Politik 05.12.2011

Von Metzler: Der neue Schmerz der Eltern

Deutschland: Viele sind empört über das Urteil, das einem Kindermörder wegen Folterandrohung 3000 Euro Entschädigung zuspricht.

Das Gericht hat Richtiges gewollt, aber Falsches gemacht", urteilt Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung. "Für mich persönlich ist es schwer erträglich, wenn einem verurteilten Kindsmörder eine Entschädigung zugesprochen wird", sagt der hessische Innenminister Boris Rhein. Auch der leidgeprüfte Vater des entführten und ermordeten Jakob von Metzler drückt seinen Schmerz in der Bild-Zeitung so aus: "Das Urteil empört mich zutiefst, wir verstehen das nicht. Auf die Begründung bin ich sehr gespannt. Es ist alles so bedrückend - besonders auch für die Polizisten", sagt Friedrich von Metzler.

Sie hätten nie mit Folter drohen dürfen, nachdem sie Magnus Gräfgen mit einer Million Euro Lösegeld geschnappt hatten. Sie hätten andere Methoden finden müssen, um den Aufenthaltsort des entführten Frankfurter Bankierssohns so rasch es geht zu finden.

Dennoch geht eine Welle der Empörung durchs Land. Volker Kauder, der CDU-Vorsitzende des Rechtsausschusses im Bundestag verteidigt den Entscheid der hessischen Richter: "Das mag moralisch verwerflich sein, aber rechtlich gibt es da nichts zu beanstanden." Kauder überlegt aber, ob die zugesprochene Summe in Zukunft nicht direkt den Verbrechensopfern und ihren Angehörigen zugesprochen werden sollte. Da der Ausgang des Prozesses einmalig in der deutschen Rechtsgeschichte sei, überlegt das Land Hessen, ob es in Berufung geht.
Die Grünen sind mit dem Urteil zufrieden.

Zweck

Rechtsexperte Jerzy Montag sagt: "In einem Rechtsstaat dürfen von der Polizei keine unlauteren, unsauberen Mittel angewendet werden." Geschehe das trotzdem, sei der Betroffene für das erlittene Unrecht zu entschädigen. Heribert Prantl sieht das anders: "Das Urteil verfehlt den Zweck des Gesetzes."

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011