Reise
05.12.2011

Keine Lebensgrundlage am Horn von Afrika

Kein Grashalm wächst mehr im Norden Kenias. Das Sterben geht weiter. Auf Hilfe wird gewartet.

Die Berichte, die österreichische Helfer aus der Dürreregion vom Horn von Afrika senden, sind alarmierend. Der 46-jährige studierte Raumplaner Andreas Zinggl von der Caritas fasst die Lage im Telefon-Interview mit dem KURIER so zusammen: "Man findet nicht einmal mehr vertrocknete Grashalme. Die Lebensgrundlage der Menschen ist weg." Kamele drohen zu verenden. Ein bis zwei von ihnen können mit ihrer Milch eine sechs- bis achtköpfige Familie fast drei Wochen auch ohne Wasser ernähren. "Das wäre so, als nähme man uns im November das Dach über dem Kopf weg," sucht Zinggl nach einem Vergleich.

Vieh verendet

Der Viehbestand kann sich nicht mehr erholen, denn der nächste Regen wird frühestens im Oktober erwartet, wenn er denn kommen sollte. Zinggl hält sich in den Krisenregionen an der Grenze zu Somalia auf. Er sieht Frauen und Kinder mit vom Fieber glasigen Augen und angeschwollenen Beinen. Nicht alle schaffen es bis in die Flüchtlingslager.

Somalia ist für die Hilfsorganisationen kaum erreichbar. Eine irische Caritas-Gruppe, die seit 20 Jahren in Somalia ist, hätte derzeit größte Schwierigkeiten in dem Land zu arbeiten. Die Menschen dort müssen sich also über die Grenze nach Äthiopien und Kenia retten. Die lokalen Hilfsorganisationen mit denen die Caritas zusammenarbeitet, hätten genug Leute und ausreichend logistische Möglichkeiten, um die Nahrung zu verteilen, doch sie haben zu wenig Geld. Die Getreidepreise haben sich in Kenia inzwischen verdreifacht.

Zinggl befand sich am Dienstag in Marsabit, einer 50.000 Einwohner-Stadt ohne einer einzigen asphaltierten Straße: "Ich habe gerade mit einem Gesundheitsexperten gesprochen, der mir bestätigt hat, dass bereits ein Viertel der Bevölkerung stark unterernährt ist," sagt er. Das entspricht auch den Berichten, die die CARE-Österreich-Chefin Andrea Wagner-Hager aus dem Flüchtlingslager Dadaab durchgibt, wo sich bereits 384.000 Menschen aufhalte: "Ich habe eine 40-jährige Frau getroffen, die alle ihre sieben Kinder durch die Hungerkatastrophe verloren hat."

Schulen sperren zu

Andreas Zinggl war in Schulen, in denen die Kinder von der Caritas Spezialnahrung erhalten mit allen wichtigen Nährstoffen wie Vitaminen und Proteinen. Diese Nahrung sei zwar teurer, aber auch leichter zu transportieren. Doch diese Verteilungsmöglichkeit, mit der man die Menschen, die irgendwo weit verstreut leben, auch erreichen kann, gibt es bald nicht mehr. Nächste Woche beginnen die vorgezogenen Ferien, da sich viele Eltern das geringe Schulgeld nicht mehr leisten können. Die Regierung in Nairobi sei überfordert, wie es allerdings jede Regierung in so einer Notlage wäre. Dennoch ist er optimistisch. "Ich habe das Gefühl, etwas tun zu können."

Spenden erbeten

Caritas: PSK 7,700.004, BLZ 60.000 Kennwort "Hungerhilfe"
UNICEF: PSK 15 16 500, BLZ 60.000, Kennwort "Kinder Horn von Afrika"; www.UNICEF.at/spenden
Hilfswerk Austria: PSK 90.001.002, BLZ 60.000 Kennwort "Dürre in Afrika"
World Vision Österreich: PSK 90.890.000, BLZ 60.000 "Hunger Afrika"
AMREF Austria: Hypo Salzburg 211018700, BLZ 55000
CARE PSK 1.236 000 BLZ 60.000 "Hungerhilfe" www.care.at/spenden