Reise
04.06.2018

Bilbao: Spanien und das Baskenland abseits alter Trampelpfade

Die ehemalige Industriestadt hat sich herausgeputzt und ist ein Paradies für alle, die gern gut essen.

Schlag 11 Uhr wird es laut im Kaffeehaus. Gedränge an der Theke, auf der sich die Pintxos türmen. Also Brötchen, die so üppig mit Käse, Pilzen, Shrimps, Schinken oder Fisch belegt sind, dass sie mit kleinen Spießen zusammengehalten werden müssen. Ihre 11-Uhr-Pause ist den Beamten hier so wichtig, wie anderen Spaniern die Siesta, ätzt ein Einheimischer. Zwischen die Hemdenträger mischen sich Menschen mit dreckigen Schuhen, Funktionsshirts und Tramperrucksack am Buckel: Pilger, die abseits der großen Trampelpfade nach Santiago de Compostela unterwegs sind. Auf der Nordstrecke der Jakobswegs, entlang der Atlantikküste mitten durch Bilbao.

Das Baskenland ist das Gegenprogramm zum klassischen Spanienurlaub. Hier ist es im Mai noch so kühl, dass sich Touristen Daunenjacken kaufen und Einheimische nie Siesta machen. Die Straßen sind blitzblank sauber, die Basken für spanische Verhältnisse zurückhaltend. Sie sehen sich als die „Deutschen des Südens“: korrekt, pünktlich, arbeitsam.

 

Manches haben sie aber den Südländern zur verdanken, wie ihre edle geschwungene „Weiße Brücke“, die einen schicken Glasboden hat, den man aber kaum sieht. Denn an den vielen Regentagen in Bilbao wurde der Glasboden zur gefährlichen Rutschpartie. Das hatte Star-Architekt Santiago Calatrava, der aus dem sonnigen Valencia stammt, wohl genauso wenig bedacht wie die Stadtpolitiker. Die Brücke musste also mit einem Teppich ausgelegt werden. Wegen dem kommen die Touristen freilich nicht in die ehemalige Industriestadt, die sich nach dem Ende der Stahlindustrie und einem verheerenden Hochwasser 1983 neu erfinden musste.

Albtraum der Ingenieure

Die Politik setzte damals auf Kultur, auf den Bau des Guggenheim-Museums. Die Bevölkerung schimpfte, dass bei einer Arbeitslosigkeit von damals 25 Prozent Geld ausgerechnet in ein Kulturobjekt fließen sollte. Heute pilgern jährlich rund eine Million Touristen ins Museum, das der Albtraum eines jeden Ingenieurs – und der Traum eines jeden Architekten ist. Das geschwungene, mit Titan verkleidete Gebäude hat keine einzige gerade Wand und liegt wie ein verwunschenes Schiff am Flussufer. Dass der Vater der Namensgeberin, Peggy Guggenheim, einst auf der Titanic ertrunken ist, ist wohl eine Ironie des Schicksals.

In den engen Gassen der Altstadt reihen sich rund 400 Geschäfte aneinander, darunter viele Traditionsgeschäfte. Etwa Hutmacher, die die berühmte Baskenmütze verkaufen. Mit dieser kann man dann zum Beispiel in Gexto promenieren. Der Villenort, den die Reichen vor rund hundert Jahre direkt am Meer gebaut haben, ist heute binnen weniger Minuten mit der Metro erreichbar. Den Fluss, auf dem früher zig Tanker in die Stadt fuhren, überquert man noch heute mit der Schwebebrücke von Biscaya (ein UNESCO-Weltkulturerbe).

Die perfekte Welle

Im Küstenstädtchen Mundaka, keine Autostunde von Bilbao entfernt, sind auffällig viele Menschen bloßfüßig unterwegs. Sie stecken in Neoprenanzügen und sind am Weg zum Strand. Mundaka ist bekannt für seine „linke Welle“, die sich vier Meter hoch und 400 Meter lang aufbäumen kann.

 

Gemütlicher geht’s im Fischerdorf Bermeo zu. In der Bucht schaukeln Boote und kleine Yachten, die Gastgärten mit Blick auf die Bucht sind überfüllt. Wer in den Cafés hier nicht genug Pintxos gegessen und Wein getrunken hat, taucht am Abend wieder in die Altstadt Bilbaos ein, in der sich auf den Theken die baskischen Spezialitäten abenteuerlich stapeln.

 

 

Anreise

Die spanische Billigfluggesellschaft Volotea fliegt seit diesem Frühjahr direkt ab Wien nach Bilbao, www.volotea.com

Baskisch

Die Basken sagen zur Begrüßung „kaixo“ und verabschieden sich mit „Agur“. Statt einem „Cerveza“ bestellt man im Baskenland „Garagardoa“ (Bier)

Unterkunft

4*-Hotel Ercilla, gelegen am Beginn der Einkaufsstraße und damit idealer Ausgangspunkt für Shopping- und Erkundungstouren durch die Stadt, www.hotelercilla.es

Ausflug

Für Surfer ist der Besuch von Mundaka ein Muss, das für seine „Linke Welle“ bekannt ist
www.mundakaturismo.com
Gemütlicher geht es im Fischerstädtchen Bermeo zu

Guggenheim Museum

Eintrittskarten am besten schon im Vorfeld kaufen, guggenheim-bilbao.
eus/en/buy-tickets/

Essen und Trinken

Restaurant ATEA, das  dem Fernseh- und Michelin-Koch Daniel Garcia gehört, www.atearestaurante.com
– Pintxos auf dem belebten Plaza  Nueva der Altstadt http://bilbao-cafebar.com/
– Kaffeepause im historischen  und farbenfrohen Café-Restaurant „Iruña
www.cafeirunabilbao.net/el-cafe
– Besuch des auch bei Einheimischen beliebten Ribera-Marktes (Fisch, Fleisch, Käse, Obst) mit anschließendem Restaurantbesuch  und Blick auf das angesagte „San Francisco Viertel“ www.lariberabilbao.com

Auskunft

www.bilbaoturismo.net
www.spain.info