Die schönsten Autorouten zum Genießen

Mietauto-Reisen - Top of the World. Es gibt viele faszinierende Strecken auf der Welt. Der KURIER präsentiert eine Auswahl der besten zum Nachfahren.

50 Kilometer am Tag, 100 oder 500. Was soll’s. Das Erlebnis liegt im Augenblick. Minute für Minute. Kurve für Kurve. Sanft am Gas bleiben, den Lieblingssong lauter drehen und schauen, schauen, schauen – aufs glitzernde Meer, auf Berge, Wolken, Menschen und Häuser, die unablässig vorbei ziehen. Im Auto durch fremde Landschaften surfen, ist schöner als Kino – so man nicht zu jener Urlauberspezies gehört, deren höchstes Glück darin besteht, Tage lang am Strand in der Sonne zu braten.

Freiheit auf vier Rädern. Der Slogan bringt es auf den Punkt: Keine vorgebuchte Vollpension. Man hält bei einem Restaurant, das einem sympathisch scheint oder picknickt in der Wiese – unter einem Olivenbaum, an einem See, an einem perfekten Schau-ins-Land-Punkt. Der Tag muss nur grob geplant sein, es muss Zeit bleiben für spontane Abzweiger, Umwege ins Unerwartete. Kurz: Der Urlaubstrip im Auto erlaubt die lustvolle Anarchie des Reisens.
Aber wo gibt es in Zeiten immer vollerer Straßen noch schöne Routen, die mehr bieten als Teer und Lärmschutzwände?
Wie wär’s mit Norwegen, den Fjorden entlang zum Nordkap? Auf dem spektakulär kurvenreichen Chapman’s Peak Drive zum Kap der Guten Hoffnung? Oder durchs süditalienische Kalabrien? Sieben der schönsten Routen haben Sie hier zur Wahl. Der Rest liegt bei Ihnen: Flug, Mietauto buchen und den iPod mit den Lieblingssongs nicht vergessen. Südafrika: Zwischen zwei Ozeanen zum Kap

Eine Rundtour zwischen zwei Ozeanen – dem Indischen und dem Atlantischen – zum Kap der Guten Hoffnung, an der Südspitze Afrikas. Ausgangspunkt und Ziel ist Kapstadt.
Zwar besucht man Südafrika nicht vorrangig zum Autofahren. Doch wer sich in Kapstadt aufhält, den zieht es unweigerlich auf jene mystische Felszunge, die Seefahrer ehrfurchtsvoll das Kap der Guten Hoffnung nennen. Dabei wird der Weg sprichwörtlich zum Ziel. Denn die rund 150 km lange Strecke zählt zu den schönsten, die Afrika zu bieten hat. Auch wenn man sie nicht im flotten Roadster, sondern in einem schlichten Mietwagen unter die Räder nimmt. Zügig fahren kann man wegen der gefühlten 1000 Kurven und der faszinierenden Ausblicke sowieso nicht.
Anfangs geht es vorbei am Tafelberg zum Ufer der False Bay, danach über den kurvenreichen Boyes Drive zu den Pinguinen vom Boulders Beach. Begehrte Fotomotive auf den letzten Meilen zum Kap sind auch die Paviane im Naturreservat, die gerne aus offenen Autos klauen. 

Vom Ende der Fahrbahn aus sind es dann lediglich ein kurzer Fußmarsch und 133 Stufen zum freien Blick über das Kap.
Retour wählt man mit dem Chapman’s Peak Drive eine der spektakulärsten Küstenstraßen der Welt. Sie schlängelt sich in 114 Kurven zwischen Meer und steilen Felswänden von Hout Bay nach Noordhoek und führt zudem über den 160 Meter hoch gelegenen Aussichtspunkt Chapman’s Peak.
Die Straße wurde Anfang des 20. Jahrhunderts unter lebensgefährlichen Bedingungen in den Fels gesprengt. 2000 musste sie geschlossen werden, weil ein Drittel der Strecke durch herabfallende Gesteinsbrocken und Erdrutsche unpassierbar geworden war.

(Bild: Blick auf Kapstadt) Nach einer Investition von 150 Millionen Rand (15 Millionen Euro) ist der Chapman’s Peak Drive seit 2003 wieder offen, gesichert mit Fangnetzen und einem Tunnel an der kritischsten Stelle.

