Inselhüpfen auf den Seychellen

Mahé, Praslin, La Digue. Einzigartige Flora und Fauna, super Strände und viel Granit: Wer den Archipel in Indischen Ozean bereist, sollte mehrere Inseln erkunden.

Einzigartig – diese Bezeichnung trifft auf die Seychellen wohl am besten zu. Der abgeschiedene Archipel im Indischen Ozean, auf dem Tiere und Pflanzen endemisch überlebt haben, besteht aus 115 Inseln. Jede hat ihren besonderen Reiz, aber nur wenige sind bewohnt. Nach der Geologie werden sie in 42 Granitinseln und 73 Koralleninseln unterteilt, nach der Lage in die zwei Hauptgruppen Inner Islands und Outer Islands. Ankommen und loslassen – dafür sind die Seychellen prädestiniert. Die rund 90.000 Einheimischen, die Seychellois, sind zum Großteil Nachfahren der aus französischen und britischen Kolonialgebieten eingewanderten Siedler und afrikanischen Arbeitssklaven. Sie versprühen Lebensfreude, kennen keinen Stress, haben unterschiedliche Hauttönungen und nennen das liebenswert "Cocktail of Skin". Urlauber fühlen sich hier auf Anhieb wohl – nicht zuletzt wegen der schmackhaften kreolischen Küche mit viel Fisch, Currygerichten und Reis. Weiße, von dunkelgrauen Granitfelsen, Palmen und schattenspendenden Takamakabäumen gesäumte Bilderbuch-Sandstrände, Tauchreviere, Riesenschildkröten, Coco de Mer – das Traumziel vieler Naturliebhaber, Badefans und Honeymooner ist reichlich mit Flora und Fauna gesegnet. Wer Kultur, Nachtleben und Shoppingzonen sucht, ist hier fehl am Platz. Selbst in der 23.000 Einwohner zählenden Hauptstadt der Insel-Republik, Victoria auf Mahé, gibt’s das nicht. Die Seychellen sind weitläufig als sündteuer verschrien und das schreckt so manchen vor einer Reise ab. Innerhalb der vergangenen 15 Jahre haben Luxusherbergen an Top-Stränden ihre Tore geöffnet, Preise von 1000 Euro und viel mehr pro Nacht sind keine Seltenheit. Es geht aber auch anders. Mittlerweile gibt es auch günstigere Quartiere. Der Gästehaustourismus boomt auf den größeren Inseln Mahé, Praslin und La Digue. Viele Einheimische vermieten Zimmer mit Familienanschluss in ihren neu erbauten schmucken Häusern, in denen man pro Nacht rund 70 Euro zahlt. Auch Selbstverpflegungsunterkünfte sind im Vormarsch, vor allem auf La Digue. Stark aufgeholt hat die Mittelklassehotellerie, kleine Hotels haben oft nur 20 Zimmer. Wer die Vielfalt der Seychellen auskosten will, muss von Insel zu Insel hüpfen. Wir haben uns für die klassische Variante entschieden, besuchen die drei Hauptinseln, Mahé, Praslin und La Digue. Nach der Landung am internationalen Airport auf Mahé besteigen wir eine 20-sitzige Twin Otter und fliegen 15 Minuten weiter auf die 38 km² große Insel Praslin. Man könnte auch eine Fähre nehmen, aber der Flug ist angesichts der hohen Wellen im Juli bekömmlicher. Wir logieren im familienfreundlichen Hotel Castello Beach an der Anse Kerlan im Nordwesten, das mit super netten Zimmern, Pool, Kinderclub, freundlichem Personal und sehr guter Küche punktet. Wer feudalen Luxus bei einem Cocktail an der Bar schnuppern will – das Hotel Lemuria ist nur einen Katzensprung entfernt. Dort urlauben Armani & Co., sie genießen Butlerservice und auch den einzigen 18-Loch-Meisterschaftsgolfplatz auf den Seychellen. Hauptattraktion auf Praslin ist das Weltnaturerbe Vallée de Mai, das Maital im Inselinneren. In diesem schwülen, üppig wuchernden Wald wachsen auch Tausende Seychellennusspalmen, deren Früchte markant feminine Kurven prägen. Der Rundgang ist für Naturliebhaber ein Hochgenuss. Über Wege mit riesigen Steinen wandern wir unter meterhohen Palmwedeln, rasten auf Bänken, hören das Knacken der Äste – und erspähen sogar einen Black Parrot, einen graubraunen Papagei, der weltweit nur im Maital zu finden ist. Überall liegen riesige, abgebrochene, braune Palmwedel herum, die nicht entsorgt werden. "Der Maiwald ist autark, der biologische Kreislauf darf nicht gestört werden", sagt der Guide. Zu den Traumstränden Anse Lazio im Norden (große Bucht mit weißem Sand, super zum Schwimmen, zwei Restaurants) sowie zum weitläufigen Strand der ineinander übergehenden