Reise 30.01.2012

Chinas Hallstatt baut auf Mozart

Im Mai ist die Kopie von Hallstatt in China fertig. Für die Mozart-verrückten Chinesen gibt es die Salzburger Getreidegasse.

Es wirkt wie ein künstlicher Fremdkörper zwischen Bambuswäldern und Reisfeldern. In der chinesischen Provinz Guandong wurde in Rekordzeit der Weltkulturerbeort Hallstatt nachgebaut – mit alten Häusern, Holzbalkonen, Kirche und einem Minisee.

 

Sogar Mozarts Geburtshaus wird in China von Salzburg nach Hallstatt verlegt.
© Bild: FREMD

Und weil sich Mozart so gut in China verkauft, hat man jetzt einfach auch die 80 Kilometer entfernte Getreidegasse samt Mozart-Geburtshaus in das chinesische Hallstatt eingeplant – mit Mozart-Bücherei, Handwerksschildern und Eisenwarenhändler. Die Geschäftsleute in der Getreidegasse wissen nichts davon, ihre Gefühle darüber sind gemischt.

 

Hallstatt-Baustelle in Guandong/China im Juni 2011.
© Bild: dapd(c) AP

Im Mai sollte die Kopie von Hallstatt bezugsfertig sein. Reiche Chinesen kaufen derartige Häuser aus Prestige. Wirklich drinnen wohnen tut meist niemand. Großstädter kommen zum Fotografieren vorbei – wenn sich schon die Europareise finanziell nicht ausgeht.

 

dapdIn this photo taken on Thursday, June 16, 2011, the mayor of the Upper Austrian town of Hallstadt Alexander Scheutz shows a drawing of Chinese architects of the town during an interview with the Associated Press in Hallstadt. After taking photos and c
© Bild: dapd(c) AP

Hallstatts Bürgermeister Alexander Scheutz (Bild) will noch im März mit einer Musikkapelle nach China reisen. Nachdem man im Juni 2011 eher durch Zufall draufkam, dass die Chinesen heimlich Hallstatt kopieren, will man jetzt Kontakt herstellen. Die Chinesen wollen allerdings Medienrummel vermeiden. "Viele im Ort können gar nicht glauben, dass die das wirklich gemacht haben. Rein rechtlich können wir eh nichts machen. Wir haben kein Copyright. Außerdem ist manches seitenverkehrt. Von der Getreidegasse weiß ich noch gar nichts."

 

Homepage

Chinesische Touristen laufen durch das Original.
© Bild: dapd(c) AP

Nachdem die erste Aufregung in Hallstatt abgeflaut war, machte man aus der Not eine Tugend. Auf der Homepage steht jetzt: "Millionenfach fotografiert – einmal kopiert – nie erreicht." "Außerdem kopiert man ja nur Dinge, die gut sind", lächelt Scheutz.

So richtig gut geklappt hat es mit dem Kopieren bisher nicht. Ein Reporterteam der britischen Zeitung Daily Mail hat verdeckt in China nachgeforscht. Bisher fanden sich kaum Käufer für die nachgebauten, bis zu 400.000 Euro teuren Villen. "Die Atmosphäre, die reine Luft und die Berglandschaft kann man eben nur im Original erleben", erklärt Scheutz.

In der Kulissenstadt wird es ein Bierhaus, ein Wiener Kaffeehaus und Restaurants mit europäischem Essen geben. Auch die nachgebaute evangelische Christuskirche soll als Restaurant, Konzert-oder Sporthalle genutzt werden. Ein Umstand, bei dem dem Hallstätter Bürgermeister ein gequältes "Oh, Jesus, Maria" entfährt.

Pfarrer Iven Benck nimmt es gelassener: "Es ist Gedankenlosigkeit, diese Bauten aus ihrem Zusammenhang zu reißen. Man sollte darauf hinweisen, wozu das Gotteshaus in Österreich dient."

 

dapdIn this photo taken on Thursday, June 16, 2011, the owner of the hotel Gruener Baum (Green Tree) Monika Wenger shows a drawing of Chinese architects of her hotel during an interview with the Associated Press in Hallstadt, Upper Austria. After taking p
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Frechheit Monika Wenger (Bild), Chefin des Hotels "Grüner Baum" hat jetzt erstmals ein Foto ihres in China nachgebauten Betriebs gesehen. "Es ist vielleicht ein gutes Marketing für den Ort, aber die Geschichte ist einfach unverschämt. Man hat fünf Jahre still und heimlich den Ort, mein Haus vermessen. Der chinesische Botschafter sagt nur, dass man nicht Hallstatt, sondern ,ein österreichisches Dorf‘ nachbaut. UNESCO und die Politik sagen nichts dazu. An einer Kooperation sind die in China gar nicht interessiert."

Die Touristiker freuen sich über "Little Hallstatt". Die breite chinesische Mittelschicht macht sich auf, die Welt zu entdecken. Bis 2020 soll die Zahl der auslandsreisenden Chinesen um jährlich 17 Prozent steigen. Im Ranking der beliebtesten Europa-Ziele liegt Österreich auf Platz fünf. Mozart, Sisi und unberührte Natur lösen bei Chinesen Begeisterungsstürme aus.

( Kurier ) Erstellt am 30.01.2012