Cork: Stadt der Rebellen

KURIER.at-Serie Städtereisen. Es muss nicht immer Dublin sein: Weniger bekannt, ruhiger und wunderschön ist Irlands zweitgrößte Stadt Cork. Ein Bummel, der bezaubert.

Es muss nicht immer Dublin sein. Weniger bekannt, ruhiger und dennoch wunderschön ist Irlands zweitgrößte Stadt Cork. 2005 erkannte dies auch die Europäische Union und machte die 119.000 Einwohner starke Stadt zur kleinsten je ernannten Kulturhauptstadt. Die Auszeichnung verschaffte Cork quasi einen neuen Anstrich und kurbelte das kulturelle Leben der Wirtschaftsmetropole an.

Im Bild: St. Fin Barre's Cathedrale. Auf den ersten Blick erscheint Cork düster, doch der Schein trügt. Klart das Wetter auf, und die ersten Sonnenstrahlen brechen durch die Regenwolken, ... ... entwickelt sich die irische Stadt zu einem wunderschönen Ausflugsziel. Über Cork thront das Wahrzeichen, die St. Anne's Shandon Kirche. An der Ahnenkirche können einige Besonderheiten entdeckt werden. Im Inneren erklingt ein Glockenspiel, ihm ist sogar ein Volkslied gewidmet "The Bells of Shandon". Am Glockenturm "schwimmt" ein Lachs. Die goldene Wetterfahne hat die Form des Fisches, er soll an den Lachs der Weisheit erinnern, eine irische Legende. Im Volksmund wird der Kirchturm "the four faced liar" (der Lügner mit vier Gesichtern) genannt, denn auf jeder Seite des Kirchturmes ist eine Uhr und vor der großen Renovierung vor einigen Jahren zeigten alle vier Uhren eine andere Uhrzeit. Cork liegt im Südosten Irlands, inmitten des Flusses Lee. Die ersten Funde in Cork datieren auf ca. 900 und belegen, dass schon die Wikinger Gefallen an der Lage fanden. Der alte Stadtkern wurde auf der großen Insel im Lee gebaut, wie diese Karte (ausgestellt im English Market) zeigt. Die St. Patrick's Street zieren seit 2005 diese futuristischen Laternenaufbauten, die an Segel erinnern sollen. Früher lief der Fluss noch durch diese Straße. Schiffahrt war für Cork von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Auf einigen alten Häusern kann man dieses Wappen bewundern: Ein Schiff zwischen zwei Türmen. Klein Venedig

Ursprünglich war der Lee gleichzeitig Stadtgrenze, eines der alten Eingangstore ist noch erhalten: das Queen's Old Castle. Doch das macht Cork noch nicht zu klein Venedig. Als der Fluss noch seinem natürlichen Verlauf folgte, waren einige Häuser nur mit dem Boot zu erreichen. Erst als 1750 der Fluss umgeleitet wurde, konnten die Bewohner ihre Häuser zu Fuß erreichen. Noch heute existieren in der Altstadt einige dieser Häuser, man erkennt sie an der an der Außenmauer entlang führenden Treppe und dem darunter liegenden Eingang zum Bootshaus. Durch diese Rundbögen (ca. 1860) gelangte man früher zum Kornmarkt in der Anglesea Street, 1985 wurden sie wieder errichtet und begrenzen nun den Eingang in einen Park. Stadt der Rebellen

Cork gilt als die Rebellenstadt, ihr bedeutendster Sohn Frank O'Connor zettelte den Aufstand in die Unabhängigkeit von den Briten an. Und im jüdischen Viertel ist James Joyce geboren. 

Im Bild: Blick in den Park. Einer der beliebtesten Orte in der Stadt ist der English Market. Während der Lunchzeit um zwölf Uhr sind die victorianischen Hallen des English Market Ausflugsziel für Einheimische und Touristen. Auf der Ballustrade im Farmgate Market Café kann man das Treiben beobachten und Klaviermusik lauschen. Ähnlich dem Wiener Naschmarkt bekommt man hier alles. Vom Brot (die Iren mögen neben Weißbrot ganz besonders Dinkelmischungen), ... ... Fisch (die Fischhändler sind sehr freundlich und vor allem witzig, für ein Foto stellen sie sich gerne in Pose), ... ... bis zu leckeren Torten und Cupcakes. Auch dieses einheimische Gericht bekommt man im English Market: Kutteln (stripe) und Blutwurst (Drisheen), sieht nicht besonders gut aus, ist aber eine Spezialität von Cork. Alles Butter! 

Die Stadt kam durch ihre große Butterproduktion während einer Zeit, die die Iren auch "goldene Jahre" nennen, zu Reichtum. Die Region ist für ihre Milchwirtschaft bekannt. Nicht umsonst sagen die Iren scherzhaft: "Es gibt nie zuwenig Butter in Irland".

Im Bild: Traumhafte Brücke auf dem Universitätsgelände in Cork. Von 1770 bis 1924 gab es eine Butterbörse und auch heute profitiert Cork noch von der Milchwirtschaft. Auf der Universität Cork können Studenten das Fach "Dairy" inskribieren und alles über Milchprodukte lernen. 

Im Bild: Eingang zum Universitätskampus. Überall in Irland findet man wunderschöne Eingangstüren. Es scheint, als versuchten die Iren damit ihre Individualität in einem sonst eher tristen Häuserblock auszudrücken. Auch der Verfall ist in Cork immer wieder zu beobachten. Zwischen neuen Gebäuden findet man demolierte Fabrikshallen, oder alte Häuser, die an eine blühende Zeit erinnern. Das ehemalige Zollamt in typisch irischer Backsteinarchitektur dient mittlerweile als Kunstgalerie. Der Eintritt ist frei und im Inneren befindet sich ein wunderbares Restaurant. Ein kleiner Tipp: Wenn Sie mehr über die Stadt und ihre Geschichte erfahren wollen, so geben auch Taxifahrer gerne darüber Auskunft. Währen der Fahrt zum Restaurant können Sie schnell interessante Details erfahren – natürlich nur mit dem richtigen Fahrer, vielleicht haben Sie Glück! Kulinarisch hat sich Irland in den vergangenen zehn Jahren entwickelt. Ein gutes Beispiel dafür ist die Küche von Jacob's. Direkt am Lee liegt das neue Opernhaus von Cork mit seinen schiefen Fenstern. Die Wirtschaftskrise hinterließ auch in Cork ihre Spuren, einige Geschäfte stehen leer, doch die Leute sind freundlich und hoffen auf Besserung. Gerne sagen die Iren: "It could be worse" (es könnte schlimmer sein), ein Spruch, der sich nicht nur auf das Wetter anwenden lässt. Dieses Häuschen nennen die Bewohner der Stadt liebevoll "Puppenhaus" - weil es so klein ist. Infos:

Tourism Ireland
Tel.: 01/501 80 800 
www.entdeckeirland.at

Im Bild: Blick auf St. Fin Barre's Cathedrale.
(KURIER/Cork) Erstellt am
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