Antarktis: Expedition zu Pinguine, Eis & Meer

Antaktis, Pinguine, Eisberge, Schnee, Schiff, Jänner 2012
Foto: Sandra Baierl Pinguine leben zu Hunderttausenden in Kolonien, watscheln, brüten und sind unbeeindruckt von den Touristen.

Ab Argentinien mit der französischen Luxusyacht L’Austral bis ans südliche Ende der Welt – einmal Gast sein im Land der Eisberge, Seeleoparden und Wale. Ein Reiseabenteuer, das mehr Expedition als Kreuzfahrt ist.

Im Zodiac zehn dick vermummte Passagiere und ein leicht bekleideter, mehrsprachiger Wissenschaftler, der das Schlauchboot steuert. Ohne Handschuhe, bei gut minus zehn Grad und kaltem Wind. Vorbei an 100 Meter hohen Eisbergen, 30 Meter langen Wal-Skeletten, die auf dem Eis liegen, vor über hundert Jahren von Jägern abgeschlachtet. Es geht weiter durchs Eiswasser, der Wind pfeift, die Gischt spritzt, "ist ja nur Wasser", sagt der Wissenschaftler. Ja eh, aber eisig kaltes. Eine Gruppe Pinguine zieht am Zodiac vorbei. Sie, die an Land so unbeholfen dahinwatscheln, gleiten elegant durchs Wasser, springen, tanzen. Plötzlich taucht ein Seeleopard auf, umkreist das Boot, springt, hat seine Freude mit den fremden Gästen. "Er ist gefährlich", erklärt der Wissenschaftler, ein Raubtier und manchmal zu neugierig, 300 Kilo schwer, er frisst täglich 60 Pinguine. Und ein Showman ist dieser See­leopard obendrein: Offenbar mag er die Luftblasen des Schlauchboots, er umrundet uns, taucht auf und ab, ist forsch und frech – ich glaube, er hat seinen Spaß.

Weiß, Grau, Blau

Antaktis, Pinguine, Eisberge, Schnee, Schiff, Jänner 2012 Foto: Sandra Baierl Zodiacs (Schlauchboote) fassen
zehn Personen, das Expeditionsteam hilft beim Anlanden.

Für die Zodiac-Tour und die Anlandung in Port Lockroy, einer alten, britischen Militärbasis in der Antarktis, 64° 49` 0`` Süd, 63° 30` 0`` West, sind wir Passagiere heute sehr früh aufgestanden. Und sind beeindruckt von der faszinierend schönen Landschaft, riesigen Eisbergen, Eiswasser, wilden Tieren, die unbekümmert und unerschrocken hier leben. Es ist eine Welt in Weiß und Grau und Blau. Nach mehreren Einführungsvorlesungen durch die Naturforscher – es sind Biologen, Geologen, Vogelkundler, Ozeanologen, Historiker an Bord – wissen wir: Menschen sind in der Antarktis nicht vorgesehen, "you are not welcome here" drückt es Expeditionsleiter Nicolas Dubreil unmissverständlich aus. Weshalb die Besucher auch einem strengen Protokoll folgen müssen: Verhalten nach IAATO-Verordnung heißt, zahlreiche Hygienegesetze befolgen, Kleidung und Schuhe desinfizieren, die Antarktis respektieren und nicht zu verändern, an die Tiere nicht näher als fünf Meter – die Natur hat hier Vorrang, immer. Das gilt jedenfalls noch bis 2048, bis dahin läuft der Antarktis-Vertrag, der das Gebiet vor jedweder Ausbeutung schützt.

Luxusschiff im Eismeer

Antaktis, Pinguine, Eisberge, Schnee, Schiff, Jänner 2012 Foto: Sandra Baierl Ushuaia, südlichster Ort der Welt, auch "Fin del Mundo" genannt.

Obwohl die Welt da draußen wild und ungestüm ist, erkunden wir sie auf sehr bequeme Art: Mit einem neuen 5-Sterne-Schiff der Compagnie du Ponant, französischer Luxus am südlichen Ende der Welt. 137 Kabinen hat die L’Austral, zum fünften Mal erst überquerte sie im Februar die berüchtigte Drake-Passage zwischen der Südspitze Argentiniens und der Antarktis.

