Reise 05.12.2011

Hidden Peak: Österreicher plant Wintererstbesteigung

2011 möchte der Extrembergsteiger den 8068 Meter hohen Berg in Pakistan während den schwierigsten Bedingungen bezwingen: Gerfried Göschl im KURIER.at-Interview.

Nach Gerlinde Kaltenbrunner gilt er als der erfolgreichste österreichische Bergsteiger: Gerfried Göschl. 2009 war er als Expeditionsleiter auf den 8000er-Bergen Nanga Parbat und anschließend auf dem K2 unterwegs - ein tragischer Todesfall überschattete die Extremtour. Jetzt, Monate nach diesen Erlebnissen, hat Göschl neue alpine Vorhaben, wie er im KURIER.at-Gespräch erzählt.

KURIER.at: Mehr als ein Jahr ist seit Ihrer letzten Expedition auf den Nanga Parbat und den K2 vergangen - wie haben Sie diese Zeit verbracht?

Gerfried Göschl: Nur einige Wochen nach unserer Rückkehr Mitte August 2009 haben ich und meine Frau geheiratet. Die Familie ist für mich ein ganz wichtiger und zentraler Punkt, nur wenn da alles passt kann man sich auf große alpinistische Aufgaben konzentrieren. Wir wünschten uns ein zweites Kind, da sind natürlich alle egoistischen Bergträume hinfällig. Heuer haben wir Mitte August eine gesunde Helena bekommen, unsere zweite Tochter!
Ich war aber auch sehr mit meinen Vorbereitungen für die nächsten Projekte beschäftigt. 2011 soll eines meiner größten Himalaya-Jahre werden, daher hab ich mich entschlossen als Profibergsteiger zu leben. Die gewonnene Zeit möchte ich der Familie, der perfekten Organisation meiner Projekte, dem Training und dem Schreiben eines Buches widmen.

Extrembergsteiger Gerfried Göschl
© Bild: Göschl

Tragischerweise ist auf dem Nanga Parbat Ihr Freund und Bergsteigerkollege Wolfgang Kölblinger tödlich verunglückt, hat dieses Ereignis Sie verändert?

Es hat mich nicht verändert, aber tief betroffen. Es gibt jedoch keinen Tag an dem ich nicht mit Wehmut an die schwierigen, schmerzvollen Stunden zurückdenke. Ich bin Loisi, Wolfgangs Frau, sehr dankbar für ihr tiefes Vertrauen. Die Sehnsucht nach den Bergen, nach Abenteuern und "großen Tagen" ist geblieben.

Welchen neuen alpinen Herausforderungen stellen Sie sich 2011?

2011 stelle ich mich den schwierigsten alpinen Aufgaben die es gibt. Das Jahr ist in zwei sehr unterschiedliche spektakuläre Projekte unterteilt. Bei beiden Zielen bin ich Initiator, Organisator und Leiter in Personalunion.

Extrembergsteiger Gerfried Göschl
© Bild: Göschl

Zuerst möchte ich mit einem kleinen Team die Wintererstbesteigung des Hidden Peak (8068 Meter) in Angriff nehmen. Neben der extremen Höhe und dem zusätzlich niedrigeren Sauerstoffgehalt zeichnen sich die Berge im Himalaya zu dieser Jahreszeit mit arktischer Kälte, starken Stürmen, kurzen Tagen - einfach gesagt den schwierigsten Bedingungen aus. Einen derartig hohen Berg bei diesen Verhältnissen zu besteigen ist eine der größten Herausforderungen für die führenden Extremsportler der Erde. Aus reinem Kalkühl, um möglichst in der Sonne und windgeschützt zu klettern, habe ich eine neue, logische Route ausgekundschaftet. Für uns ergibt das einen zusätzlichen Ansporn.

Extrembergsteiger Gerfried Göschl
© Bild: Göschl

Im Sommer werde ich mit meinem bewährten Partner, dem Kanadier Louis Rousseau, der auch bei der Winterexpedition dabei ist, zum K2 (8611 Meter) zurückkehren. Der K2, der zweithöchste Berg der Erde, gilt als der am schwierigsten zu bezwingendste Berg der Welt. Wir wollen ihn aber nicht nur besteigen sondern eine neue Route im sportlichsten Stil, dem Alpinstil, klettern und damit neue bergsteigerische Maßstäbe setzen. Um uns an die extreme Höhe und die klettertechnischen Schwierigkeiten zu gewöhnen, werden wir auch am nahegelegenen Gasherbrum 2 (8.035 Meter), dessen Gipfel ich schon 2003 erreicht habe, eine neue Linie legen.

Ich habe unzählige und feinste Details berücksichtigt und kalkuliert, ich glaube wir haben gute Chancen unsere Projekte umzusetzen.

Extrembergsteiger Gerfried Göschl
© Bild: Göschl

Stellen Sie sich beim Bergsteigen der Stil-Frage?

Leider zählt beim Großteil der Expeditionsbergsteiger nur der bedingungslose Erfolg, der Stil, das Abenteuer, das Erforschen unserer Bergwelt ist zweitrangig. Mir geht es bei meinen Zielen nicht darum, möglichst viele Achttausender-Gipfel abzuhaken, sondern darum mit möglichst viel Innovation aber auch Demut an die Berge und meine Projekte heranzugehen. Die Welt der hohen Berge birgt noch so viele Möglichkeiten und Abenteuer, die von den meisten leider übersehen werden.
Hinsichtlich der Umweltrentabilität ist es mir auch wichtig in einem möglichst sauberen, leichten Stil umweltfreundlich zu agieren und die Natur in allen ihren einzigartigen Facetten zu erfahren.

Extrembergsteiger Gerfried Göschl
© Bild: Göschl

Mit welchen Gefühlen brechen Sie diesmal auf?

Beseelt, gespannt, geläutert, motiviert - und vor allem dankbar gegenüber meiner Familie, Freunden und Unterstützern. Ich habe irrsinnig viel an geistiger Arbeit und Herzblut in diese Ideen gesteckt und stehe nun vor einer spannenden, ungewissen und entbehrungsreichen Zeit.

Wann wird es losgehen?

Die Winterexpedition startet im Jänner, zum K2 geht es ab Mitte Juni.

Der K2 wird für viele zum Schicksalsberg: Gerlinde Kaltenbrunner scheitert hier immer wieder, Christian Stangl sorgte mit seinem nicht vorhandenen K2-Gipfelsieg für einen Skandal. Was macht die Faszination dieses Bergs aus?

Vielleicht ist der K2 so etwas wie der Gral, das goldene Vlies der Extrembergsteiger. Er wird unter Insidern auch als "Traumfabrik" bezeichnet. Ich glaube wir sind überwältigt von seiner Formschönheit, von seiner technischen Schwierigkeit, aber auch von seiner Unerreichbarkeit. 2009 sind wir trotz körperlicher Top-Fitness und wunderschönem Wetter gescheitert, weil die Lawinengefahr nur wenige Meter unter dem Gipfel zu groß war, eben unerreichbar. Wir hoffen auf gute Gesundheit und sichere Verhältnisse im Jahr 2011, dann ist alles möglich!

( KURIER.at ) Erstellt am 05.12.2011