Lima: Südamerikas Charme an der Klippe

KURIER.at-Serie Städtereisen: Ein Spaziergang durch die peruanische Hauptstadt Lima aus dem Blickwinkel eines europäischen Reisenden.

Kommt man als Tourist nach Lima, wird man wahrscheinlich in dem Stadtteil Miraflores landen. Das Viertel gilt neben Barranco und San Isidro als sicherstes und eines der schönsten. Herzstück Miraflores ist die Lage an den malerischen Klippen und der pittoreske Parque del Amor, hier aus der Luft gesehen. Doch dazu später mehr. Dieser Park der Liebe ist Teil der Garten- und Parkkultur Limas. Der berühmteste Vertreter davon, der Parque Universitario (Universitätspark) wurde 1870 nach Zerstörung der kolonialen Mauern auf 20.000 Quadratmetern geplant. Aber erst 1921 ausgebaut. Aber zurück zum Parque del Amor (im Bild: eine Skulptur von Victor Delfin) und zurück nach Miraflores: Das Viertel ist, auch bedingt durch die Lage am Ozean, bekannt für seine gepflegten Parkanlagen und Gärten. Überall sind Blumen zu entdecken, auch der Parque Central und der Parque Kennedy sind einen Besuch wert. Vom Liebespark aus sieht man die beachtlichen Klippen hinunter auf den Pazifik. An der Costa Verde befinden sich auch die schönsten Strände Limas. Im Sommer übersäht von wachsendem Grün, von Surfern und Strandfans. Besonders schön ist Miraflores von oben. Gleich neben dem Park werden Paragleit-Tandemflüge angeboten (rund 40 US-Dollar für 15 Minuten). Die Klippen bringen thermische Vorteile mit sich, wodurch man sich in Kürze in die Höhe schrauben kann. Nachdem man verdaut hat, dass man beim Start gerade über eine Klippe weg gelaufen ist... Aber die Paragleiter Limas wissen was sie tun und so konzentriert man sich bald auf den Ausblick, zunächst auf den Startplatz, dann auf den Liebespark ... ... und auf ganz Miraflores. Hier das Shopping Zentrum im Herzen des Viertels. Einer der teuersten Wohnorte in der 7 Millionen-Metropole, die besonders am Stadtrand stark verarmt ist. Wie überall in Südamerika existiert auch hier eine krasse Zweiklassengesellschaft. Aber in Miraflores kommt man nicht auf die Idee, dass Lima eine gefährliche Stadt sein könnte. Die Parks an den Klippen sind friedlich und die Menschen schwelgen in Konsumgütern. Etwas näher an das wahrhaftige Lima kommt man in der Innenstadt. Zwar ist der Hauptplatz, der wie meistens in Lateinamerika Plaza de Armas ("Platz der Waffen") heißt, immer noch überdurchschnittlich schön, ... ... aber das Leben ist hier echter. Lima beherbergt einige schöne Kolonial- und Sakralbauten aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Einige davon (etwa La Merced und San Pedro) überstanden das große Erdbeben im Jahre 1746. Am Plaza de Armas sieht man den wunderschönen Präsidentenpalast ... ... aber auch die prachtvolle Kathedrale, Limas schönste Kirche, das Rathaus von Lima sind weitere Attraktionen und gleich in der Nähe. Der Platz eignet sich bei schönem Wetter (das in Lima nicht selbstverständlich ist, es ist oft bewölkt und nebelig) zum Flanieren ... ... oder um sich in die Geschichte zurück zu versetzen. Aber wie gesagt, das Leben Limas ist anders. Bei Spaziergängen weg vom Platz, durch die Stadt, trifft man auf das Leben, immer wieder auch auf koloniale Gebäude. Aber vor allem das Leben. Handel ist allgegenwärtig, auch oft noch Tauschhandel. Wie überall in Mittel- und Südamerika dominieren zwei Helden das Straßenbild: Jesus und Che Guevara. Im Dezember auf dem Weihnachtsmarkt... Krippe auf peruanisch. Das Leben findet in Lima gerne auf der Straße statt. Märkte, aber auch Stände mitten auf einem Gehsteigen werden genutzt, um einen Snack zu essen, ein kurzes Gespräch zu führen oder einen frische gepressten Orangensaft zu trinken (siehe Bild). Besonders gilt das für Barrio chino, dem Chinatown Limas, in dem sich rund 6000 chinesische Restaurants befinden. Dort befindet sich auch der große Markt, der Mercado Central. Und der bringt - wie immer in Lateinamerika - die Europäer ins Staunen. Besonders Geflügel wird hier in großen Mengen angeboten, Huhn, Ente, Gans, Tauben, ... Neben dem musealen Charakter hat der Markt aber auch praktischen Wert: Hier essen viele Menschen zu Mittag, es gibt immer frische Speisen, vor den eigenen Augen zubereitet. Und natürlich spottbillig. Zum Abschluss noch ein Eindruck, der zeigt, wie Lima auch sein kann: gefährlich. Die Polizei ist meist in schusssicheren Westen und gepanzerten Autos zu sehen. Kaum vorstellbar, wenn man an den Klippen von Miraflores sitzt und die Sonne in den Pazifik untergehen sieht. Buchanregung: "Einfach eine Weltreise" (Axel N. Halbhuber) Amalthea Verlag, 270 Seiten, rund 170 Abbildungen, 19,95 Euro. Neben bemerkenswerten Ländern und Momenten aus einem Jahr Weltreise geht es darin auch um besondere Städte wie Buenos Aires, Auckland, Sydney, Tokyo, Hongkong, Delhi, Dubai, London,... p.s. in Lima ließ ich mein erstes Paar Schuhe auf der Weltreise zurück. Der Taxifahrer hat das gesehen und schnappte sie sich gleich. Falls Sie also mal in Lima sind und diese Schuhe sehen... lassen Sie sie grüßen.
(KURIER/Lima / Axel N. Halbhuber) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?