Reise
09.10.2017

Fuerteventura: Für Sportler und Sonnenanbeter

Im Norden der Kanarischen Insel kommen Wind- & Wellenreiter auf Touren. An der Südspitze lockt ein 25 km langer Sandstrand.

Vergessen Sie die Transferfahrt auf der Schnellstraße vom Flughafen bei Puerto del Rosario nach Morro Jable im Süden. Sie gibt landschaftlich nichts her. Wer Außergewöhnliches entdecken will, muss ins Landesinnere, an Nord- und Westküste. Denn Fuerteventura, nach Teneriffa die zweitgrößte Kanareninsel, ist nicht nur ein Strandparadies erster Güte. Die Vulkaninsel punktet auch mit ihren, sich im Laufe des Tages ständig ändernden, Landschaftsbildern.

Schauspiel der Natur

Wechselnde Lichtverhältnisse modellieren aus den Hügel- und Bergketten vulkanischen Ursprungs eine Panoramalandschaft in hellen und dunklen Schattierungen. "An diesem Schauspiel der Natur kann ich mich nicht satt sehen", sagt Guide Andreas Caliman glückselig. Seit 22 Jahren lebt er auf Fuerteventura und kurvt mit Gästen herum. Er holt mich von meiner Logis, dem wunderbaren, aber in einigen Bereichen in die Jahre gekommenen Robinson Club Jandia Playa (mehr dazu siehe Artikel unten), ab.

Andreas kennt die knapp einhundert Kilometer lange und bis 31 Kilometer breite Insel wie seine Westentasche, jede Menge Infos sprudeln aus ihm heraus: 100.000 Ziegen leben hier und in etwa auch so viele Menschen, sagt er, zuletzt seien viele Italiener zugewandert, vor allem im Raum Corralejo. Er selbst sei aus dem Schwarzwald ins bunte Multikultidorf Lajares im Norden gezogen, mehr als 40 Nationalitäten leben hier. Das Markttreiben in den Touristenorten an der Sandkiste Costa Calma werde von Westafrikanern bestimmt. Der Tourismus sei an der Ost- und Nordwestküste konzentriert, mittelschwierig wandern über Hirtensteige ist für Aktivurlauber auf dem Cardon-Berg eine Option. Uralte Königspfade bilden ein Wandernetz auf der Insel. Der höchste Punkt ist der Pico de la Zarza (807 m) auf der Halbinsel im Süden, auch Pico de Jandía genannt. Magnet ist das dreitägige Drachenfestival Anfang November, bei dem riesige Flugobjekte am Strandabschnitt "Playa del Burro" in den Dünen von Corralejo in den Himmel steigen.

Dann gerät Andreas Caliman auf unserer Überlandtour wieder mal ins Schwärmen: "Von überhaupt nix gibt’s unendlich viel hier, bis zum Horizont kein Anzeichen von Zivilisation." Er verrät den Titel seines geplanten Buches: "Wo nichts ganz viel sein kann." Mitnichten.

Bei Las Casitas treffen wir auf fröhliche Ziegenherden, "der beste spanische Ziegenkäse kommt aus Fuerteventura", weiß Andreas. Ein paar Kilometer weiter stoppen wir bei der Finca de Aloe Vera. Hier werden Aloe-Vera-Pflanzen biologisch kontrolliert angebaut und Produkte ohne Farbstoffe oder künstliche Aromen ab Hof verkauft. Billig ist das nicht.

Betancuria, von 1404 bis 1834 Hauptstadt und Regierungszentrum, gilt als historisch bedeutsamster und auch schönster Ort Fuerteventuras. In der wohlhabenden Stadt Pájara (übersetzt Rebhuhn) wiederum ist die 1733 fertiggestellte Kirche Nuestra Señora de Regla ein sehenswertes Kleinod.

Wanderdünen

Im Nordosten der Insel findet man große Sanddünenbereiche (Wanderdünen) nahe der 17.000-Einwohner-Stadt Corralejo. In dieser Tourismus-Hochburg für Surfer, dem " Hawaii Europas", gibt’s mehr als 100 Surfschulen, die besten Wellenreitplätze sowie gute Tauch- und Schnorchelreviere. Über die rund 11,5 km breite Meerenge La Bocayna erreicht man per Fähre innerhalb von 25 Minuten Playa Blanca im Süden der Nachbarinsel Lanzarote. Auf dem Wasserweg passieren die Ausflügler die autofreie Isla de Lobos, eines der letzten Naturschutzjuwele der Kanaren. Der Sohn des Leuchtturmwärters betreibt eine Kneipe für Fischer.
Während unserer Fuertetour ist hingegen die Einkehr bei der "Blauen Kuh" im schrägen Fischerdorf El Cotillo kein Geheimtipp mehr. Dennoch: Fisch vom Feinsten wird serviert.

Fuerteventura bedeutet "starker Wind". Davon gibt’s genug, aber nicht immer. Wenn die Calima, ein heißer Ostwind aus der Sahara, weht, kann die Temperatur um 10 °C ansteigen. Wieder eine Überraschung, die Fuerteventura speziell macht.

Info

Anreise Direktflüge nach Fuerteventura ab Wien mit Eurowings, Austrian und Niki, ab Salzburg nur mit Niki. Flugzeit rund fünf Stunden.

Beste Reisezeit September bis Dezember. Jänner und Februar sind am kühlsten. Der meiste Wind bläst zwischen Mai und September.

Surfen Starke Winde und Wellen von bis zu zwei Metern Höhe machen Fuerteventura zu einem Wind- und Kitesurf-Paradies. Im November und Dezember gibt’s angeblich die besten Wellen. Eine rasante Sportart ist auch Land Sailing, landsailing.es

Restaurant-Tipp La Vaca Azul (Die blaue Kuh) in El Cotillo, Requena street 9, Old Harbour, www.vacaazul.es/en/
Hervorragende Fischgerichte, z. B. Gegrillter Tintenfisch 12,50 €, Meeresfrüchte-Paella für zwei 28 €.

Empfehlenswerter Guide Fuerte- Scout Andreas Caliman spricht Deutsch, bietet geführte Insel-Rundfahrten sowie ausgewählte Wandertouren. www.fuertescout.com/ger

Preisbeispiele Robinson Club Jandia Playa: Eine Woche kostet p. P. /DZ mit Vollpension und Flug ab Wien z. B. am 5. Dezember ab 1295 €. Achtung: Wegen Renovierung von 8. Jänner bis Nov. 2018 geschlossen.
– Alternative: Robinson Club Esquinzo Playa, liegt nur ein paar Kilometer entfernt, eine All Inclusive-Woche p. P./DZ mit Flug ab Wien z.B. am 9. Jänner 2018 ab 1060 €. www.tui.at/robinson/

Auskünfte viena@tourspain.es, http://visitfuerteventura.es/de/