Reise
22.10.2018

Eine österreichische Spurensuche in Madrid

Die spanische Metropole wurde zum Mittelpunkt eines Weltreichs, den Grundstein dafür legten die Habsburger.

Am besten man startet seinen Bummel, wenn die Stadt gerade erwacht. Madrilenen sind Frühstücksmuffel, aber einer Chocolate con Churros kann kaum jemand widerstehen. Churros sind ein frittiertes längliches Gebäck mit sternförmigem Querschnitt, das in dickflüssige Trinkschokolade getunkt wird.

Die Puerta del Sol – das Tor der Sonne – ist das Zentrum von Madrid und der Mittelpunkt der Iberischen Halbinsel. Hier herrscht Tag und Nacht reges Treiben. Geschäfte säumen den Platz, Straßenkünstler und fliegende Händler buhlen um die Aufmerksamkeit der Passanten. Unweit der Puerta del Sol, abgeschirmt vom Straßenlärm der Großstadt, wartet ein architektonisches Juwel: Die Plaza Mayor, das Herzstück von El Madrid de los Austrias -– das Madrid der Österreicher.

Platz der Stierkämpfe

Der wunderschöne Platz ist von einer geschlossenen mehrstöckigen Häuserfront umgeben. Unter den umlaufenden Arkaden reihen sich Cafés, Restaurants und Läden. In der Mitte des Platzes blickt Habsburgerkönig Philipp III., der den Bau der Plaza Mayor veranlasst hatte, als Reiterstandbild auf das bunte Treiben. Ursprünglich als Marktplatz genutzt, fanden hier auch Stierkämpfe statt. Daran erinnert die Bar La Torre del Oro, die ein ehemaliger Picador betreibt. Während man die alten Bilder und Utensilien an den Wänden bestaunt, kann man zu einem Glas Bier oder Wermut köstlichen Jamón Ibérico genießen, den berühmten luftgetrockneten Schinken.

Wer es den Einheimischen gleichtun möchte, kehrt bei seinem Stadtbummel von Zeit zu Zeit ein, nimmt ein Häppchen und schlendert weiter zur nächsten Tapas-Bar. Auf 200 Einwohner kommt angeblich eine Bar, es gibt keine Gasse ohne ein solches Lokal. Das lässt sich bestens mit der Suche nach österreichischen Spuren verbinden, denn in der Altstadt eröffnet sich immer wieder ein Blick auf einen barocken Torbogen. Wie beim prächtigen Palacio de Santa Cruz, einem Juwel der habsburgischen Architektur, der ursprünglich ein Gefängnis war und jetzt dem spanischen Außenministerium als Sitz dient.

Etwas abseits der Touristenrouten stößt man auf die religiösen Bauten der Habsburger. Das Monasterio de las Descalzas Reales ist einer der bemerkenswertesten Sakralbauten der Stadt, ein Stück weiter liegt an einem ruhigen Platz das Monasterio de la Encarnation mit seinem eindrucksvollen Portal. Das bis heute von Nonnen bewohnte Augustinerkloster wurde 1611 für Margarethe von Österreich, die Frau Felipes III., gegründet und beherbergt eine umfangreiche Kunstsammlung.

Die Dominanz der Habsburger hinterließ auch der Literatur ein bedeutendes Erbe, man denke nur an Cervantes’ Satire auf den spanischen Adelsstolz, verkörpert durch die Romanfigur Don Quijote. Im Dichterviertel Barrio de Las Letras lebten einige der bedeutendsten Schriftsteller des goldenen Jahrhunderts der spanischen Literatur, neben Cervantes auch Calderon oder Lope de Vega. Und natürlich gibt es auch hier eine besonders empfehlenswerte Tapas-Bar: Das Los Gatos – „die Katzen“, ein Spitzname für die Einwohner Madrids – mit seiner Keramikverkleidung an der Außenfront und dem bizarren Mix an Stierkampf-Erinnerungsstücken ist ein sehr traditionelles Lokal, hier isst und trinkt man unter Madrileñios.

Im Garten der Habsburger

Von den Habsburgern angelegt, war die Gartenkunst im Parque del Retiro einst dem Hofe vorbehalten, heute ist es ein öffentlicher Park mit gewaltiger Ausdehnung. Über eine wunderschöne Allee gelangt man zu einem künstlich angelegten See, den man mit dem Ruderboot befahren kann. Beeindruckend sind die Baumriesen, die hoch in den Himmel ragen und jede Menge Schatten spenden. In einem Teich spiegelt sich ein Prunkstück des Parks wider, der Kristallpalast, in dem zeitgenössische Kunst gezeigt wird. Eisenstreben umfassen unzählige Glaselemente und erlauben dem Besucher einen freien Blick auf den Park.

In der Dämmerung ist ganz Madrid auf den Beinen. Als beste Location für den Sonnenuntergang gilt der Templo de Debot. Teile einer ägyptischen Tempelanlage, die beim Bau des Assuan-Staudammes abgetragen wurde, haben inmitten des weiten Parque del Oeste auf einem Hügel einen neuen Platz gefunden. Von hier hat man einen spektakulären Blick zum Schloss und über weite Teile der Stadt.

Zu Abend gegessen wird in Madrid erst ab 22 Uhr. Die ehemalige Markthalle „Mercado de San Miguel“ in der Nähe des Plaza Mayor, ein denkmalgeschützter Genuss-Tempel aus Eisen und Glas, bietet einen idealen Einstieg in die spanische Esskultur.

Man schlendert an den Verkaufsständen und Tapas-Bars vorbei, trifft seine Wahl, genießt das Mahl an einem Tisch in der Mitte und beobachtet das muntere Treiben. Und so gilt: Ob Genuss oder Geschichte, ob Grünanlage oder Prunkbauten, in Madrid kommt man rund um die Uhr auf seine Kosten.

 

Info

Anreise Tägliche Nonstop-Flüge ab Wien mit Eurowings und Iberia. www.eurowings.com, www.iberia.com

Beste Reisezeit Angenehme Temperaturen von Oktober bis Juni. Im Sommer oft 40 Grad  heiß.

In Madrid unterwegs Die meisten Sehenswürdigkeiten kann man zu Fuß erreichen. Die Metro bietet ein dichtes Netz. Madrid City Tour Bus: Ticket für einen oder zwei Tage. www.esmadrid.com/de  madridcitytour.es

Unterkunft Ideal im Zentrum gelegen: 4* Hotel Petit Palace Mayor Plaza, Calle Mayor 46, reichhaltiges Frühstücksbuffet, Schallschutzfenster. Gegenüber die Markthalle „Mercado de San Miguel“ – Hotspot am Abend. petitpalaceplazamayor.com

Essen  Auf Tapas-Bars stößt man in ganz Madrid. Die beste Chocolate con Churros soll es in der Chocolatería San Ginés geben, die sich hinter der Iglesia de San Ginés de Arlés versteckt.

Kunst und Kultur Im sogenannten „Triángelo del Arte“: Prado, mit der größten spanischen Kunstsammlung, Thyssen-Bornemisza und das  Reina-Sofia-Museum. Für die drei Museen gibt es günstige Kombitickets. Täglich geöffnet, museodelprado.es, museothyssen.org, museoreinasofia.es

Info  viena@tourspain.es, www.spain.info/de