Mindelo ist die Hauptstadt der kapverdischen Musik. Auch die Grammy-Gewinnerin Cesaria Evora ist hier geboren.

© Dominik Schreiber

Mondlandschaft bis Musik
05/02/2014

Kap Verde: Insel des Feuers

Fogo: Ein Geheimtipp für jene, die spektakuläre Ziele abseits des Massentourismus suchen.

von Dominik Schreiber

Nur ein einziges Wort beschreibt die spektakulärste Insel von Kap Verde perfekt: Fogo! (Auf Deutsch: Feuer!) Denn ab dem Jahre 1680 war der dort gelegene Vulkan mehr als 120 Jahre lang ununterbrochen aktiv. Die Schifffahrt richtete sich in dieser Zeit nach dem gigantischen brennenden Leuchtturm, der im halben Atlantik zu sehen war. Aus dem ursprünglichen São Filipe wurde deshalb das nunmehrige Fogo – ein zunächst von allen guten Geistern verlassener Ort der Asche. Erst 1995 (nach dem bislang letzten Ausbruch) wurde der fünf Quadratkilometer große Krater, der einer schwarzen Mondlandschaft ähnelt, zu einem Anziehungspunkt.

Kap Verde…

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Kap Verde, Sao Felipe…

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Santiao

Kap Verde, Sao Antao…

Kap Verde, Sal (Hauptstadt)…

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Angst vor einem abrupten Ausbruch muss man nicht haben, denn der Vulkan ist für seine träge Aktivität bekannt. Beim letzten Ausbruch musste es erst drei Wochen nach der ersten Eruption überhaupt Evakuierungen geben.

Am Rande der Lava ist die Insel ein äußerst fruchtbarer Ort, wo trotz seltenen Regens Wein, Kaffee und Pfeffer wachsen. Den Krater – Chã das Caldeiras genannt – kann man praktisch im Alleingang besuchen. Nur durchschnittlich 27 Touristen sind pro Tag an diesem mystischen Ort als Nächtigungsgäste gebucht. Durch die hohen, bis zu einen Kilometer hohen Kraterwände ist außerdem ein Sternenhimmel ohne Störlichter zu beobachten, wie sonst nur an wenigen Plätzen auf der Erde.

Erst seit 2008 wird dieser Geheimtipp ganz langsam für den Tourismus erschlossen. Der Grund dafür hat einen Namen: Mustafa Eren. Zunächst war er als Bergsteiger engagiert worden, um Kletterseile zu verlegen. "Ich war in 80 Ländern auf dieser Welt und als ich hier ankam, wusste ich sehr rasch: Da bleibe ich", erzählt Eren. Mittlerweile gibt es vier (einfache) Quartiere in der Chã, der in Deutschland aufgewachsene Türke will mit Privatkrediten für Einheimische demnächst weitere finanzieren. Den Massentourismus möchte er aber nicht haben: "Eine Finanzgruppe aus Italien wollte ein großes Hotel und eine Seilbahn auf den Vulkan bauen, das wäre Irrsinn, das machen wir sicher nicht", sagt Eren. "Wir haben hier den Traumtourismus, den sich jeder wünscht. Eine kleine Gruppe gebildeter Leute, die sogar den eigenen Müll vom Berg mitnimmt."

Schwarzer Vulkansand

Der Pico do Fogo, wie der zentrale Kegel heißt, bleibt einer kleinen handverlesenen Schar vorenthalten. Vier Stunden und wenig Bergerfahrung sind notwendig für den Aufstieg. Der Lohn ist, neben der Aussicht, ein anschließendes Herunterrutschen durch den feinen schwarzen Vulkansand. Doch es sind hier noch viele andere spektakuläre Naturphänomene zu erleben, etwa der Nebelwald an der Nordostküste. Am Kraterrand sehen Wanderer auf ein Meer von Wolken herab, die sich unterhalb des Waldes auftürmen.

Anschließende Erholung bietet der einzige Dorfwirt. Dieser liegt exakt zwischen den beiden Dörfern Patela und Bangaeira – täglich musizieren hier Ramirez und seine Kinder mit den für diese Region typischen Instrumenten. Dazu genießen müde Wanderer und Einheimische den (Retsina-ähnlichen) Weißwein und den etwas herberen Rotwein der Region, deren Reben aus Italien stammen. Der ursprüngliche Fogowein wird Manecón genannt. Das bedeutet "Trottel". Böse Zungen (und der Autor dieser Zeilen) behaupten, dass er nur solchen schmeckt.

Lebhafter als in der Chã geht es in São Filipe, der farbenfrohen Hauptstadt von Fogo, zu. Von der ganzen Insel strömen am Vormittag die Bewohner, die trotz ihrer Armut immer Freundlichkeit ausstrahlen, mit Sammeltaxis oder Eseln herbei, um auf dem Markt ihre Einkäufe zu erledigen.

