwann hab ich dann einfach geschrien, um endlich aufstehen zu können – dann ist der Bär gegangen." Gefährlich werde so eine Begegnung vor allem, wenn der Grizzly mit dem Kopf wackelt, dann heiße es Lärm machen und auf und ab springen. Wer auf einen Baum flüchtet, läuft Gefahr, herunter geschüttelt zu werden. Mit dem Pferd gibt es nur eines: "Bergauf ist der Grizzly schneller, also nichts wie bergab! Auf so einer Flucht hab ich einmal in vollem Galopp durch den Wald mein ganzes Gepäck verloren". Noch eine Anekdote zu den enormen Kräften dieser Tiere: "Ich war mal mit einer kranken Kuh Richtung Camp unterwegs. Am Morgen war sie weg, es gab keine Schleifspuren, sondern nur Fußabdrücke eines gewaltigen Grizzlys. Der hat die tausend Kilo schwere Kuh einfach huckepack davongeschleppt."
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