Reise 05.12.2011

Ein Schloss für Jedermann

Das Schloss Leopoldskron in Salzburg, in dem Max Reinhardt die Festspiele gründete, beherbergt ein außergewöhnliches Hotel.

In Salzburg gibt es natürlich tausend Möglichkeiten, die Nächte zwischen "Frau ohne Schatten", "Faust" und "Jedermann" zu verbringen. An Unterkünften herrscht in der eben begonnenen Festspielsaison kein Mangel, allerdings kann nur ein Hotel für sich in Anspruch nehmen, der Geburtsort der Festspiele zu sein: Leopoldskron, jenes zauberhafte Schloss am Rande der Stadt, in dem Max Reinhardt die Salzburger Festspiele ins Leben rief. Seit einigen Jahren hat es seine Pforten für Festspiel- und andere Gäste geöffnet. Und die einzigartige Atmosphäre ist in jedem Stein des Hauses spürbar.

Leopoldskron ist kein Hotel wie irgendein anderes. Weder gibt's ein Restaurant noch einen Diener, der die Koffer ins Zimmer trägt, und die Direktion hat sich auch nie darum bemüht drei oder vier "Sterne" zu bekommen. Dafür zahlt man gut 20 Prozent weniger als in einem vergleichbaren Hotel. Aber es gibt ja gar kein vergleichbares Hotel. Wie denn auch? Der Gast betritt die große Halle im Erdgeschoß, gelangt über eine Freitreppe in den gigantischen Marmorsaal, in dem auch gefrühstückt wird, lustwandelt durch Chinesisches und Venezianisches Zimmer in die Max-Reinhardt-Suite, bestaunt die beeindruckende Bibliothek mit vielen tausend Bänden. Der riesige Park, an einem idyllischen See gelegen, lädt zum Flanieren ein, bei Schnürlregen begnügt man sich mit einer Mußestunde unter den Arkaden.

Große Geschichte

13119451814.jpg
© Bild: Schloss Leopoldskron

Salzburgs Fürsterzbischof Firmian ließ dieses Juwel ab 1736 als Privatresidenz errichten, starb aber kurz nach der Fertigstellung. Sein Neffe Graf Laktanz - einer der ersten Förderer Mozarts - erbte das Schloss und veredelte es mit Kunstwerken von Rembrandt bis Rubens (die nicht mehr da sind). Später im Besitz des Bayernkönigs Ludwig I., wurde es 1918 von Max Reinhardt, dem bedeutendsten Theatermann des 20. Jahrhunderts, gekauft. Und nun bekam das Rokokoschloss eine für die Mozartstadt einzigartige Bedeutung: Eines Tages, so erzählt man, spazierte Max Reinhardt mit Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss durch den Schlosspark, und da kam ihnen die Idee, in Salzburg Festspiele ins Leben zu rufen. Und Schloss Leopoldskron und der prächtige Park wurden von Anfang an durch aufwendige Theateraufführungen in dieses Festival mit einbezogen.

Verloren

13119451815.jpg
© Bild: Schloss Leopoldskron

Als das Anwesen 1938 "arisiert" wurde, schrieb Reinhardt in den USA an seine Frau Helene Thimig über die Zeit in Leopoldskron: "Es waren meine schönsten Jahre. Ich habe alles verloren, was ich hineingetragen habe. Es war der Ertrag meiner Lebenszeit." Nach dem Krieg an Max Reinhardts Erben retourniert, wurde das Schloss an das jetzige "Salzburg Global Seminar" verkauft, das vorerst nur Tagungen und Konferenzen veranstaltete, heute aber zu einem wesentlichen Teil individuellen Gästen als Hotel zur Verfügung steht. Die Preise sind relativ moderat, weil durch das Fehlen von Restaurants und anderen Serviceleistungen Personalkosten gespart werden. Aber das Ambiente des Schlosses und die traumhafte Lage sind sowieso unbezahlbar.

Wie man heute in Leopoldskron auf den einen oder anderen prominenten Künstler trifft, der die Ruhe und Abgeschiedenheit dem lauten Festspielbetrieb in der Altstadt vorzieht, so gingen hier auch zu Max Reinhardts Zeiten die Großen der Theaterwelt ein und aus. Bei einem seiner pompösen Feste fragte der Schauspieler Max Pallenberg den Schriftsteller Egon Friedell: "Findest du es notwendig, dass Reinhardt ein Schloss mit Kerzenbeleuchtung, livrierten Dienern, ja sogar einen eigenen Teich mit 20 weißen und schwarzen Schwänen hat?" "Also, ich hab den Reinhardt schon gekannt", erwiderte Friedell, "als er in Wien auf Zimmer, Küche, Kabinett wohnte und nichts anderes hatte als einen alten Tisch, einen wackeligen Sessel - und höchstens zwei bis drei Schwäne!"

Info

13119451813.jpg
© Bild: Schloss Leopoldskron

Das Schloss
Errichtet von Fürsterzbischof Firmian 1736 bis 1740; ab 1918 im Besitz von Max Reinhardt, der hier die Salzburger Festspiele ins Leben rief.

Preise
Das Hotel hat 55 Zimmer (im Meierhof, dem früheren Wirtschaftstrakt) und 12 Suiten im Schloss. Preise während der Festspiele inkl. Frühstück ab 105 Euro, Suiten 195 bis 350 Euro. Einzelne Zimmer und Suiten sind in der Festspielzeit noch verfügbar: 0662/ 839830, reception@schloss-leopoldskron.com, Mitglied der www.schlosshotels.co.at

Theater
Im August wird im Rahmen der Salzburger Festspiele im Schlosspark von Leopoldskron "Der Sommernachtstraum" (Reinhardts Hollywood-Verfilmung) aufgeführt, heuer sind allerdings keine Plätze mehr verfügbar.

Restaurants
Schloss Leopoldskron hat keinen regulären Restaurantbetrieb (Speisen erst ab 15 Personen mit Voranmeldung).

Unsere Top-Empfehlungen:
- Schlosshotel Iglhauser am Mattsee: Kürbisschaumsuppe 4,30 Euro, Reh aus'm
Kobernaußerwald mit Grammelknödeln und Pilzen 18 Euro, Moosbeerpalatschinke 10 Euro.
06217/ 5205
- Schlosswirt zu Anif
Zwiebelsuppe 4,90 Euro, Eierschwammerlgulasch 12,90 Euro,
Kaiserschmarrn 11 Euro.
06246/ 72 175

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011