Neben Fogo ist Santo Antão einen intensiveren Besuch wert. Auf der nördlichsten der neun bewohnten Inseln gibt es atemberaubende Straßen, die teilweise links und rechts bis zu einen Kilometer Abgrund aufweisen. Für Nicht-Schwindelfreie ein echter Nervenkitzel. Gesäumt werden die Kopfsteinpflaster-Straßen von Bergen mit Feld-Terrassen, die wie Reisfelder ausschauen. Die touristischen Pfade sind schon etwas besser ausgebaut. Die Insel bietet sich für ausgiebiges Trecking an, die Küsten haben schon erste Sandstrände. Es ist auch der einzige Ort, der dem Landesnamen "verde" (grün) tatsächlich gerecht wird.

Für einen ausgiebigeren Badeurlaub ist aber ohnehin Boa Vista oder, noch besser, die belebtere Insel Sal die richtige Adresse. Auf beiden kann man Wale (von April bis Juni) und Schildkröten (von Juli bis September) beobachten, teilweise von der Hotelterrasse aus. Auf Sal ist der lokale Fischmarkt ein Höhepunkt, wenn am Vormittag die Fischer ihren Fang an Land bringen und gleich verarbeiten. Wer Boa Vista ansteuert, sollte mit dem Quad die kilometerlangen Dünen durchfahren. Auf diesen beiden Inseln wird auch europäische Küche angeboten. Wer lieber die großartigen einheimischen Gerichte probieren will, dem sind Cachupa (ein Eintopf mit Bohnen und Mais), die mit Fisch gefüllten Teigtaschen (Gufong) und sowieso allerlei Meerestiere angeraten. Spezielles Highlight ist Thunfisch, der ganz anders schmeckt als in Europa. Auch Sägefisch (Serra grelhado) – teilweise mit Früchten – ist ein beliebtes Gericht. Frische Papayas, Mangos und Bananen sind ohnehin ständiger Begleiter.
Herausragend sind auch die Musiker der Insel, besonders São Vicente ist das Zentrum. Die vor zwei Jahren verstorbene Grammy-Gewinnerin Cesária Évora ist die bekannteste Sängerin, ihr Lied "Sodade" (Heimweh) die inoffizielle Landeshymne. Aktuell ist der Gitarren-Virtuose Bau die Nummer eins. Auch einige Instrumente wie die Gaita wurden auf Kap Verde erfunden. Höhepunkt ist die Morna, ein melancholischer Musikstil mit Gitarren und Geigen.

Flug Die portugiesische TAP fliegt via Lissabon auf vier kapverdische Inseln direkt, darunter Sal, Boa Vista und Santiago. Die anderen sind mit Partnerlinien erreichbar. Tagesaktuelle Preise: www.flytap.com

Währung 111 Escudo entsprechen einem Euro. Auf Sal und Boavista kann man mit Euro zahlen, es wird aber oft 1:100 umgerechnet. Deshalb ist es ratsam, sich am Bankomaten mit Geld einzudecken. Kreditkarten werden nur in den Touristengebieten akzeptiert.

Beste Reisezeit Kap Verde ist eine Ganzjahres-Destination, da es kaum regnet. Die Hauptsaison dauert von November bis März bei Temperaturen um 21 bis 28 Grad. Die Wale (April bis Juni) und die Schildkröten (Juli bis September) sind in der Nebensaison zu Gast, in der es wärmer ist als in der Haupt- saison. Schwül-heiß sind Juli/August.

Unterwegs Visum ist notwendig (25 bis 40 €, bei der Einreise erhältlich). Die Kriminalitätsrate ist gering. Auf allen Inseln gibt es gute Spitäler. W-LAN n vielen Hotels vorhanden, funktioniert aber nur sporadisch. Amtssprache: portugiesisch, gesprochen wird kreolisch.

Hoteltipps Das Morabeza war das erste Hotel auf der Insel Sal, es wurde eigentlich nur für Crews von Fluglinien gebaut. Bis heute ist es die beste Adresse geblieben. www.hotelmorabeza.com
– In Fogo ist die Casa Marisa der ideale Ort. Die Unterkunft ist einfach (wie alles in der Chã das Caldeiras), aber Mustafa Eren und seine Frau Marisa sind großartige Gastgeber. Das Essen ist ein Gedicht, die Kulisse (Blick auf den Vulkan) ein Traum.
www.fogo-marisa.com

Pauschal Raiffeisen-Reisen bietet von September 2014 bis April 2015 zwölftägige Pauschalreisen nach Kap Verde. Preis : 2599 € p. P. im DZ. Inkludiert: Flüge ab/bis Wien, Inselhopping nach Santiago, Fogo, Santo Antao, Sao Vicente und Sal mit Frühstück und teilweise HP. 01/ 313 75 82, eMail: buze@raiffeisen-reisen.at

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