Rundtour Kapstadt–Kapstadt 145 Kilometer. Mietauto: eine Woche ab Kapstadt, ab ca. 120 €, siehe www.holidayautos.at Nordkap: Slalom zwischen Bergen und Fjorden

Himmel, Gebirge und Fjorde: Die Route entlang Norwegens zerklüfteter Westküste zum Nordkap ist der perfekte Trip für Pioniergeister. Wo man einsteigt, hängt von Zeitbudget und Ausdauer ab. Ab Narvik sind es 873 Kilometer, ab Oslo 4000. Der landschaftlich spannendste Teil beginnt nördlich des Polarkreises bei Narvik auf der Höhe der Lofoten-Inseln. Ein Abstecher dorthin zahlt sich aus. Das grandiose Zusammenspiel zwischen Hochgebirgs- und Meereskulisse mit eingestreuten rot gefärbelten Häusern macht sie selbst unter den spektakulären norwegischen Landschaften zur Besonderheit.

Erstes Etappenziel ist Tromsø. Das dortige Polarmuseum informiert über berühmte Polar- Expeditionen, auch ein Backenzahn von Roald Amundsen ist zu bewundern. Das Tromsø-Museum zeigt die Kultur der Samen. Die nächsten 300 km bis Alta führen entlang spektakulärer Fjorde und durch karge Tundra. Oft zeigen sich Wale und Seehunde. Auf der letzten Etappe schlängelt sich die E 6 an der Küste des Porsangerfjords zum Nordkap, wo eine Weltkugel den nördlichsten Punkt Europas markiert ( Bild ) und die Sonne zwischen 14. Mai und 30. Juli nicht unter geht. Leider liegt das Kap oft im dichten Nebel.

873 Kilometer ab Narvik. Mietauto: eine Woche ab Narvik, ca. 600 €, siehe www.hilidayautos.at Kanada: Jenseits vom Polarkreis

740 Kilometer auf dem Dempster Highway (Bild) von Dawson City, der 1896 im legendären Klondike-Goldrausch gegründeten Goldgräberstadt, nach Inuvik im Mackenzie-Delta nördlich des Polarkreises.
Der Highway führt nahe der Grenze zu Alaska durch die Provinzen Yukon und Nordwest Territorium. Da auf der Strecke nur drei Tankstellen liegen, sollte man ökonomisch mit seinem Sprit haushalten.

Faszinierend auf dieser Route sind die Weite, das Licht und die Farben. Teils fährt man durch ein Farbenmeer (Wälder, Blumenwiesen, stahlblauer Himmel, bunte Häuser in abgelegenen Siedlungen), dann wieder durch karge Gegenden. Die Natur ändert sich von Meile zu Meile. Je nördlicher man kommt, desto schroffer wird sie. Die Straße ist manchmal eng und vor allem einsam, nur alle paar Stunden ist mit Gegenverkehr zu rechnen.
Obwohl das Ziel Inuvik noch mitten im Landesinneren liegt (100 Kilometer sind es noch bis zum Nordpolarmeer), enden hier die Straßen zur Küste. Das Ende der Welt scheint erreicht.
Bei Inuvik geht die Taiga in die baumlose Tundra mit Permafrostboden über. Von Juni bis August scheint hier 56 Tage lang die Mitternachtssonne, dafür ist es im Winter wochenlang stockdunkel. Vom Ort aus bietet sich ein beeindruckendes Panorama auf die Richardson Range, den 981 Meter hohen Gebirgszug jenseits des Mackenzie an der Grenze zum Yukon-Territorium.

740 Kilometer. Mietauto: eine Woche ab Whitehorse ab ca. 200 €, siehe www.mietwagen.check24.de Mallorca: Steilküste mit Habsburger-Erbe

Von Palma entlang der nördlichen Steilküste zum Cap Formentor am Nordostzipfel der Balearen-Insel. Die schönste Route führt über Valldemossa, Sóller und Pollenca. Zurück via Inca durchs Inselinnere. Ein erster Stopp empfiehlt sich im schön gelegenen Bergdorf Valldemossa ( Bild ), wo der Komponist Frédéric Chopin mit der französischen Schriftstellerin George Sand den Winter 1838/’39 verbrachte. Sand hat die Episode im Buch "Winter auf Mallorca" festgehalten. Vor Sóller ist ein weiterer Halt Pflicht – in Deia, beim Herrenhaus San Marroig, das einst dem österreichischen Erzherzog Ludwig Salvator gehörte. Heute ist es ein Museum mit Erinnerungsstücken seiner Mittelmeer-Reisen. Ab Pollenca führt die Straße 13,5 km übers bizarrste Stück der Steilküste. Spektakuläre Aussichtspunkte sind über gut befestigte Wege und Treppen erreichbar. Oft steht man in schneidendem Wind, 300 Meter tiefer tost das Meer.