Von Ushuaia aus in die Antarktis: Kapitän, Besatzung, Wissenschafter und die etwa 160, meist schon sehr weit gereisten Gäste an Bord, sind sich einig: Dieses Schiff ist eine Klasse für sich. Denn obwohl die L’Austral bei relativ ruhiger See über die Passage kommt ("The drake is friendly this time", sagen die Seemänner), waren die Wellen gute fünf Meter hoch. Das ist gar nichts, zwanzig Meter hohe Wellen sind schon eher üblich. Die L’Austral verfügt über enorm viel Balance, dank neuartiger Seitenstabilisatoren, die die Wellen ausgleichen und das Schiff halbwegs ruhig durch das Meer gleiten lassen. Übel und mulmig wird den meisten Passagieren trotzdem: 48 Stunden über schwappende Wellen schaukeln, daran ist der Kontinentaleuropäer nicht gewöhnt.

Compagnie du Ponant, Antarktis, Kreuzfahrt, LAustral Foto: Compagnie du Ponant Suite auf der L’Austral: Alles da, nur fürs Fernsehen gibt’s im tiefen Süden keinen Empfang

Das Service auf der L’Austral ist das eines Luxushotels: Küche vom Feinsten mittags und auch beim fünfgängigen Abendessen. Personal, das jeden Wunsch zu erfüllen versucht, ein Sothy’s-Spa, Fitnesscenter, Kino und Theater, Bars, Aussichtsbereiche, Kabinen wie Hotelzimmer mit verglastem Bad und einem TV-Flatscreen, "der total schön aussieht, aber keinen Empfang hat. Sie sind ja nicht zum Fernsehen in die Antarktis gekommen", scherzt der Kapitän bei der Erklärung des Schiffes. Technisch ist man hier auf dem neuesten Stand: Das Mobiltelefon funktioniert gut über eine Satellitenverbindung, der Steward rät trotzdem von der Benutzung ab: "Sie können das On-Waves-Netzwerk schon verwenden, müssen aber wissen, dass Ihre Handynummerrechnung so hoch sein wird, wie die Nummer, die sie wählen." Erstaunlicherweise funktioniert die Internet-Verbindung über den Satelliten recht passabel, wenn man nicht gerade im Schatten eines Eisbergs ist.

Antaktis, Pinguine, Eisberge, Schnee, Schiff, Jänner 2012 Foto: Compagnie du Ponant Die L’Austral, Luxusschiff inmitten der
antarktischen Wildnis

Braucht man aber alles nicht: Der Tag ist mit einem dichten Programm aus Anlandungen, Zodiac-Touren und Vorträgen über die Antarktis gefüllt. Zwei bis drei Expeditionen pro Tag, manchmal schon ab 6.30 Uhr morgens. Gäste müssen wissen: Diese Reise ist eher Expedition als Kreuzfahrt. Durchaus anstrengend, schon allein wegen der Kälte, des ewigen Schiffschaukelns. Geboten wird einiges: Die Wissenschafter erklären, suchen die schönsten Plätze, erkunden das Gebiet, bevor sie die Passagiere an Land holen. Sie schlafen nur drei bis vier Stunden pro Nacht –, aber es wird ohnehin nicht dunkel hier, denn es ist Sommer (im Winter hingegen herrscht 24 Stunden Dunkelheit, die Temperaturen sinken auf bis zu Minus 80 Grad am Pol).

Antaktis, Pinguine, Eisberge, Schnee, Schiff, Jänner 2012 Foto: Sandra Baierl Absolute Stille in Neko Harbour – nur der stark kalbende Gletscher macht dumpfe Geräusche.

Die gesamte Besatzung ist auf Sicherheit bedacht und agiert extrem professionell. Die Wissenschaftler kennen die Gegend, stimmen sich täglich mehrmals mit dem Kapitän ab, überlegen, welche Passagen befahrbar sind, welche Buchten ungefährlich, machen je nach Wetter- und Eislage kurzfristige Pläne für die Erkundungen, ändern und verwerfen, weil man hier im Grunde nicht planen kann.

