Vom Politstar zum Buhmann Kroatiens

Ivo Sanader
Foto: rts

Die politische Karriere des früheren kroatischen Premiers, Ivo Sanader, begann und endete in Österreich.

Als neuer starker Mann wurde Sanader 2003, als er kroatischer Premier wurde, gefeiert. Als er 2009 zurücktrat war Sanader sowohl in Kroatien als auch international noch immer hoch angesehen. Doch als er 2010 durch einen "Putsch" wieder an die Macht kommen wollte, wurde er zum Buhmann der Nation, die ihm wünschte, dass er in Remetinec, dem Gefängnis am Rande Zagrebs, landen möge.

Dorthin ist es jetzt offenbar nicht mehr weit: Sanader sollte in Kürze von Österreich an seine Heimat ausgeliefert werden.

Internationaler Haftbefehl

Sanader war am 10. Dezember 2010 von der österreichischen Polizei im Bundesland Salzburg aufgrund eines internationalen Haftbefehls verhaftet worden. Tags zuvor hatte das kroatische Parlament die Immunität des Ex-Premiers aufgehoben. Die kroatische Justiz wirft ihm Amtsmissbrauch in mehreren Fällen vor, er soll durch dubiose Transaktionen über ihm nahe stehende Firmen das kroatische Staatsbudget um sechs Millionen Euro geschädigt haben. Die Korruptionsstaatsanwaltschaft in Wien ermittelt weiter gegen Sanader wegen eines Geldwäscheverdachtes in Österreich, eine Tiroler Bank hatte Anzeige erstattet. Sanader bestreitet alle Vorwürfe und will seine Unschuld vor kroatischen Gerichten beweisen. Auch eine angebliche Verwicklung in die Affäre der Kärntner Hypo Alpe Adria hat er stets zurückgewiesen.

Karriere

Wo seine Karriere startete, endete sie auch: in Österreich. Vor 20 Jahren gründete er in Innsbruck die österreichische Zweigstelle der HDZ (Kroatische Demokratische Gemeinschaft). Nach Innsbruck hatte ihn sein Studium der vergleichenden Literaturwissenschaften und Romanistik verschlagen. Nach seiner Promotion in Innsbruck kehrte er 1983 nach Kroatien zurück, wo er bis 1987 als Journalist in seiner Geburtsstadt Split tätig war. Danach zog es ihn wieder in die Tiroler Hauptstadt, um vier Jahre als Unternehmer tätig zu sein. 1991 wurde er vom Kroatischen Volkstheater in Split zum Intendanten ernannt.

Erst 1992 entschloss sich Sanader, professioneller Politiker zu werden. Im selben Jahr übernahm er das Amt des Wissenschaftsministers und wurde ein Jahr später Vize-Außenminister. Nach dem Krieg (1991-1995) leitete er für ein Jahr die Präsidentschaftskanzlei von Staatsgründer Franjo Tudjman, der im Dezember 1999 verstarb. Zwischen 1996 und 2000 bekleidete Sanader erneut das Amt des Vize-Außenministers.

Auf dem HDZ-Parteitag 2002 wurde er zum zweiten Mal zum Parteichef gewählt. Dabei gab es eine heftige Auseinandersetzung mit seinem größten Konkurrenten, Ivic Pasalic, der kurz darauf die Partei verließ und den nationalistischen Kroatischen Block (HB) gründete.

Sanader arbeitete hart an einer Reform der Partei und entschuldigte sich auch bei allen Bürgern, die Probleme hatten, als die HDZ in den 1990er Jahren an der Macht war. Sanader führte die Partei mehr in die Mitte und warf auch die nach außen schlimmsten Nationalisten aus der Partei. Im Vergleich zu diesen Hardlinern gilt Sanader als höflicher und gebildeter Mensch, der Deutsch, Französisch, Englisch und Italienisch spricht.

2007 gewann Sanader nach 2003 mit der HDZ die Parlamentswahlen erneut. Er führte Kroatien in die NATO, doch in die EU schaffte es Kroatien nicht mit Sanader. Offensichtlich war seine Verhaftung eine der Bedingungen für Kroatiens EU-Beitritt geworden - die EU hatte von Kroatien immer wieder verlangt, dass das Land auf höchster Ebene gegen Korruption vorgehe. Die Geschichte schien sich zu wiederholen: Die Eröffnung von Kroatiens EU-Verhandlungen waren an die Verhaftung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Ante Gotovina geknüpft, dessen Verhaftung Sanader massiv vorangetrieben hatte.

Und Sanaders Auslieferung hing wieder mit dem Thema EU zusammen: Noch vor kurzer Zeit hatte Sanader mit der Argumentation, in Kroatien sei kein faires Verfahren möglich, seine Auslieferung an Kroatien bekämpft. Seine Kehrtwende begründete der 58-Jährige so: Er halte Kroatien für EU-reif und wolle deshalb den Abschluss der Beitrittsverhandlungen mit seinem Fall nicht belasten, da er die Beitrittsverhandlungen 2005 begonnen und zum Großteil über die Jahre selbst geführt habe. Zagreb schloss Ende Juni seine EU-Beitrittsverhandlungen ab.

Sanader wurde am 8. Juni 1953 in Split geboren, ist verheiratet mit Ankica Sanader und hat zwei Töchter, Bruna und Petra Sanader. Petra ist Schauspielerin in studiert in den USA. Bruna spielte bei seiner Flucht aus Kroatien im Dezember eine bedeutende Rolle: Sie fuhr mit ihm über die slowenische Grenze.

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(apa) Erstellt am
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