Côte d’Or und Anse Volbert im Osten geht’s per Bus oder Mietauto. Da auf den Seychellen Linksverkehr herrscht, ist das Lenken gar nicht so einfach. Die Straßen sind schmal und unbefestigt, Beifahrer haben immer das Gefühl, bei Ausweichmanövern in die seitlichen, tiefen Regenwasserrinnen abzugleiten. Die Überfahrt mit dem Katamaran Cat Rose’s nach La Digue dauert nur zehn bewegte Minuten. Hier erleben wir ein ganz anderes Insel-Feeling. Auf der 10 großen Insel sind alle mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs. Die Mieträder haben kein Licht, ab 18.30 Uhr sollte man unbedingt eine Stirnlampe dabeihaben. Auf dem Eiland sind nur 47 Autos – meist Pick-ups für Lastentransport, aber auch fünf Taxis – zugelassen, typische Ochsenkarren sieht man nur noch selten. Bei Hochzeitern steht dieses Transportmittel allerdings hoch im Kurs. Ein Paar aus Rom etwa lässt sich damit zum Trauungsakt an die weltberühmte Anse Source d’Argent karren. Der von mächtigen dunkelgrauen Granitfelsen gesäumte Strand bietet unzählige Fotomotive und schöne Buchten. Von Wind und Wellen flach geschliffene Granitblöcke dienen als "Liegestuhl". Wermutstropfen: Die Besucher des meistfotografierten Strandes der Welt müssen mittlerweile pro Tag 6 Euro Eintritt zahlen. Wer zwei Mal gezahlt hat darf am dritten Tag gratis rein. Auf La Digue wohnen wir im kleinen, von Kolonialstil geprägten Hotel Château St-Cloud. Die Anlage ist besonders fein herausgeputzt und bietet auch einen kleinen Pool, die Auswahl beim Frühstück und Abendessen ist aber leider dürftig. Morgens um fünf Uhr werden wir von krähenden Hähnen geweckt – das Hotel liegt im idyllischen Inselinneren und da bekommt man einiges vom Alltag der Einheimischen mit. Mit dem Rad sind es zum Anse Source d’Argent rund zehn Minuten. Lohnenswert sind auch Radtouren zur Anse Sérvère (viele Muscheln, Badeschuhe mitnehmen!) und in den nahezu unberührten Osten der Insel. Die Strände sind dort aber wegen hoher Wellen und Strömungen zum Baden nicht geeignet. Die Hauptinsel Mahé ist Schlusslicht unserer Hüpftour. Auf der fruchtbaren, 154- -Granitinsel mit üppigen Wäldern, aufragenden Gipfeln und mehr als 65 Stränden gibt’s viel zu entdecken – bei Mietwagentouren, organisierten Ausflügen (eine ganztägige Inselrundfahrt inklusive Mittagessen kostet 60 Euro), und Wanderungen mit Guide. Sehr idyllisch präsentiert sich die wenig erschlossene Westküste von Mahé. Je weiter man an ihr gen Süden fährt, desto einladender werden die Buchten, an denen sich Luxushotels wie Maia (Anse Louis), Four Seasons (Petit Anse), Kempinski (Baie Lazare) oder das Banyon Tree Resort (Anse Intendance ) befinden. Individualisten finden hier viele stille Strände zum Baden. Einplanen sollte man auch einen Rundgang im Jardin du Roi an der südlichen Ostküste. In der liebevoll angelegten kleinen Gewürzplantage wachsen u. a. Kakaobohnen und Pfeffersträuche, Vanille und Muskat. Einst waren Gewürze eine Haupteinnahmequelle der Seychellen. Im quirligen Norden von Mahé ein Muss: ein Tag am feinsandigen, kilometerlangen Sandstrand von Beau Vallon. Hier baden und picknicken auch Einheimische, jeden Mittwochabend lockt ein Markt zum Souvenir-Shoppen. Von unserer Logis, dem Hotel Sunset Beach (super Zimmer, ausgezeichnete Küche, kleine Badebucht, top für Schnorchler) ist man mit dem Auto in ein paar Minuten dort. Einkehr-Tipp beim Beau Vallon: Das Restaurant Boat House kredenzt Lunch mit gegrilltem Fisch, Huhn- und Fischcurry mit reichlich Reis um 10 Euro und zu bestimmten Terminen auch eine Seychellen-Spezialität: Flughund-Curry. "Wir haben sehr viele Flughunde, sie fressen unser Obst, wir dürfen sie fangen und verkochen", sagt Chef Richard. Einplanen sollte man auch einen Rundgang im Jardin du Roi an der südlichen Ostküste. In der liebevoll angelegten kleinen Gewürzplantage wachsen u. a. Kakaobohnen und Pfeffersträuche, Vanille und Muskat. Einst waren Gewürze eine Haupteinnahmequelle der Seychellen. Tipps für die Reiseplanung
Günther Gruber, Seychellen-Spezialist bei Kuoni Graz, gibt Tipps für die perfekte Reise-Planung.

