Kambodscha: Paläste der Könige

Die Tempel von Angkor sind die steinernen Zeugen des einst blühenden Khmer-Reiches. Der Urwald versucht die Bauten zurückzuerobern. Doch die Menschen stemmen sich dagegen.

"Es war wie ein dreidimensionales Puzzle aus 300.000 Steinblöcken, zu dem wir das Bild verloren hatten." Der Architekt Pascal Royère leitete die Rekonstruktion des Baphuon-Tempels in Angkor. 300.000 Sandsteinblöcke, von denen keiner einem anderen glich, wurden nummeriert und sortiert. Ein halbes Jahrhundert dauerte die Sisyphos-Arbeit. Seit ein paar Wochen ist das riesige Bauwerk, 35 Meter hoch, 130 Meter lang und 104 Meter breit, das vor rund 1.000 Jahren zu Ehren der Gottheit Shiva errichtet wurde, fertig. Der Baphuon-Tempel ist nur einer von mehr als 1.000 Tempeln und Heiligtümern in Angkor, dem untergegangenen Reich der Khmer. Eine Million Menschen hatten hier einst auf einer Fläche von 1.000 Quadratkilometern gelebt. Heute sind es vor allem die Touristen, die Angkor bevölkern. Ein faszinierendes Gesamtkunstwerk, geschaffen von Menschenhand zwischen dem 9. und 15. Jahrhundert. Das Zusammenspiel von Kambodschas Landschaft, der Natur und von Menschenwerk macht den Reiz aus. Auf der Ebene von Angkor entstand ein riesiges Netz von Becken, Kanälen und Reisfeldern. Der Ertrag war so üppig, dass den Menschen genügend Geld blieb, die Tempelanlagen zu finanzieren. Jedes Gebäude spiegelt sich in einem Wasserbecken, das ganz prosaisch als Wasserreservoir diente, aber auch ein Abbild des Ur-Ozeans darstellen sollte. Monumente herrschaftlicher Macht, wie Angkor Wat, die größte Tempelanlage der Welt. Die Monumentalbauten sollten die Könige der Khmer, die auf klingende Namen wie Jayavarman, Suryavarman oder Prithivindravarman hörten, unsterblich machen. Ein Schachbrettmuster aus Tempeln, Holzhäusern, Bambushütten: Der chinesische Gesandte weilte Ende des 13. Jahrhunderts in Angkor. Mit Hilfe seiner Berichte lässt sich das geschäftige Leben der Menschen rekonstruieren. Die Männer hatten das Sagen, die Frauen trieben Handel auf den Märkten. Wie es damals zuging, lässt sich von den detailreichen, in den Sandstein gehauenen Reliefs ablesen, auf denen sich Menschen und Tiere tummeln, ... ... ebenso wie Apsaras, die himmlischen Tänzerinnen, aus dem Milchmeer geboren und auf Lotosblüten balancierend. Im Bild: Ganze Gänge voller Reliefs - stundenlanges Schauen garantiert. Im Bild: Kriegsszenen und Alltagsleben - in Stein festgehalten. Im Bild: Besonders beachtlich die Details - siehe Hund hinter Wagenrad. Im Bild: Manche der Reliefs sind erstaunlich gut erhalten. Im Bild: Züge der Khmer sind eines der beliebtesten Motive der Reliefs. Im Bild: Aber eben auch gottgleiche Figuren. Im Bild: Manche Figuren sind abgegriffen von den vielen Berührungen, vor anderen haben die Besucher viel Respekt, diese werden nie berührt. Das tropische Klima, das den Khmer Reichtum und Wachstum im Überfluss brachte, beschleunigte auch ihren Untergang. Die heftigen Regengüsse des Sommermonsuns von April bis September überfluten große Teile des Landes. Auch viele der Wassergräben Angkors werden überflutet, die Tempel unzugänglich. Die tropische Luft ist heiß und feucht. Nur aus Stein errichtete Gebäude können dem Verfall widerstehen. Viele Heiligtümer, wegen Geldmangels nur aus Holz gebaut und nur als Provisorien gedacht, wurden nie durch Steinbauten ersetzt. Der Urwald hat sie zurückerobert. Im Bild: Der Ta Prohm Tempel: Aus den Tempelruinen wachsen die Baumriesen des Dschungels. Berühmt wurde dieser Tempel als Kulisse für den Hollywood-Film "Lara Croft". Unterdessen stemmen die Menschen sich mit immer neuen Methoden gegen den Verfall. Deutsche Wissenschaftler rekonstruieren einen Tempel virtuell. Ehe sie die vielen Tausend Steinbrocken neu zusammenfügen tun sie es am Computer. Sie scannen die Steine ein, die Software sucht die zueinander passenden heraus. Ein Projekt für die Ewigkeit. Trip-Tipps: Die beste Reisezeit ist rund um Weihnachten 

Die beste Reisezeit für Kambodscha ist von November bis Jänner. Der April ist der heißeste Monat. In der Regenzeit ist der Andrang weniger groß, die Hotels sind günstiger, alles ist üppig grün. Einfache Straßen können allerdings schlecht passierbar sein. Ausgangspunkt für den Besuch der Tempelanlagen von Angkor – dafür sollte man mehrere Tage einplanen – ist die Stadt Siem Reap. Sie ist beispielsweise via Bangkok oder Phnom Penh per Flugzeug erreichbar. Von dort führen auch mehrmals täglich Busse nach Siem Reap (sechs Stunden Fahrt). Im Bild: Impressionen aus Angkor - Eine Gruppe Musiker spielt für Spenden. Alle Mitgleider sind beinamputiert, Kambodscha leidet noch immer unter Verstümmelungen durch Landminen. Im Bild: Auf den Dächern der Tempel tummeln sich Horden von Affen. Im Bild: In einigen Nischen finden sich aber immer noch Tempel und heilige Stätten. Im Bild: In anderen Inschriften in Khmer - einer Schrift abgeleitet vom Indischen. Im Bild: Für Touristen werfen sich Tempeltänzerinnen und -tänzer in Pose. Im Bild: Für die Kinder der Umgebung sind die Ruinen ein toller Spielplatz. Im Bild: Um die gesamte Anlage zu besuchen, braucht man rund eine Woche. Die wichtigsten Tempel und Eindrücke hat man aber schon in ein bis zwei Tagen gesehen. Im Bild: Um das mystische Ambiente aber wirklich wahrzunehmen, muss man von den touristischen Hauptrouten weg zu entlegeneren Tempeln. Dafür wird man mindestens drei Tage brauchen.
(KURIER, KURIER.at/halbhuber) Erstellt am
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