Weit in den Süden kommen wir in diesem arktischen Sommer (November, Dezember, Jänner) nicht. Das Meer ist besonders stark vereist, viele Passagen unmöglich zu befahren. Die L’Austral fährt zur Einfahrt diverser Passagen, muss aber öfter umkehren – keine Durchfahrt. Oder schon Durchfahrt, aber die Gefahr, dass es keine Rückkehr mehr gibt, zu groß. Deshalb führt uns die Route diesmal nach Port Lockroy und Port Charcot, Cuverville Island und Neko Harbor, Enterprise Island, Wilhelmina Bay, Mikkelsen Harbor, Devil Island, Paulet Island, Baily Head und Hannah Point. Highlights dieser 10-tägigen Schiffsreise waren die Sichtung von Orca- und Buckelwalen, Tausenden Pinguinen unterschiedlichen Aussehens, Seeleoparden und Robben, Seeelefanten und Vögeln. Und unglaubliche Eisberge.

Antaktis, Pinguine, Eisberge, Schnee, Schiff, Jänner 2012 Foto: Sandra Baierl Eintauchen in heißes Vulkanwasser auf Deception Island.

Auch die Rückreise durch die Drake Passage verläuft ungewöhnlich ruhig. Wir schaffen die Überfahrt so schnell, dass der Kapitän beschließt, außer Plan Kap Hoorn in Chile anzufahren, inklusive Landgang, was 12.000 Dollar extra kostet, eine zusätzliche Grenzkontrolle notwendig macht, aber den Gästen einen tollen Stempel im Reisepass bringt. Und eine Anlandung am berühmten Kap: Champagner inklusive, das ist alte Seemannstradition.

Etwa 30.000 Touristen kommen jedes Jahr in die Antarktis. Viele via Schiff, manche mit dem Flugzeug. Die 10-tägige Expedition in die Antarktis ist atemberaubend schön. Als Mensch ist man dort nur Gast in einer Welt, in der man ohne Technik nicht überleben könnte. Zurück kehrt man mit Bildern, die man ein Leben lang behält: Orcas, die im Meer spielen. Pinguine, die unermüdlich Nester bauen. Eisberge, die sich kolossal auftürmen. Seeleoparden, die durchs Wasser gleiten. Buckelwale, Robben, Vögel. In der Stille und Weite und Kälte eines unberührten Paradieses.

Ein Land, das keinem gehört

Compagnie du Ponant, Antarktis, Kreuzfahrt, LAustral Foto: Compagnie du Ponant Mitte: Seeleoparden sind mitunter gefährlich.

Die Antarktis gehört allen und niemandem – so ist es im Antarktisvertrag festgelegt, gültig bis 2048. Zwischen 60 und 90 Grad südlicher Breite darf die Antarktis ausschließlich friedlich genutzt werden. Jede Form der Ausbeutung oder der Abbau von Rohstoffen ist verboten. Ziel des Vertrags ist es, das ökologische Gleichgewicht der Region zu wahren: Die Antarktis ist ein autarkes Gebiet, das nicht verändert oder verschmutzt werden darf. Die hygienischen Bestimmungen nach IAATO sind deshalb besonders streng. Kleidung und Schuhe müssen abgesaugt und desinfiziert werden, Schlittenhunde sind verboten. Die Tierwelt ist vielfältig: Pinguine, Robben, Wale, Vögel – aber keine Eisbären.

Infos

grafik antarktis Foto: KURIER

Das Schiff

Die L’Austral ist eine Mega-Yacht, ein Fünf-Sterne-Schiff der französischen Reederei Compagnie du Ponant. Sie wurde 2011 in Dienst gestellt, hat 132 Außenkabinen und -suiten und lässt keine Wünsche offen: Savoir-vivre ist das Motto, geboten werden gehobene französische Küche, feinste Weine (inkludiert), Fitness- und Wellnesscenter, 24-Stunden-Room-Service. Bordsprache ist Französisch (Englisch auf Nachfrage). www.ponant.com

Ausrüstung

Seiden- oder Funktionsunterwäsche, wasserdichte Hose, wasserdichte Jacke (bekommt man an Bord) und, besonders wichtig: kniehohe, wasserdichte Gummistiefel, in die zwecks Wärme auch zwei paar Socken passen.

Planung

Reisen in die Antarktis sind derzeit sehr begehrt. Die Buchung einer Kreuzfahrt sollte deshalb mindestens ein Jahr im Voraus erfolgen.

Beste Reisezeit

Ist der antarktische Sommer, also Ende November, Dezember, Jänner, Anfang Februar. Temperaturen: null bis minus 10 Grad, starke Sonneneinstrahlung, unvorhersehbare Wetterwechsel. Nachts wird es nicht ganz dunkel.

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(kurier) Erstellt am
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