KURIER: Was soll man bezüglich der Reisezeit beachten?

Günther Gruber: Unbedingt die Monsunzeiten, da diese starken Einfluss auf die Benützbarkeit der Strände haben. Teilweise wegen der Belastung mit Seegras, teilweise wegen extrem hoher Wellen bzw. starker Gezeitenunterschiede. Der trockene Südostmonsun (Mai bis Oktober) führt zu durchschnittlich geringen Niederschlägen, aber z. B. zu starker Seegrasbelastung etwa an der Grand Anse auf Praslin und zu extremem Wellengang an der Anse Cocos, Petit Anse und Grand Anse auf La Digue oder der Anse Intendance auf Mahe. Der Nordwestmonsun führt zu weniger starkem Wellengang, ist aber wesentlich feuchter. Deshalb liegt statistisch gesehen die Zeit der Hauptniederschläge zwischen November und April. Die Lufttemperaturen liegen durchschnittlich bei 32 Grad während des Nordwestmonsuns und 26 bis 28 Grad während des Südostmonsuns. Das Meer hat das ganze Jahr über stabil zwischen 26 und 29 Grad. Was unterscheidet die Seychellen von Mauritius und den Malediven?

Die Seychellen punkten mit einer einzigartigen, vielfältigen Landschaft. Die herausragende Besonderheit dieses Tropenparadieses lernt der Gast nur kennen, wenn er durch Inselhüpfen oder mit dem Mietwagen auf Entdeckungsreise geht und nicht nur im Hotel sitzen bleibt. An den herrlichsten Stränden der Inselwelt – Anse Lazio und Anse Georgette auf Praslin, Anse Source d’Argent, Anse Cocos, Grand und Petit Anse auf La Digue – gibt es gar keine Hotels. Sind die Seychellen auch eine Familiendestination?

Ja, natürlich. Einerseits werden Kinder nicht durch große Zeitunterschiede verwirrt, da die Zeitdifferenz je nach Jahreszeit nur zwei bis drei Stunden beträgt. Andererseits bieten die meisten Hotels und Pensionen äußerst großzügige Kinderermäßigungen. Außerdem offerieren sie auch Long Stay Benefits, also nur sechs Nächte zahlen und sieben bleiben. Die Seychellen sind aber auch eine Traumdestination für Hochzeitsreisende, für die es ebenfalls eine Reihe von Ermäßigungen und Zusatzleistungen gibt. Die Organisation von Hochzeiten ist sehr unkompliziert. Info

Anreise
Flüge nach Mahé: Emirates fliegt täglich ab Wien oder München via Dubai, www.emirates.at; 
Condor fliegt 1 x wöchentlich via Frankfurt, www.condor.com; 
Air Seychelles fliegt mehrmals wöchentlich ab Frankfurt, Rom, Paris, London, www.airseychelles.com; Etihad fliegt ab November 4 x pro Woche ab Frankfurt via Abu Dhabi, www.etihadairways.com Einreise 
Visum bzw. spezielle Impfungen
nicht erforderlich, Aufenthaltserlaubnis für Touristen höchstens einen Monat.

Sicherheit 
Wertsachen nicht an den Strand mitnehmen. Diebstähle sind keine Seltenheit.

Reisezeit 
Am meisten Regen fällt im Dezember/Jänner, am wenigsten von März–Juni.

Info & Buchung 
In allen Kuoni Reisebüros, auf die Seychellen spezialisiert hat sich Kuoni Graz, 
Tel.: 0316/ 82 45 71
eMail: guenther.gruber@kuoni.at

Auskünfte 
Seychelles Tourist Office in Frankfurt am Main
Tel.: 0049/69/ 297 207 89
info@seychelles-service-center.de
www.seychelles.travel

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