Politik
27.01.2012

„Wertloser“ Teppich brachte 7,2 Millionen €

Ihr Teppich wurde auf 900 € geschätzt, ging aber bei Christie’s um 7,2 Millionen € weg. Die Besitzerin fühlt sich schwer betrogen.

Eine ältere Dame aus dem bayerischen Raum Starnberg wollte für ihre Kinder ein paar Familienerbstücke versilbern. Mit einem alten Perserteppich ging sie zu einem Augsburger Auktionator, um den Läufer (338 mal 153 cm) schätzen zu lassen. Der Auktionator schätzte das Stück auf 900 €, bei der Versteigerung freute sich die ältere Dame über einen Erlös von 19.700 €. Doch ein paar Monate später wussten sie und ihre Kinder, dass sie ein Millionenvermögen zu billig versteigern hatten lassen. Denn über einen Teppichhändler aus Hamburg kam das Stück zu einer Auktion bei Christie’s in London. Christie’s Fachleute schätzten den Teppich auf knapp 350.000 €. Bei der Versteigerung erzielte der damit angeblich teuerste Teppich der Welt 7,2 Millionen €.

„Meine Mandantin hat die Sache mit Fassung aufgenommen“, sagt der auf Kunstrecht und Haftung spezialisierte Münchner Anwalt Hannes Hartung, der auch an der Karl Franzens Universität in Graz Internationales Kunstrecht unterrichtet. „Ihre Kinder stecken hinter der Klage gegen den Augsburger Auktionator. Sie verlangen aber nicht sieben Millionen €, sondern wären mit einem Vergleich von 100.000 € einverstanden gewesen.“ Doch der Auktionator lehnte das ab und bekam am Freitag in erster Instanz sogar Recht. Der Richter sah keine Verletzung der Sorgfaltspflichten. Der Auktionator muss überhaupt keinen Cent an die frühere Besitzerin zahlen.

 

Berufung

gegen Urteil Hannes Hartung wird empfehlen, die nächste Instanz anzurufen. Denn er sagt, dass der Auktionator überhaupt nicht gewusst habe, was für ein Prachtstück er da begutachtet: „Unser Hauptvorwurf liegt darin, dass das Auktionshaus meiner Mandantin hätte mitteilen müssen, dass es den Teppich mangels Sachkunde nicht beurteilen kann. Dann hätte sich meine Mandantin nämlich auch an ein internationales Auktionshaus gewendet, wie sie es bei einem Bild von Constantyn Netscher – dem aus ihrer Sicht einzig wertvollen Stück – tat.“ Er fügt hinzu: „Sie würden schließlich auch einen Monet nicht als ein Bild von einem französischen Maler aus dem 19. Jahrhundert angeben.“

Bei Christie’s wurde der Wert des Teppichs aus dem 17. Jahrhundert aus der Provinz Kerman erkannt. Der Ausrufungspreis lag bei umgerechnet knapp 350.000 €.