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Tschechien
01/24/2016

Nostalgie im böhmischen Bäderdreieck

Karlsbad, Marienbad und Franzensbad verströmen viel k. u. k. Flair.

von Ingrid Bahrer-Fellner

Ein Minibus voll mit Damen, Abfahrt in Wien. Vorbei an Prag rollen wir in freudiger Erwartung ins westböhmische Karlsbad. Schon oft haben wir von den Trinkkuren, den historischen Kolonnaden, vom Flanieren, vom Sehen und Gesehenwerden, von der prachtvollen Architektur des weltberühmten Kurortes nahe der Grenze zu Deutschland gehört. Heiße Thermalmineralquellen, die mit einer Temperatur von 30 bis 73 C ans Tageslicht sprudeln, haben das 50.000 Einwohner zählende Karlovy Vary weltberühmt gemacht. Eine Legende besagt, dass die Heilquellen im 14. Jh. zufällig vom Jagdgefolge des Kaisers und Königs Karl IV. entdeckt wurden.

Karlsbad erstreckt sich in einem Flusstal, dem wir uns von oben, wo kilometerlange Waldwanderwege locken, nähern. Das touristische Zentrum mit Kuranlagen und Heilquellen liegt unten, an der Teplá. An den Uferseiten reihen sich feine Shops, Hotels und das neobarocke Stadttheater aneinander. Es wurde 1884–1886 nach den Plänen der Wiener Architekten Fellner und Helmer erbaut, wie auch weitere Karlsbader Bauten, etwa die Schnitzereien-verzierte Marktkolonnade, in der sich die 64°C heiße Quelle Karl IV. befindet.

Schnabelbecher

Guide Bruno Fischer führt uns zu Häusern, an denen mitunter Gedenktafeln an berühmte Kurgäste erinnern: Peter der Große, Maria Theresia, Bach, Beethoven, Casanova. Sie alle tranken das heiße heilende Wasser. Unzählige Schnabelbecher aus Porzellan werden an Ständen zum Kauf angeboten. Spazierend und am schüttsicheren Schnabel saugend flanieren Kurgäste zwischen prächtigen Jugendstilhäusern und Shops. Pelze, Schmuck, alles da. Für die russische und ukrainische Klientel. Karlsbad ist fest in ihrer Hand. Sie haben gekauft und renoviert. Dennoch bleiben ihre Landsleute jetzt aus, man spricht von 30 Prozent Rückgang.

Während asiatische Gäste in Pferdekutschen das Karlsbader Flair auskosten, marschiere ich ins legendäre Grandhotel Pupp. Grand ist diesem Fall wirklich groß, man kann sich im altehrwürdigen Haus mit ultramodernem Wellnessbereich leicht verlaufen. Ich gönne mir eine "Dort Pupp" – benannt nach dem Hotelgründer, der auch Konditor war. Das Rezept der Pupp-Torte ist geheim, meine Zunge erkennt jedoch Kokosnuss und Becherovka-Kräuterlikör. Mit diesem hochprozentigen Karlsbader Lebenselixier sündigt bei der Trinkkur fast jeder Gast. Becherovka gilt als 13. Karlsbader Quelle, wird sogar an der Kurpromenade an einem überdimensional großen Flaschen-Stand verkauft. Zum Wohl, na zdraví!

