Strand beim Naturschutzgebiet Doñana (Pressereise mit dem panischen Fremdenverkehrsamt und AirBerlin/Niki)

© Hubert Huber

Anmutiges Andalusien
06/16/2013

Spanische Traumstrände, Schinken und eine Jungfrau

Huelva, die Provinz zwischen Sevilla und Portugal, ist ein Kleinod für Reisende, die das Ursprüngliche und Naturbelassene suchen.

von Hubert Huber

Warum essen die Spanier zum Frühstück meistens Toast? Haben sie das von den Engländern übernommen? Nein, eher umgekehrt. Ich war ja schon oft in Spanien, aber ich musste erst nach Huelva kommen, um Antwort auf diese so wichtige Frage zu erhalten.

Und so ist sie, die Provinz Huelva an der Atlantik-Küste: Sie bietet neue Einsichten, reizvolle Landschaften und lässt die Reisenden Spanien auf eine sehr unverdorbene und ursprüngliche Art erleben. Auch wenn sie etwas versteckt im Westen Andalusiens liegt und nicht so berühmt ist wie andere Provinzen, etwa Malaga oder Granada.

Huelva ist vorwiegend ein Urlaubsziel für Spanier und gar nicht überlaufen, touristisch nur bedingt erschlossen. Ein beachtlicher Teil der Sierra (Berge) im Norden und mehr als die Hälfte der Küste sind Nationalparks. Abgesehen von der unberührten Natur fasziniert das Licht. Nicht umsonst heißt dieser Teil Spaniens Costa de la Luz, Küste des Lichts.

Naturpark Doñana

Der Nationalpark an der Küste, Doñana, wurde 1994 zum Weltkulturerbe erklärt. Er erstreckt sich von der Mündung des Flusses Guadalquivir bis nach Mazagón. Der 45 Kilometer lange Sandstrand ist abseits der Saison bis auf ein paar einsame Fischer, einige naturverbundene Radfahrer oder Muschelsucher fast menschenleer und auch im Sommer nicht überlaufen. Der Park ist ein Paradies für Vogelbeobachter; auch der iberische Luchs kommt dort noch in freier Wildbahn vor. Der Wind lässt die Dünen landeinwärts wandern, über die Pinienwälder hinweg, ein bis drei Meter pro Jahr.

Sand vom Atlantik und das Schwemmland des Guadalquivir bilden eine einzigartige Landschaft mit Lagunen, Sümpfen und Marschland, Marismas genannt. Durch diesen unwirtlichen Landstrich ziehen jährlich zum Pfingstfest rund eine Millionen Pilger – in traditionellen andalusischen Gewändern, mit Pferd und Wagen wandern sie den Camino zur „María de los Remedios“ (Madonna der Immerwährenden Hilfe) in El Rocío, einem kleinen Ort inmitten der Marismas.

Die Sage erzählt, dass ein Fischer im 15. Jahrhundert die Statue der Muttergottes in einem hohlen Baum gefunden haben soll. Die Bürger des nächsten größeren Ortes, Almonte, wollten die Statue gleich für sich beanspruchen, was wiederum die umliegenden Orte nicht duldeten. Also wurde entschieden, dass die Marienfigur an ihrem Fundort ihre Bleibe finden soll, So entstand der Wallfahrtsort El Rocío. Und alle sieben Jahre bleibt die Heilige Jungfrau von El Rocío, auch „La Blanca Paloma“ genannt, neun Monate in Almonte, um in der Woche vor Pfingsten, gekleidet als Reisende, wieder zurück in ihre Kapelle gebracht zu werden. Für Außenstehende ist die Inbrunst, mit der diese Tradition lebendig gehalten wird, unverständlich, doch die Stimmung bei der Wallfahrt ist auch für Nichtgläubige faszinierend.

Hilfe für Kolumbus

Tiefer Glaube spielte auch im nahen La Rábida eine große Rolle. Die Mönche im dortigen Kloster glaubten der Vision des Seefahrers Christoph Kolumbus und halfen ihm, die Expedition nach Indien auszurüsten. Ohne sie wäre vermutlich Amerika von Kolumbus gar nicht entdeckt worden. Unterhalb des Kloster liegen originalgetreue Nachbauten der drei Schiffe vor Anker. Die Santa Maria, Niña und Pinta wirken ausgesprochen klein und lassen das Abenteuer, auf das sich die Männer mit Kolumbus eingelassen haben, noch waghalsiger erscheinen.

Schweine im Eichenwald

Von La Rábida nordwärts fährt man durch die bizarre Landschaft der aufgelassenen Bergwerke von Riotinto. Sie waren im 19. Jahrhundert ein Motor für den wirtschaftlichen Aufschwung von Huelva und auch die Wiege des spanischen Fußballs, wegen der Briten, die die Minen leiteten und das Spiel den Bergleuten beibrachten.

Der Norden von Huelva ist bekannt für seinen Schinken, Jamón Ibérico (siehe unten). Deshalb sind entlang der gewundenen Straße durch den Nationalpark „Sierra de Aracena und Pico de Aroche“ immer wieder schwarze Schweine zu sehen, die sich in der „dehesa“, den für die Gegend typischen Wäldern, hauptsächlich an Eicheln und Kastanien gütlich tun.

Auch als Reisender kann man sich überall gütlich tun: an den Schweine in Form von Schinken, der besten Gazpacho (kalte Gemüsesuppe) Spaniens in Aracena, Fischen und Muscheln an der Küste, oder frischen Beeren. Die gebotenen Speisen sind meist einfach aber von ausgesuchter Qualität. „Spanier sind jederzeit bereit, für ein gutes Essen auch einen Umweg in Kauf zu nehmen“, sagt Javier Rodriguez Mañas, Direktor des Fremdenverkehrsamtes.

Apropos Essen: Wir wollen ja nicht die Antwort auf die anfangs gestellte Frage vergessen. Javier zeigte es anschaulich: Das Weißbrot muss getoastet sein, damit man darauf eine Knoblauchzehe verreiben kann. Darüber werden fein gehackte Paradeiser verstrichen, das Ganze mit Olivenöl beträufelt – und fertig ist das Frühstücksbrötchen.

Faszination Schinken

Schinken ist nicht gleich Schinken. Um die Unterschiede auch Laien klar zu machen, wurde in Aracena ein Museum eingerichtet. Die Flagge, die den Eingang ziert – ein Stück Schinken auf einem typischen Messer – sieht aus wie Österreichs Fahne.

Im Museum lernen wir, dass der Jamón Ibérico, der in Huelva erzeugt wird, sich vom bekannteren Serranoschinken deutlich unterscheidet. Er darf nur von den schwarzen iberischen Schweinen stammen. Kennzeichen sind die länglicher Form und die schwarzen Hufe, die Pata negra. Schultern und Keulen werden in Salz eingelegt (ein Tag pro Kilo) und danach zwei bis drei Jahre an der Luft getrocknet.

Je besser die Qualität, desto dunkler die Farbe und desto mehr helle, kristallartige Einsprenkelungen hat das Fleisch. Diese Kristalle sind ein Zeichen dafür, dass die Tiere vorwiegend mit Eicheln und Kastanien gemästet wurden.

Das Aufschneiden des Schinkens ist eine eigene Wissenschaft. Dazu werden landesweit Wettbewerbe veranstaltet.

Der Jamón Ibérico ist angeblich so gesund, dass er, obwohl Schweinefleisch, den Cholesterinspiegel senken kann.

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