212 Kilometer. Mietauto: eine Woche ab ca. 150 €, siehe www.holidayautos.at Italien: Am Stiefelspitz in den Sonnenuntergang

Kristallklares Meer, super Strände, stille Buchten, Städte auf Klippen, feine Küche und fast immer Sonne: Den herben Charme Kalabriens erfährt man am schönsten auf gewundenen Küstenstraßen. Ein Traum ist die Tour von Pizzo am Golf von St.´ Eufemia dem Meer entlang via Tropea ( Bild ) zum Capo Vaticano und weiter bis Villa San Giovanni, wo die Fähren nach Messina auf Sizilien ablegen. Wer Zeit hat, hängt eine Sizilien-Rundfahrt an. Schönster Teil ist die Kap-Region. Die Städte Pizzo, wo das Tartuffo-Eis erfunden wurde, und Tropea liegen auf senkrecht zum Meer abfallenden Klippen. Zum Capo Vaticano biegt man 11 km nach Tropea von der SP22 ab. Auf dem Kap versammeln sich allabendlich Menschentrauben, um den Sonnenuntergang zu erleben. Zudem genießt man einen überwältigenden Blick auf die Straße von Messina und die Äolischen Inseln Stromboli, Vulcano und Lipari.

134 Kilometer von Pizzo nach Messina, Mietauto: eine Woche z. B. ab Neapel ab ca. 220 €, siehe www.holidayautos.at Portugal: Sturm am Ende der Welt

Am äußersten Südwestzipfel Europas hörte vor etwas mehr als 500 Jahren die bekannte Welt auf. Heute bleibt es eine faszinierende Vorstellung, dass 5000 Kilometer Richtung Westen nichts anderes als Wasser kommt, während sich 10.000 Kilometer Richtung Osten der eurasische Kontinent erstreckt.
Eine lohnenswerte Route ist die Fahrt von Lagos an der Algarve-Küste über Sagres zum Cabo de São Vicente (Bild) an der Atlantikküste.

Von dort Richtung Norden durch den Nationalpark Alentejano e Costa Vicentinantinantina nach Alfambras und Aljezur und über die Nationalstraße 120 zurück nach Lagos.
Das sind zwar nicht mehr als 110 Kilometer, aber unterwegs gibt es vor allem für Naturliebhaber viel zu sehen. Wohl am beeindruckendsten ist der tosende Atlantik am Kap. Riesige Wellen donnern an die Steilklippen, die Gischt schießt meterhoch die Wände empor. Klippen und die wilde Küstenlandschaft des 75.000 Hektar großen Nationalparks mit Dünen, Mooren und Salzwiesen sind ein Vogelparadies. Fischadler, Weißstörche, Lachmöwen, Turmfalken und Kormorane sieht man so gut wie immer.
Ansonsten ist dieser Abschnitt der portugiesischen Küstenlandschaft gespickt mit schroffen Felsen, Badebuchten sind selten. Sehr windig ist es zudem. Doch an vielen Stellen zahlt es sich aus, anzuhalten und den Ausblick zu genießen.

Rundfahrt Lagos–Lagos 110 Kilometer. Mietauto: eine Woche ab ca. 200 €, siehe www.hilidayautos.at Bretagne: Austern schlürfen bei der Klosterburg

Mittelalterliche Städte mit pittoresken Fachwerkhäusern, Schlösser, Klöster, mächtige Kathedralen und die besten Austern der Welt sind die Highlights auf der Fahrt entlang der rauen Atlantikküste in der Bretagne. Austern zum Spottpreis gibt’s gleich auf den ersten Kilometern nach Avranches in der Bucht von Cancale. Bei den Standln am Meer kostet das Dutzend 3 €. Auf einem Fels im Meer thront in der Bucht auch die berühmte Klosterburg Mont San Michel ( Bild ), Frankreichs meistbesuchte Attraktion. Wenige Kilometer weiter beeindruckt die Altstadt der Piratenstadt St. Malo, eine graue Festung aus wuchtigen Steinhäusern und Mauern. Vorbei an idyllische Dörfern, Seebädern und sturmumtosten Klippen geht’s weiter nach Prospoder an die zerklüftete Westküste. Selbst bei ruhiger See tost dort das Meer durch Felsen und Riffe – ein gewaltiges Naturschauspiel. Wer Zeit hat, fährt noch in den Süden der Bretagne, etwa nach Carnac nahe der Stadt Vannes, wo mysteriöse, 4000 Jahre alte Hinkelsteine herumstehen. Obelix lässt grüßen.

345 Kilometer ab Avranches, Mietauto: eine Woche zum Beispiel ab Paris ab ca. 270 €, siehe www.sixt.at
(kurier) Erstellt am
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