Sanftes Dahingleiten mit der Magnifique: Durch malerische Flusslandschaften schippern wir in malerische Lagunen.

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Italien: Als Kapitän an der Adria
05/11/2012

Italien: Als Kapitän an der Adria

An Bord der komfortablen „Magnifique“ lernt man die Lagunen von Lignano, Marano und Grado an der Oberen Adria auf besonders charmante Art und Weise kennen. Weder Eis essen noch Klamotten kaufen ist angesagt. Beschaulichkeit dominiert.

von Ulrike Jantschner

Lignano wird links liegen gelassen. Mit dem Hausboot "Magnifique" tuckern wir beschaulich durch die Lagunen der Oberen Adria, befahren Kanäle und Flüsse. Mehr als 15 km/h sind nicht erlaubt. Schon bald erfassen uns Ruhe und Entspannung.

Während die venezianische Küste und der Fluss Brenta schon recht überlaufen sind und es an manchen Stellen für Bootsbegegnungen eng wird, sind Kapitäns- und Passagierträume von Freiheit und Selbstbestimmtheit auf den Wasserstraßen durch die Lagunen von Lignano, Marano und Grado hervorragend auszuleben – und jedenfalls ein neues, entspannendes Urlaubserlebnis.

Der zur TUI-Gruppe gehörende Spezialist Le Boat und Hausboot Böckl haben diese noch schwach frequentierten Strecken neu in ihre Programme aufgenommen. Eine der Basen von Le Boat befindet sich in Precenicco in der Provinz von Udine.

Die "Magnifique" ist sehr komfortabel eingerichtet. Das überdachte Sonnendeck dient als Aussichtsplattform und bis spät nachts als kommunikatives Eck. Die Einschulung für die Steuerung des Bootes kommt Anfängern easy vor. Doch die "Magnifique" ist 14,5 Meter lang. Das Umdrehen auf dem schmalen grünen Flüsschen Stella ist fürs Erste schweißtreibend: Vor, zurück, beisteuern ...

Arme-Fischer-Essen

Los geht’s, vorbei an den schmucken Häusern Einheimischer. Ihnen schauen wir in die Gärten und in ihr Alltagsleben. Schon 20 Minuten flussabwärts legen wir den ersten Stopp ein. Das Ristorante "Al Fiume Stella" ist wie der Garten künstlerisch modern adaptiert und für seine Fischspezialitäten berühmt. "Sarde in Saor" ist eine Spezialität der Oberen Adria: Sardinen mit viel Zwiebel, Pinienkernen, Rosinen, Rotweinessig, schwarzem Pfeffer. "Früher war das ein Essen für arme Fischer", klärt die Triestiner Tourismuslady Linda Marcuzzi auf.

Mit vollem Bauch und bei Froschgequake geht’s irgendwann ab in die Kajüte. Morgens wachen wir bei Vogelgezwitscher und Taubengurren auf. Nichts sonst ist zu hören. Herrlich.

An der Flussmündung tun sich die Naturreservate "Foci dei Fiume Stella" und "Valle Canal Novo" auf. "150 Vogelarten leben hier", berichtet Parkwächter Glauco mit Stolz. Eine besondere Augenweide sind all die strohgedeckten Fischerhütten, Casoni genannt, auf winzig kleinen Inseln. Früher lebten und arbeiteten Fischer während der Saison dort in einfachsten Verhältnissen bei offenen Feuerstellen, heute feiern Familien am gemauerten Kamin ihre Feste. "Man kann einen Ausflug und den Besuch in einer Casone in Marano Lagunare buchen", empfiehlt Glauco.

Schlemmen am Hafen

Marano, ein weitgehend unbekanntes bezauberndes Fischerstädtchen tut sich auf, mit perfekter Hafenstruktur für Bootsfahrer und einem Schlemmerlokal. Die "Trattoria alla Laguna" steht seit drei Generationen in Familienbesitz, ist Fixpunkt im Michelin-Guide. "Lignano hatte immer eine sandige Küste, Marano nur Schlamm im Wasser. Deshalb ist das kein touristischer Badeort", beschreibt Linda.

Der Tagliamento ist einen Abstecher wert. Der Fluss teilt die Regionen Veneto und Friaul-Julisch-Venetien. Nur eine Brückenschleuse gilt es zu durchfahren, sonst ist alles frei – für Ungeübte nicht unwichtig. Am Ufer, im Garten des Ristorante "Da Willy" bei Lignano-Riviera sitzen wir schön im Schatten und bekommen typisch adriatisch-friulanische Gerichte sowie hervorragende Desserts serviert. Das Tiramisu mit Amarettibröseln etwa schmeckt köstlich.

Ein Muss ist das Anlegen auf der idyllischen Mini-Insel Anfora zwischen Marano und Grado mit Blick auf die Karnischen Alpen im Norden, die zum Greifen nah scheinen. Die Trattoria "Ai Ciodi" mit urigen Holztischen unter Pinien- und Kieferbäumen füllt die Insel aus. Auch ein Badestrand wurde errichtet. Seit Ende April gibt’s hier ein "Mini-Hotel" mit vorerst sechs Betten.

Aquileia lohnt sich immer für einen kulturellen Abstecher, wenngleich die Hafeneinfahrt verdammt eng ist. Auch die Lagunen haben ihre Tücken: Unvermutete Untiefen. Taucht eine rote Boje im Wasser auf, kann es bereits zu spät sein. Steckt das Hausboot im Schlamm und bekommt man es nicht mehr flott, ist die Basis zu informieren und ein Motorboot mit Hilfe abzuwarten.

Untiefen

Danach die malerische Hafeneinfahrt von Grado zu nehmen, vermittelt ein erhebendes Gefühl. Dort sollte man schon Profi sein, zwischen all den Yachten ein Parkplatzerl zu finden. Sich mit dem Trubel rund um das Hafenbecken und in der übervölkerten Altstadt zurechtzufinden, fällt uns nach Tagen des sanften Dahingleitens ein bisschen schwer.

Tipp: Für die Bootstour sollte man Nachschlagwerke im Gepäck haben: etwa die Fibel "Hausbootfahren leicht gemacht" (gibt’s bei der Buchung beim Wiener Spezialisten Harald Böckl gratis). Wer Orientierungsprobleme hat, kann Reiseführer über Bootsurlaube an der Oberen Adria des Wiener Journalisten Oskar Schmid über Böckls Büro beziehen.

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