Vornehme Zurückhaltung in Österreich

"Unvernünftig hohe Einkommen sollen auch unvernünftig hoch besteuert werden", so Strabag-Boss Hans Peter Haselsteiner.
Foto: APA/HANS KLAUS TECHT

Während in den USA, Italien und Frankreich Vermögende höhere Steuern akzeptieren würden, herrscht hierzulande Zurückhaltung.

Während in anderen Ländern (Super-) Reiche dieser Tage vollmundig Solidarität bekunden, hüllen sich Österreichs Wohlhabende in vornehmes Schweigen. Die Bereitschaft, höhere Steuern zu zahlen, ist endenwollend. Das mag womöglich daran liegen, dass Reiche in Österreich ohnedies verhältnismäßig kräftig zur Kassa gebeten werden. "Wir besteuern Reiche schon jetzt deutlich höher als beispielsweise Deutschland, Frankreich oder die USA", sagt Finanzministeriums-Sprecher Harald Waiglein.

Mit Finanzministerin Maria Fekter haben die wohlhabenden Österreicher einen mächtigen Verbündeten. "Keine höheren Vermögenssteuern", lautet ihr Credo. Die Neiddebatte sei in Österreich weit verbreitet und habe schon viel Schaden angerichtet, sagte Fekter in einem Gewinn-Interview bereits im Mai.

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"Unvernünftig hohe Einkommen sollen auch unvernünftig hoch besteuert werden", so Strabag-Boss Hans Peter Haselsteiner. Foto: APA/HANS KLAUS TECHT "Unvernünftig hohe Einkommen sollen auch unvernünftig hoch besteuert werden", so Strabag-Boss Hans Peter Haselsteiner.

Eine OECD-Empfehlung nach höherer Besteuerung von Vermögen (damit im Gegenzug der Faktor Arbeit entlastet werden kann) verpufft im Finanzministerium. Angesichts zahlreicher vermögensbezogener Steuern, von der Grundverkehrssteuer, Kapitalertragssteuer bis hin zur neu geschaffenen Wertpapier-KESt, sei die Besteuerung von Vermögen in Österreich "so gering nicht" (Fekter). Auch Privatstiftungen - in denen viele Reiche ihr Vermögen steuerschonend parken - werden nicht angetastet.

Ein wohlhabender Österreicher meldete sich am Freitag aber doch zu Wort: Strabag-Boss Hans Peter Haselsteiner, dem das Thema im Lichte der sozialen Gerechtigkeit schon lange ein Anliegen ist. "Unvernünftig hohe Einkommen sollen auch unvernünftig hoch besteuert werden." Konkret forderte Haselsteiner einmal, den Spitzensteuersatz für Gehälter um die fünf Millionen Euro auf 70, 80 Prozent anzuheben.

Auch Steuerprivilegien für Stiftungen sind laut dem Strabag-Boss nicht mehr zeitgemäß. Sie sollten "vergleichbar mit anderen Körperschaften besteuert werden, das heißt: 25 Prozent".

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(kurier) Erstellt am
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