Adelige und Filmstars

Das traditionsreiche Architekturjuwel an der Teplá steht aber nicht nur für Kururlaub. Beim "Karlsbader Wochenende", alljährlich Ende April, trifft einander die Aristokratie bei Kostümball, Konzerten und Pferderennen. Beim Karlsbader Filmfestival im Juli schreiten Leinwand-Stars aus aller Welt über den roten Teppich.
Von "James Bond" Daniel Craig, der für "Casino Royal" im Grandhotel Pupp vor der Kamera stand, über Morgan Freeman, Gérard Depardieu und Scarlett Johansson. Der in Prag lebende Fotograf Tono Stano hatte sie alle vor der Linse. Das Ergebnis: wunderbar-kreativ-plakative Schwarz-Weiß-Fotos der Stars im "Pupp", die ebendort aufgenommen wurden. Der Crystal-Globe-Award der Karlsbader Filmfestspiele wird übrigens in der örtlichen Glashütte Moser hergestellt, die einen Rundgang wert ist.
Im gemütlichen 4*-Superior Hotel Dvořák in Karlsbad schwingt Dr. Věra Chlupová das Zepter in der Kurabteilung. Sie weist dem Gast, je nach gesundheitlicher Anforderung, die passende Trinkquelle zu. Zwölf stehen zur Wahl, jede hat eine andere Wirkung – u. a. bei Erkrankungen des Verdauungssystems, des Stütz- und Bewegungsapparates, bei Stoffwechselstörungen, Diabetes, Gicht.
Auch das eine Autostunde entfernte Marienbad hat seinen großen Reiz. Gesunde Luft, 40 Mineralbrunnen, schöner Park zum Spazieren und die sehr professionell geführten Kur- & Spa Hotels der Danubius Hotelgruppe (http://marienbad.danubiushotels.de/), die super Küche, top Anwendungen in modernem Ambiente (z. B. Gasbäder und -injektionen) mit klassischen und jazzigen Konzerten kombinieren, machen Karlsbad mit vielen deutschen Gästen Konkurrenz.
Übrigens: Die Marienbader Oblaten von Opavia gelten als die besten in Tschechien – zwei hauchdünne Waffeln mit Schokolade- oder Haselnussfüllung, ein Traum!
Beschaulich und mit viel Schönbrunner Gelb präsentiert sich Franzensbad. 20 Heilwasserquellen mit kühlen 9 bis 11 °C helfen Leiden lindern. Glauber III und IV entspringen in der Glauberhalle, Hauptattraktionen des Kurzentrums.
Glauber IV hat den weltweit höchsten Gehalt an Glaubersalz. Natürliches Heilwasser, -moor und -gas zählen zu den Spezialitäten, die Frauen bei gynäkologischen Problem zu schätzen wissen. Bei Kinderwunsch besuchen sie die kleine, nackte František-Statuette, berühren das "beste Stück" – und hoffen innerhalb eines Jahres schwanger zu werden.

Info

Anreise Pkw: WienKarlsbad 462 km, 5,5 Std.
– Bus: Flixbus fährt neu 2 x tgl. nach Karlsbad ab 21 €, 6 Zustiegsstellen in Wien; Dauer ca. 6,5 Stunden, mit Umstiegwww.flixbus.at; Student Agency, https://fahrkarten.studentagency.eu/, fährt bis 7 x tgl. nach Karlsbad, ab Busterminal Stadioncenter, 1020 Wien, Dauer ca. 7 Stunden, meist mit Umstieg in Prag
–Bahn: Ab Wien mit Umstieg in Prag, Dauer ca. 7,5 Stunden, 5 Fahrten täglich.www.oebb.at

Karlsbad liegt in einem Flusstal, wunderbar zum Kuren, Spazieren, Shoppen. www.karlovyvary.cz, www.livingland.eu

Marienbad liegt auf ca. 600 m Seehöhe, gute Luft, schöne Parks. www.marianskelazne.cz

Franzensbad ist der Kleinste der drei Kurorte, überschaubar und nett. www.franzensbad.cz

Hotel-Tipps4*-Superior Dvořák Spa Hotel, Karlsbad: Wird seit 25 Jahren von der Hotelmanagement AG Vienna International (VI-Hotels) gemanagt. War das erste Kurhotel in Karlsbad mit eigener Kurabteilung (24 Behandlungskabinen), Kurbetrieb täglich, Bewegung wichtig, man soll zu den Quellen gehen. Gute Küche, gemütliche Bar, Hallenbad mit Saunen, diverse Massagen. Wichtigste Kur ist die F. X. Mayr-Trinkkur: 6 Nächte / 7 Tage, 17 Behandlungen pro Woche inkl. Vollpension ab 146 €/Nacht.
Adresse: Nova Louka 11, 36021 Karlovy Vary, Tel. +420/ 353 102 111,info@hotel-dvorak.cz,www.vi-hotels.com/dvorak
– Grandhotel Pupp, Karlsbad: Bekanntestes Hotel Tschechiens, historischer Charme pur. Pauschale: 2 Ü/HP, viele Zusatzleistungen p. P. je nach Zimmer 325 bis 410 €.www.pupp.cz/de

Einen Besuch wert Jan Becher Museum in Karlsbad, www.becherovka.com
Glashütte Moser, www.moser-glass.com
Cheb/Eger, http://tic.cheb.cz/de
– Burg Loket, www.hradloket.cz/de
– Schloss Hluboka, www.zamek-hluboka.eu/de

Angebote Z. B. Columbus, Gegg Reisen, Ruefa
– FTI bietet z. B. 3 Ü/F im 4*-Hotel in Franzensbad ab 108 € p./P./DZ. Details: GN Touristik, Tel. 0664 / 220 09 22, täglich 9 –18 Uhr

Auskünfte Tschech. Zentrale für Tourismus, wien@czechtourism.com, czechtourism.com

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